Newsticker

Bund schlägt Ausschankverbot für Alkohol und Beschränkung auf 25 Personen bei privaten Festen vor
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Lokalsport
  4. Wenn Amateure sich Tabletten einwerfen

25.03.2009

Wenn Amateure sich Tabletten einwerfen

Das Thema Doping sorgt im Spitzensport immer wieder für Aufsehen. Zuletzt führte es sogar zu Diskussionen im Bundestag. So präsent die künstliche Leistungssteigerung im Profisport ist, so wenig beachtet ist sie im Amateursport. Von Johannes Graf

Von Johannes Graf

Aichach Die TSG Hoffenheim musste 75 000 Euro bezahlen. Dafür, dass der Fußballverein gegen die Regularien der Dopingkontrolle beim Deutschen Fußballverband verstieß. Das Thema Doping sorgt im Spitzensport immer wieder für Aufsehen. Zuletzt führte es sogar zu Diskussionen im Bundestag. So präsent die künstliche Leistungssteigerung im Profisport ist, so wenig beachtet ist sie im Amateursport.

Auch dort ist so mancher Sportler bereit, die eine oder andere Tablette einzunehmen, um schneller oder schmerzfrei ins Ziel oder vors Tor zu gelangen. Aspirin für die bessere Durchblutung, Voltaren gegen den Schmerz - alles legal. Wobei der Übergang zwischen Doping und der Einnahme von Schmerzmitteln fließend zu sein scheint: Empfindet der Sportler keinen Schmerz, kann er Leistung bringen. Man fragt sich: Wo fängt Doping an und wo hört die ärztliche Behandlung auf?

Der Aichacher Sportarzt Arthur Wengert warnt vor der Einnahme von Medikamenten. "Das wichtigste Warnsignal beim Körper ist der Schmerz", sagt er. Die Folgen sind mitunter fatal: Herzprobleme, Magen- und Darmblutungen oder Nierenversagen drohen bei regelmäßigem Konsum. Zudem könnten die Schmerzen nach vier bis sechs Wochen chronisch werden, fügt Wengert hinzu. Er kenne Patienten aus dem Läuferbereich, die nicht auf diese Warnsignale hören. Vom Fitspritzen hält Wengert nichts.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Profisportler haben vor dauerhaften Schmerzzuständen Angst, da diese ihre Karriere beenden können. Sie gönnen ihrem Körper auch bei einer kleinen Zerrung Ruhe. Natürlich gibt es auch dort Ausnahmen bei entsprechendem Erfolgsdruck und einmaligen Ereignissen. Aber wie sollte ein Handballspieler die Schläge, Prellungen und Entzündungen einer zweiwöchigen Weltmeisterschaft mit pausenlosem Spielbetrieb anders überstehen? Der Amateursportler setzt andere Prioritäten: Dort geht der Fußballer mit seinem Körper mitunter wenig zimperlich um, weil ihn das entscheidende Bezirksoberligaspiel um den Aufstieg zur Einnahme der Schmerztablette drängt.

Es mache keinen Sinn, sich bei einem Muskelfaserriss oder einer Zerrung zu betäuben und weiterzubewegen, erklärt Wengert. Danach sei noch mehr kaputt. Nicht immer hören die Sportler im Amateurbereich auf den Rat der Ärzte, wenn es in Oberschenkel, Knie oder Wade zwickt, weiß Wengert. Nils Stoye, Physiotherapeut des Bayernligisten TSV Aindling, ist immer darauf bedacht, alternative Möglichkeiten auszuschöpfen. Spritzen und verschreibungspflichtige Medikamente gebe es nur beim Arzt. Umfassende Daten zum Medikamentengebrauch im Amateursport gibt es nicht, da Dopingkontrollen nur bei Profiwettbewerben vorgeschrieben sind. Dort ist der Konsum bekannt.

Beim Bayerischen Fußballverband spricht man zwar über Doping. Allerdings eher beiläufig, wenn es um Fälle wie Hoffenheim geht. In den eigenen Ligen vermutet keiner unerlaubte Methoden. "Ich glaube nicht, dass Spieler gezielt etwas machen", sagt Johann Wagner, Spielleiter des Bezirks Schwaben. Selbst wenn dies der Fall wäre, hätte man nicht die Möglichkeiten, dies zu testen. Wagner kann sich allerdings gut vorstellen, dass ein Spieler unbewusst mit einem Hustenmittel mal eine unerlaubte Substanz einnimmt. Auch der Bezirksvorsitzende Volker Wedel glaubt nicht, dass sich "ein Spieler mit Medikamenten vollpumpt." Aber: "Möglich ist inzwischen alles." "Kommentar

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren