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Bobfahren

19.01.2020

Matthias Kagerhuber: Vom Weltmeister zum Soldaten-Ausbilder

2017 wurde Matthias Kagerhuber (rechts) Weltmeister im Viererbob. Seit Herbst bringt er Soldaten in die richtige sportliche Verfassung. Der Affinger berichtet über Parallelen zum Profisport und warum er nun gewechselt ist.

Plus Der Weltmeister von 2017 bildet Soldaten bei der Bundeswehr aus. Warum der Affinger beim Pilotprojekt mitmacht und welche Parallelen es zum Bobsport gibt.

Affing Das hatte sich Matthias Kagerhuber nicht träumen lassen. Rund anderthalb Jahre nach seinem Karriereende trainiert der Viererbobweltmeister von 2017 wieder fleißig. Diesmal schuftet der 34-Jährige aber nicht für einen Titel. „Ich muss fit sein, damit meine Rekruten auch auf mich hören“, so Kagerhuber. Damit meint er die Soldaten, die der Affinger im Rahmen eines Pilotprojektes der Bundeswehr seit Herbst in Bischofswiesen (bei Berchtesgaden) betreut. „Ich mache die jungen Soldaten in der Grundausbildung fit für ihre spätere militärische Laufbahn“, beschreibt Kagerhuber sein Aufgabenfeld. „Im Ausland gibt es das schon länger, dass ehemalige Leistungssportler zur Ausbildung von Soldaten eingesetzt werden, in Deutschland ist das sehr neu und wird bei uns erprobt.“

Kagerhuber steigt aus dem Bob aus

Ganz neu ist die Tätigkeit als Coach für Kagerhuber nicht. In der vergangenen Saison trainierte er als Stützpunkttrainer den bayerischen Jugend-Landeskader der Skeletonfahrer. „Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.“ Doch dann kam das Angebot der Bundeswehr. „Ich habe nicht gewechselt, weil mir die Arbeit nicht gefallen hat.“ Vielmehr gaben private Gründe den Ausschlag: „Als Trainer ist man fast noch mehr unterwegs als als Sportler. Ich habe die Möglichkeit bekommen, Beruf und Privates, besser zu verbinden. Die Chance habe ich ergriffen, gerade vor dem Hintergrund der Familienplanung“, so der 34-Jährige, der im Oktober seine Freundin Stefanie geheiratet hat. „Der Abschied ist mir schwergefallen, da ich viele Jahre im Leistungssport gearbeitet habe.“ Statt Jugendlichen trainiert Kagerhuber nun junge Soldaten zwischen 17 und 22 Jahren. Für 40 bis 50 Rekruten ist der Affinger verantwortlich, alle drei Monate kommen neue. Kagerhuber: „Die jungen Leute nicht mehr so sportlich wie früher, deshalb wurde die Ausbildung umstrukturiert und das Pilotprojekt ins Leben gerufen.“

Matthias Kagerhuber: Vom Weltmeister zum Soldaten-Ausbilder
Matthias Kagerhuber (Links) wurde Weltmeister im Viererbob.
Bild: Archivfoto: Peter Kneffel/dpa

Das erwartet Matthias Kagerhuber bei der Bundeswehr

Während dem ehemaligen Bobanschieber in Sachen Schnellkraft keiner so schnell etwas vormacht, musste aber auch er dazu lernen: „Als Bobfahrer sind Ausdauerläufe der Tod. Das war eine ganz neue Erfahrung für mich. Wenn die Rekruten aber Respekt vor dir haben sollen, dann darfst du nicht gleich nach 100 Metern aus dem letzten Loch pfeifen“, so Kagerhuber, der 2008 mit dem Bobsport begonnen hatte und aus der Leichtathletik kommt. Apropos Respekt, den bringen viele junge Soldaten dem Affinger meist von Beginn der Ausbildung an entgegen: „Spätestens, wenn ich bei der Vorstellung erwähne, dass ich eine Goldmedaille geholt habe, ist der nötige Respekt da.“ Um anzugeben, macht der Affinger, der seit vielen Jahren in Schönau am Königssee wohnt, aber nicht. „Das Bobfahren ist Teil meiner Vergangenheit und der Grund, warum ich jetzt hier bin.“ Autogrammwünsche muss der 34-Jährige zwar nicht erfüllen, dennoch wird er auf seine Karriere angesprochen. „Das kommt vor. Die meisten googeln meinen Namen und wissen dann Bescheid.“

Vom Leistungssport hatte sich Kagerhuber kurz nach der verpassten Olympiateilnahme 2018 zurückgezogen. Ganz weg kommt er aber auch jetzt nicht: „Aktuell helfe ich sogar als Athletiktrainer aus. Das kommt vor, wenn alle Trainer auf Fortbildungen sind. Ohne mich würden die Einheiten ausfallen, was auch nicht gut wäre. Wenn es zeitlich geht, springe ich ein.“

Für Kagerhuber hat das auch einen Vorteil, denn die Tätigkeiten ähneln sich: „Ich konnte sehr viel vom Verbandstraining übernehmen. Es macht keinen Unterschied, ob du 13- bis 15-Jährige oder 17- bis 22-Jährige trainierst. Das Ziel ist dasselbe: Alle besser machen.“ Dennoch gibt es Unterschiede. „Der Wettkampfgedanke an sich fehlt. Wir sind drei Trainer und haben intern einen kleinen Konkurrenzkampf. Es gibt regelmäßig Tests und jeder versucht, dass sich sein Zug am meisten verbessert“, so Kagerhuber. Der größte Unterschied ist die Anzahl. Beim Skeleton waren esrund 15 Jugendliche, jetzt bis zu 50 Rekruten. „Man muss bei mehr Leuten strenger sein, sonst tanzen einem 50 Personen auf den Füßen rum. Auch habe ich hier nur drei Monate Zeit, bevor die Rekruten weiterziehen.“

Viererbob-Weltmeister Matthias Kagerhuber kam mit seiner Freundin Stefanie Grüsser. 
Bild: Johann Eibl

Geht der Bob-Weltmeister wieder für die LG Aichach-Rehling an den Start?

Die Voraussetzungen unter den jungen Soldaten sind dabei unterschiedlich: „Manche sind unglaublich fit, sodass ich kaum mithalten kann. Andere haben sogar Probleme, einen Purzelbaum zu machen.“ Auf einen möglichen Einsatz muss der Affinger seine Schützlinge aber nicht vorbereiten: „Es geht rein ums Athletische. Wir sind auch schon mal mit Stiefeln im Grünen unterwegs, aber die militärischen Sachen kommen erst später.“ Während der Übungen hat Kagerhuber den Bobsport aber immer im Blick: „Wenn einer von der Statur als Bobanschieber in Frage kommen würde, dann würde man den natürlich schon ansprechen.“ So begann einst auch die Karriere Kagerhubers.

Was ist mit seiner Leichtathletik-Karriere? Bei all den Verpflichtungen bleibt wenig Zeit, selbst an einem Wettkampf für die LG Aichach-Rehling teilzunehmen. Letztmals war er bei den Kreismeisterschaften 2019 in Aichach am Start. Zwar holte er den Titel, verletzte sich aber. „Aktuell brauche ich etwas Abstand. Die Lust an den Wettkämpfen kommt früh genug wieder.“

Lesen Sie dazu auch:Interview: So schlägt sich Kagerhuber als Skeleton-Trainer

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