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Sportporträt

08.02.2018

Kickerboxerin Selina Sezgin: Erst gemobbt, dann Weltmeisterin

Selina Sezgin ist Kickbox-Weltmeisterin.
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Selina Sezgin ist Kickbox-Weltmeisterin.
Bild: Moritz Weiberg

Plus Selina Sezgin hat eine bemerkenswerte Karriere vorzuweisen. Die 16-Jährige, die in Mering trainiert, hat einen eisernen Willen – und den beweist sie nicht nur als Kickboxerin

Selina Sezgin steht im Studio der Kampfsportarena Mering und drischt auf einen Boxsack ein. Mit schnellen Fußtritten bearbeitet sie den Sack. Die Schweißperlen glänzen auf der Stirn des 16-jährigen Mädchens, hoch konzentriert wechselt sie die Übung und schlägt in die Pratzen an den Händen ihres Vaters Sadullah Sezgin. „Jetzt hohe Kicks“, ruft ihr Vater, der zudem ihr Trainer ist, „jetzt eine Rechts-Links-Kombination“. Blitzschnell trifft sie die Pratzen.

Nach zwei Stunden Training ist Selina Sezgin erschöpft. Sie setzt sich auf eine Holzbank und lächelt charmant. Selina ist Kickbox-Weltmeisterin. Die 16-Jährige lebt in Haunstetten und besucht die Abschlussklasse der Wirtschaftsschule Frenzel in Augsburg. Vormittags geht sie zur Schule, am Nachmittag in den Boxring. Sechsmal in der Woche trainiert sie, geht Laufen, baut ihre Ausdauer aus. Ein Kampf dauert zwar nur zweimal zwei Minuten, fühle sich laut Selina aber an wie zehn Minuten.

So fing das mit dem Kickboxen an

Inzwischen zählt sie zu den größten Kickboxtalenten, doch ihr Weg war steinig. Vor acht Jahren hat sie mit Selbstverteidigungskursen angefangen, weil sie in der Schule gemobbt wurde. „Ich stand in einem Opferkreis. Die halbe Schule hat sich auf dem Pausenhof um mich herum gestellt. Ich wurde geschlagen, beleidigt und bedroht“, erzählt Selina fasst ihre Geschichte gefasst. Diese Zeit sei sehr schwierig gewesen für Selina, sagt ihre Mutter Daniela Ponzio-Sezgin : „Ich habe viel mit ihr gesprochen. Sie hat niemandem vertraut und hatte kein Selbstbewusstsein.“ Das änderte sich, als sie ihr Vater mit ins Selbstverteidigungstraining nahm. Durch den Kampfsport wurde sie selbstbewusster, selbstsicherer. „Ich musste etwas tun, damit ich keine Angst mehr habe“, erinnert sich Selina. Und das Training half, sie wurde nicht mehr gemobbt. „Die Leute wussten, dass ich eine Kampfsportlerin bin. Da hat sich niemand mehr mit mir angelegt“, sagt das Mädchen.

Vor acht Jahren fing Selina an, Kampfsportkurse zu besuchen. Dann begann sie die israelische Nahkampfsportart Krav Maga. Seit zwei Jahren steht sie beim Kickboxen zwischen den Seilen. In ihrer Alters- und Gewichtsklasse hat Selina Sezgin bis jetzt fast alles erreicht, ihre Titelsammlung liest sich wie die eines Profis: Sie ist zweifache Weltmeisterin, dreifache Bayerische Meisterin und Deutsche Meisterin.

Ihren Erfolg begründet sie vor allem durch ihren starken Willen: „Ich ziehe die Sache durch. Wenn meine Freunde in eine Bar gehen, gehe ich zum Training.“ Mit ihrem Erfolg hat sie in dieser Form nicht gerechnet. „Ich habe eigentlich nur angefangen, um mich verteidigen zu können“, erklärt sie

Selina Sezgin steigt weltweit in den Ring

Bisher absolvierte Selina 21 Kämpfe , 17 davon konnte sie gewinnen. Durch zwei dieser Siege wurde sie Weltmeisterin, einmal in Florenz und einmal in Athen. Am vergangenen Wochenende qualifizierte sie sich für die nächste Weltmeisterschaft auf Jamaika.

Wie ihr weiterer Weg aussieht, darüber macht sich Selina durchaus Gedanken. Nach ihrem Abschluss bewirbt sie sich auf eine Ausbildung als Steuerfachangestellte, in der Schule ist BWR (Betriebswirtschaft-Rechnungswesen) ihr Lieblingsfach. Auch dort zeichnet Selina ihre Willensstärke aus. Ihre Mutter hatte wegen des Mobbings schon alles für einen Schulwechsel vorbereitet, doch Selina blieb und wollte sich beweisen. Und sie tat es: Ihren Qualifizierten Hauptschulabschluss schloss sie als Zweitbeste des Jahrgangs ab.

Mutter Daniela und Vater Sadullah unterstützen Selina auf ihrem Weg. Die langen Reisen, das viele Training, „inzwischen haben wir uns daran gewöhnt“, sagt ihre Mutter. Vor allem für sie sei es schwer, wenn Selina im Ring steht. „Ich habe immer Herzrasen. Manchmal denke ich mir schon: Würde sie doch lieber Ballett tanzen“, lacht Daniela Ponzio-Sezgin. Doch Selina ist eben Kickboxerin. „Ich bin glücklich, dass sie ihr Ding durchzieht“, erzählt ihre Mutter. „Nicht ihre Titel machen mich stolz, sondern dass sie kämpft und so einen starken Charakter hat.“

Drei Fragen an Selina Sezgin

Wen würdest du gerne einmal treffen oder kennenlernen?

„Die türkischen Sänger Sancak und Buraj finde ich sehr gut. Von denen würde ich mir gerne mal ein Konzert ansehen.“

Mit welcher Sportart kannst du gar nichts anfangen?

„Mit Ballett und Tanzen. Tanzen mag ich nur auf Hochzeiten, nicht als Sport. Ich muss meine Power rauslassen.“

Womit kann man dich so richtig auf die Palme bringen?

„Mit Neid und Eifersucht. Ich finde es schlimm, wenn man jemandem den Erfolg nicht gönnt.“

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