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Leichtathletik

31.08.2016

Seit 40 Jahren hält Josef Lechner den Rekord

Josef Lechner (Mitte) bei seinem größten internationalen Triumph: 1978 wurde er Militär-Weltmeister über 3000 Meter Hinderns.
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Josef Lechner (Mitte) bei seinem größten internationalen Triumph: 1978 wurde er Militär-Weltmeister über 3000 Meter Hinderns.
Bild: Horst Kramer (Repro)

Der Chef des LC Aichach war einst einer der besten deutschen Hindernisläufer. Seine Zeit über 3000 Meter ist bis heute ein Spitzenwert. Doch seine Sport-Karriere nahm ein jähes Ende

Kürzlich bei einem Volkslauf in der Region. Josef Lechner, der Vorsitzende des LC Aichach, wartete im Ziel auf seine Schützlinge. „Mit den Zeiten, die wir damals so gelaufen sind, könnten wir auch heute noch locker mithalten“, seufzte Lechner etwas wehmütig – am vergangenen Wochenende feierte der Zahlinger (Gemeinde Obergriesbach) übrigens seinen 62. Geburtstag. Die Aussage war eine ziemliche Untertreibung, gelinde gesagt. Denn Lechner war vor vierzig Jahren einer der besten Langstreckenläufer Deutschlands. Seine Spezialstrecke waren die 3000 Meter Hindernis. Am 1. September 1976 durcheilte er in Köln im Trikot des TSV Meitingen die siebeneinhalb Stadionrunden mit ihren jeweils fünf Hürden, eine davon ein Wassergraben, in 8:33,4 Minuten. Niemand aus dem Leichtathletik-Kreis Mittel- und Nordschwaben hat diese Zeit in den vergangenen vier Jahrzehnten unterbieten können. Zum Vergleich: Der Deutsche Meister des Jahres 2016, Hannes Liebach (SCC Berlin), war im Juni 8:45,40 Minuten unterwegs – zwölf Sekunden langsamer als ehedem Lechner. Die Leistung des Zahlingers – der eigentlich aus Eismannsberg (Altdorf bei Nürnberg) stammt – war damals kein singuläres Ergebnis – im Gegenteil. Wenige Wochen zuvor konnte Lechner bei den Deutschen Meisterschaften in Frankfurt Silber erringen. In jenem Jahr rannte er im griechischen Athen die 5000 Meter in 14:10,8 Minuten und die 10000 Meter in Lübeck in 29:13,8 Minuten – ein Resultat, mit der Lechner in diesem Jahr ganz oben auf dem DM-Treppchen gestanden wäre. Der beste Teilnehmer, der in Äthiopien geborene Mitku Seboka (LAC Quelle Fürth), wurde im Mai nach 29:34,53 Minuten zum Deutschen Meister 2016 gekürt. Lechners erste sportliche Liebe war indes nicht das Laufen, sondern der Fußball: In seiner Jugend kickte er bei den Sportfreunden Bachern. Sein Lauftalent entdeckte er bei einem Volkslauf. 19-jährig schlüpfte der junge Sepp in das Leichtathletik-Trikot des TSV Schwaben Augsburg, drei Jahre später wechselte er zum TSV Meitingen. Von 1978 bis 1980 gehörte er der legendären Leichtathletik-Truppe des TSV 1860 München an. Aus jenen Jahren stammt auch Lechners 3000-Meter-Hindernis-Bestzeit: 8:32,4 Minuten – in Dortmund 1978 für den DLV bei einem Länderkampf gelaufen. Sein vielleicht größter internationaler Triumph war der Gewinn der Militär-Weltmeisterschaft 1978 über seine Lieblingsstrecke. Der Zahlinger hätte wohl gute Chancen gehabt, die bundesdeutschen Farben bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau zu vertreten – doch der Olympiaboykott der USA (wegen des Einmarschs der Sowjetunion in Afghanistan) und einiger ihrer Verbündeten, darunter die Bundesrepublik, machten diesem Traum den Garaus. Im selben Jahr endete auch Lechners viel versprechende Karriere nach einem Autounfall. Wenn der LCA-Chef heutzutage auf seine Spitzensportler-Erlebnisse zu sprechen kommt, scheint er mit den damaligen Ereignissen abgeschlossen zu haben. Nur manchmal, wenn er die Siegerzeiten der heutigen Aktiven liest, scheint es noch einmal in seinen Füßen zu jucken.

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