Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl jährt sich am Sonntag, 26. April, zum 40. Mal. Die Hilfe für Kinder aus Tschernobyl mit Sitz in Aindling nutzt diesen Jahrestag für eine Veranstaltung zum „Erinnern, Gedenken, Mahnen“. Sie ist für alle Interessierten offen. Dazu werden auch Gäste aus Gomel erwartet, jener Region, die besonders stark betroffen ist. Dort ist die Not der Menschen bis heute groß. Noch immer erkranken jedes Jahr zahlreiche Kinder und Erwachsene an Leukämie.
Die Tschernobylhilfe firmiert als „Gemeinnütziger Verein Aindling-Pöttmes-Thierhaupten“. Aus diesen Orten stammen die Initiatorinnen und Initiatoren des Vereins. Allen voran Heidi Bentele, die den Verein mit großem Einsatz leitete und prägte. Bei der Veranstaltung, die um 17 Uhr in der Taverne Nikos im Aindlinger Ortsteil Stotzard (DJK-Sportheim) für alle Interessierten stattfindet, wird auch die Vereinsgründerin gewürdigt, die 2021 im Alter von 82 Jahren gestorben ist.
Tschernobyl: Noch immer erkranken Menschen an den Folgen
Auf dem Programm stehen außerdem Blicke zurück in die Vergangenheit und auf die bis heute spürbaren Folgen. Eine Medizinerin aus der betroffenen Region und eine Vertreterin der Elterninitiative vor Ort werden die Situation damals nach der Katastrophe mit der heute vergleichen.
Wenn Menschen an den Tschernobyl-Spätfolgen erkranken, zieht das häufig weitere Folgen nach sich. So geraten dem Verein zufolge manche Familien aufgrund von Erkrankungen in existenzielle Notlagen. Und es ist keine Besserung in Sicht. Ganz im Gegenteil. Nach Angaben des Vereins Hilfe für Kinder aus Tschernobyl haben sich die Lebensumstände in Belarus seit Beginn des Ukrainekriegs erheblich verschlechtert. Auf der Homepage ist zu lesen: „Es mangelt an dringend benötigten Medikamenten, und viele Kontakte zum Westen sind abgebrochen, was die Situation der Menschen zusätzlich erschwert.“
Bei der Veranstaltung in Stotzard erwartet die Besucherinnen und Besucher neben Musik von der Gruppe Überzwerch aus Thierhaupten auch eine Lesung aus dem Buch „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“ von Svetlana Alexievich mit Schauspielerin Lisa Wolke. Tom Stotko begleitet sie musikalisch. Die belarussisch-russische Schriftstellerin Alexievich hat 2015 „für ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt“ den Nobelpreis für Literatur erhalten. Alexievich lebte 1986 als Journalistin in Minsk, der Hauptstadt von Weißrussland. Sie interviewte mehr als 500 Augenzeugen der Katastrophe. (jca)
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