Jahreshauptversammlung

24.02.2014

TSV Aindling steht am Abgrund

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Betretene Gesichter bei den Fußballern rund um Trainer Roland Bahl (stehend, rechts) nach dem Abstieg. Im Juni 2013 wurde den Aindlingern ein 1:1 zu Hause im Relegationsspiel gegen die DJK Vilzing zum Verhängnis.

Dem Verein droht nach der Steuerfahndung 2011 die Insolvenz. Dabei sind die Schulden weniger geworden

Aindling 2016 könnte der TSV Aindling sein 70-jähriges Bestehen feiern. Ob er dieses Jubiläum noch erlebt, ist derzeit allerdings fraglich. Denn nach der Steuerrazzia Ende November 2011 droht dem Verein die Insolvenz. Über diese Entwicklung informierte Vereinspräsident Ludwig Grammer bei der Jahreshauptversammlung am Freitagabend. Dem Fußball-Landesligisten wird vorgeworfen, über Jahre hinweg zu wenig Beiträge an die Sozialkassen und ans Finanzamt gezahlt zu haben.

Seit dem 28. Januar ist dem Führungsteam klar, wie sich die Situation nun darstellt. Da kam Post von der Rentenversicherung und die Staatsanwaltschaft teilte ihre Forderungen auf einer DVD mit. Ludwig Grammer wirkte sichtlich angegriffen in der Versammlung im Sportheim, die Stimmung unter den gut 50 Mitgliedern war gedrückt. Wie geht es nun weiter? Die Funktionäre wollen Fachleute einschalten und dann ausloten, was sie in Gesprächen mit Rentenversicherung und Finanzamt erreichen können. Danach steht eine weitere Zusammenkunft mit den Mitgliedern zur Debatte. Diesmal wurden keinerlei Zahlen genannt, welche finanzielle Belastung auf den TSV zukommen könnte. Von der Rentenversicherung liegt ein Schreiben über nicht weniger als 1600 Seiten vor.

Ludwig Grammer sprach den Entzug der Gemeinnützigkeit an – eine Maßnahme, die 2012 in Kraft trat und rückwirkend bis 2003 gilt: „Das schlägt natürlich brutal nei.“ Am Ende versuchte er, ein wenig Optimismus zu verbreiten: „Wir sollen die Hoffnung nicht aufgeben. Vielleicht machen uns die Fußballer wieder Freude.“

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In seinem Bericht schilderte der Funktionär, der Zeit seines Lebens dem Verein immer eng verbunden war, die Lage in düsteren Farben: „Sollte diese Größenordnung bestätigt werden, kann der TSV diese Summe nicht stemmen. Es sind noch keine Bescheide erlassen.“ Der Verein habe nun die Möglichkeit, die Zahlen zu prüfen und eventuell zu revidieren.

Dann stellte sich Ludwig Grammer selbst Fragen: „Muss ich Insolvenz anmelden? Muss ich zum Insolvenzgericht oder nicht? Wenn der TSV zahlungsunfähig ist, wäre der Schritt notwendig. Eine Insolvenz wäre fatal. Vielleicht können wir gemeinsam ein Paket schnüren, um die Existenz des TSV zu sichern.“

Bereits am heutigen Montag steht ein Gespräch mit dem Aindlinger Bürgermeister Tomas Zinnecker an. Schon jetzt sind die Auswirkungen gravierend. So dürfen keine Sondertilgungen mehr vorgenommen werden. Auch das Grußwort von Zinnecker war geprägt von der bedrohlichen Situation: „2014 wird für den TSV wahrscheinlich das schwierigste Jahr in seiner Geschichte. Es wird kein Honigschlecken. Wir wollen dem TSV helfen.“ Außerdem stellte Zinnecker die Jugendarbeit heraus.

Toni Stollreiter beklagte eine andere Entwicklung: „Viele Mitglieder sehen den Verein nur noch als Dienstleister, nicht mehr als Solidargemeinschaft.“ Nach Aussage des Vorstands Geschäftsbetrieb sank die Zahl der Mitglieder im Jahr 2012 um 27, 2013 um 24. Aktuell zählt der Verein 865 Mitglieder. „Wir sind weiterhin auf einem guten Weg“, versicherte Thomas Schlecht. Wie der Vorstand Finanzen darlegte, konnte der Schuldenstand von 521000 auf 476000 Euro reduziert werden. Knapp 65000 Euro wurden ausgegeben für Zins und Tilgung, darin enthalten ist auch eine Sondertilgung von 30000 Euro auf ein Baudarlehen.

2013 war kein gutes Jahr für die Erzeugung von Solarstrom. Darum lieferte die Photovoltaikanlage auf dem Sportheim nur 84000 Kilowattstunden gegenüber knapp 90000 ein Jahr zuvor. Roland Baumüller, der Vorstand Anlagen, zog dieses Fazit: „Durch den tollen Arbeitseinsatz findet man in Aindling ein schönes Areal vor.“

Kassenprüfer Rudi Seiler berichtete, man habe keinerlei Beanstandungen vorzubringen. Damit war die Entlastung des Vorstands nur noch Formsache. Am Ende der Versammlung wurde eine Neuregelung der Zusatzabteilungsbeträge im Tennis abgesegnet. Im Gegenzug ist hier künftig keine Aufnahmegebühr mehr fällig.

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