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Fußball

24.12.2019

Höß und Höhenflug - Pipinsrieds Manager Roman Plesche im Interview

Volle Unterstützung bekommen die Pipinsrieder Spieler vom Fanklub Bibaschria 67ga. Gerade nach dem Rückstand peitschen die zahlenmäßig deutlich unterlegenen FCP-Anhänger ihr Team nach vorne. Am Ende gewinnt der Dorfklub in der Kreisstadt Landsberg mit 5:1.
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Volle Unterstützung bekommen die Pipinsrieder Spieler vom Fanklub Bibaschria 67ga. Gerade nach dem Rückstand peitschen die zahlenmäßig deutlich unterlegenen FCP-Anhänger ihr Team nach vorne. Am Ende gewinnt der Dorfklub in der Kreisstadt Landsberg mit 5:1.
Bild: Sebastian Richly

Exklusiv Der Sportliche Leiter des FC Pipinsried, Roman Plesche, spricht über die unglaubliche Serie des Dorfklubs, Sonderurlaub und die Bedeutung der Regionalliga.

Altomünster-Pipinsried Roman Plesche ist seit 2016 Sportlicher Leiter beim FC Pipinsried. Gleich in seiner ersten Saison gelang dem Dorfklub aus dem Dachauer Hinterland der Aufstieg in die Regionalliga. Im Sommer 2018 folgte der bittere Abstieg. Nun ist der 32-Jährige mit dem FCP auf dem besten Weg zurück in Bayerns höchste Spielklasse. Der gebürtige Sulzberger (Allgäu), der in München lebt, war bis 2013 selbst höherklassig am Ball. Im Interview mit den Aichacher Nachrichten verrät der FCP-Manager das Erfolgsgeheimnis des immer noch ungeschlagenen Tabellenführers. Außerdem spricht er über sein Verhältnis zu Konrad Höß und warum er für den Dorfklub keine Alternative zur Regionalliga sieht.

Herr Plesche, wird es Ihnen angesichts der Dominanz des FCP nicht manchmal langweilig?

Roman Plesche: Gute Frage. Nein, trotz der vielen Siege wird es immer noch nicht langweilig. Der Ansporn ist groß, die Saison ungeschlagen zu beenden. Das wäre etwas ganz Besonderes, weil noch keiner von uns so etwas schon erlebt hat. Das wäre eine tolle Geschichte.

Höß und Höhenflug -  Pipinsrieds Manager Roman Plesche im Interview

Wie schaffen es die Trainer, dass die Spieler nicht nachlassen?

Plesche: Wir arbeiten im Training sehr konzentriert und akribisch. Wir analysieren unsere Gegner genau und uns selbst ebenso. Die Trainer zeigen den Spielern Stärken und Schwächen auf. Diese Routine bringt uns weiter. Hinzu kommt das Leistungsprinzip. Keiner kann sich ausruhen und so sind alle immer motiviert. Wenn einer die Leistung nicht bringt, sitzt er ganz schnell auf der Bank.

Haben Sie wenigstens ein bisschen Mitleid mit den Gegnern?

Plesche: Eigentlich nicht. Wir ziehen unser Ding durch und dann ist es egal ob wir 1:0 oder 5:0 gewinnen.

Gibt es überhaupt etwas zu bemängeln?

Plesche: Höchstens Kleinigkeiten. Wer sich unsere Spiele angeschaut hat, der weiß, dass wir noch viel mehr Tore auf dem Konto haben müssten. Das ist aber Meckern auf hohem Niveau.

Welcher Spieler hat Sie am meisten überrascht?

Plesche: Paolo Cipolla. Er kam aus der Kreisliga und hat sich in so einer erfahrenen Mannschaft super entwickelt. Er hat etwas gebraucht und war auch verletzt, aber er hat Riesenpotenzial. Es macht uns stolz, wenn wir seine Entwicklung sehen.

Einen heißen Tee wird Roman Plesche in der Wintervorbereitung, die Anfang Februar beginnt, wieder brauchen.

Warum Pipinsried auf ein Trainerduo setzt

Vor der Saison fragten sich nicht wenige, ob das Trainerduo Hürzeler/Salemovic zusammenpasst. Was war die Idee dahinter?

Plesche: Ich weiß, dass Fabi (Hürzeler) ein sehr guter Trainer ist. Er wird auch in Zukunft noch für Furore sorgen. Wir wollten ihn unbedingt halten, wussten aber, dass das aufgrund seines Engagements beim DFB alleine schwierig wird. Muriz (Salemovic) war in Landsberg sehr erfolgreich und wusste, wie man aufsteigt. Einige haben mir gesagt, dass ein Duo Hürzeler/Salemovic nicht funktionieren kann. Ich hatte aber nach dem ersten Gespräch das Gefühl, wenn sich das einspielt, sind wir nicht zu stoppen. Deshalb hat mich die überragende Runde auch gar nicht so überrascht.

Gibt es jetzt eigentlich Sonderprämien für die Spieler?

Plesche: Auf keinen Fall. Jeder wusste, was auf ihn zukommt und wie groß der Druck ist. Wir haben der Mannschaft klar gesagt, dass wir Meister werden wollen. Dennoch ist es beeindruckend, wie die Spieler die Vorgaben umsetzen.

Aber Sonderurlaub wird es geben?

Plesche: Die Trainer haben vor Wochen gesagt, dass es eine Woche später mit der Vorbereitung losgeht, wenn wir die 60-Punkte-Marke erreichen. Damit hatten sie wohl selbst nicht gerecht, aber die Mannschaft hat sich die freien Tage auch verdient.

Hand aufs Herz, für wann haben Sie die Aufstiegsfeier geplant?

Plesche: (lacht) Das kommt natürlich auch darauf an, was die Konkurrenz macht. Wir spielen am 7. März gegen den Tabellenzweiten Deisenhofen. Bei einem Sieg sieht es ganz gut aus. Ziel ist ganz klar Platz eins. Wir wollen, wenn möglich, bis zum Schluss ungeschlagen bleiben. Aber auch eine Niederlage wird uns nicht aus der Bahn werfen. Wann wir feiern, ist egal, es ist hoffentlich nur noch eine Frage der Zeit.

Aber die Planungen für die Regionalliga haben schon begonnen?

Plesche: Die haben wir natürlich im Hinterkopf. Alles andere wäre gelogen.

Wäre ein Nicht-Aufstieg dann eine Katastrophe?

Plesche: Dann müssten wir uns schon Gedanken machen. Wenn wir den Aufstieg jetzt mit dieser Mannschaft nicht schaffen, müssen wir uns alle hinterfragen. Daran denken wir aber gar nicht, wir arbeiten weiter konzentriert.

Der Fanklub Bibaschria 67ga organisierte zum Auswärtsspiel in landsberg einen Bus. Eine wilde Fahrt mit den Anhängers des FCP. Im Bus.
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Bildergalerie: So bunt ist eine Auswärtsfahrt mit dem FC Pipinsried
Bild: Sebastian Richly

Roman Plesche: "Pipinsried gehört in die Regionalliga"

Apropos hinterfragen. Wo sehen Sie den Verein in fünf Jahren?

Plesche: Der FCP gehört in die Regionalliga und kann aus meiner Sicht auch nur so überleben. Dort muss der Klub etabliert werden. Alles andere macht keinen Sinn. Nur in dieser Liga bist du als Nummer eins der Region attraktiv für Sponsoren. Der FC Pipinsried begeistert die Zuschauer seit Jahren mit einer besonderen Art von Fußball, das muss weiterhin der Ansporn sein, sonst kann es ganz schnell in die andere Richtung gehen. In der Bayernliga wird es auf Dauer sehr schwierig. Wir haben zwar bisher viel Unterstützung erfahren, aber mittelfristig muss der FCP im bayerischen Oberhaus spielen.

Werden Sie dann noch da sein, schließlich läuft ihr Vertrag am Saisonende aus?

Plesche: Wir werden jetzt im Winter Gespräche führen, auch mit den Trainern und dann sehen, wie es weitergeht. Das gilt auch für mich persönlich.

Aber prinzipiell gefällt es Ihnen in Pipinsried, oder?

Plesche: Ja sehr. Ich bin hier gut aufgenommen worden und habe viele Leute ins Herz geschlossen. Natürlich ist es etwas anders, als in einer Großstadt wie München. Ich komme aber selber aus einer kleinen Gemeinde im Allgäu und kenne die Vorzüge eines Dorfvereins.

Was waren ihre bisherigen Höhepunkte beim FCP?

Plesche: Der Aufstieg in die Regionalliga. Das war zu dem Zeitpunkt sensationell. Das Gastspiel der Löwen mit 7000 Zuschauern darf man aber auch nicht vergessen.

Viel zu jubeln gab es für die Pipinsrieder Spieler (wie hier im Heimspiel gegen Dachau) in dieser Spielzeit. Mit 60 Punkten und einem Torverhältnis von 74:18 kann der Dorfklub schon für die Regionalliga planen. FCP-Manager Roman Plesche verrät im Interview das Erfolgsgeheimnis.

Roman Plesche: So ist das Verhältnis zu Conny Höß

Was zeichnet den Verein aus?

Plesche: Der FCP ist ein Dorfverein, der aber auch Ambitionen hat. Ich wusste, dass hier viel Potenzial ist, obwohl Pipinsried ja nur etwas mehr als 500 Einwohner hat. In meinem ersten Gespräch saß ich mit Fabi und Konrad Höß am Tisch in Bergkirchen. Ich habe gleich als Erstes gefragt, ob wir aufsteigen können. Höß sagte, dass es gehen müsste. Ich habe dann nochmals betont, dass ich das ernst meine und er hat genickt. Wir haben es dann ja auch geschafft. Mir ist es wichtig, mit Personen zu arbeiten, die Visionen und Ziele haben, fürs Verwalten bin ich nicht der Richtige. Dennoch ist es jeden Tag harte Arbeit, weil wir keinen Mäzen haben. Dafür haben wir viele fleißige Helfer, das ganze Dorf unterstützt den Verein, jedoch muss allen klar sein, ohne größere Sponsoren ist das alles nicht machbar.

Apropos Konrad Höß, haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Plesche: Ich habe ein gutes Verhältnis zur Familie Höß. Conny sehe ich regelmäßig bei Spielen und dort tauschen wir uns auch mal aus. Ich erkundige mich öfters wie es ihm und seiner Frau Kathi geht, schließlich habe ich mit ihm diese Mission gestartet. Auch zu seinem Sohn pflege ich ein gutes Verhältnis.

Lesen Sie auch den Artikel: Reportage: Warum die Fans des FC Pipinsried auswärts mehr Spaß haben

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