In drei Wochen beginnt das neue Ausbildungsjahr. Doch noch sind viele Lehrstellen frei. Dem Handwerk geht es da wie vielen anderen Branchen auch. Es fehlt an Nachwuchs. Für den Regierungsbezirk Schwaben listet die Handwerkskammer (HWK) in ihrer Lehrstellenbörse noch über 1000 freie Ausbildungsplätze für September. Etwa 80 davon im Landkreis Aichach-Friedberg. Da nicht alle Betriebe dort gelistet sind, dürften noch deutlich mehr Stellen unbesetzt sein. Das sagen die Handwerkskammer, ein Betrieb und ein Auszubildender zum Thema Ausbildungssuche.
Laut Sascha Schneider, Pressesprecher der HWK Schwaben, lohnt es sich für zukünftige Auszubildende, neben einem Blick auf die Lehrstellenbörse, auch selbst zu recherchieren und bei einem passenden Angebot einfach anzurufen. Darüber hinaus sieht er auch die Option einer Initiativbewerbung, falls das Wunschunternehmen gerade keine Stellen ausgeschrieben hat.
Praktika als Schlüssel zur erfolgreichen Ausbildungssuche
„Grundsätzlich ist es immer von Vorteil, ein Praktikum oder mehrere zu absolvieren“, sagt Schneider. So bekomme man als junger Mensch ein Gefühl dafür, wo die eigenen Talente liegen. Zudem seien Praktika hervorragende Türöffner für eine Anstellung. Am Tag des Handwerks bietet die HWK Schwaben Schulklassen die Möglichkeit, in den Berufsbildungszentren Handwerksberufe und deren Karrieremöglichkeiten kennenzulernen und sich selbst praktisch auszuprobieren.
Über die Jobmesse fitforJOB!, die die HWK mitorganisiert, können Jugendliche mit Handwerksbetrieben in Kontakt treten. Zudem bietet die HWK auch persönliche Beratungen an, um geeignete Lehrstellen zu finden. Mit dem Programm „Passgenaue Besetzung“ sollen Jugendliche mit Betrieben zusammengebracht werden. Abschließend hat Schneider noch folgenden Tipp: „Mit offenen Augen durch die Welt gehen, sich informieren, recherchieren und Praktika, Praktika, Praktika. So klappt es immer, den richtigen Beruf und die richtige Firma zu finden und eine Karriere im Handwerk zu starten.“
Azubi-Suche: Betriebe müssen sich immer stärker engagieren
Für Handwerksbetriebe wird es immer herausfordernder, geeigneten Nachwuchs zu finden. Deshalb engagieren sie sich laut Schneider bei der Suche nach Auszubildenden auch immer stärker. Wichtig sei unter anderem die Teilnahme an Berufsinformationsmessen oder ähnlichen Projekten. Auch Kooperationen mit Schulen seien eine Option. Im digitalen Bereich die Sichtbarkeit zu erhöhen kann helfen. Hier nennt Schneider unter anderem den Social-Media-Auftritt der Unternehmen sowie Werbung im Online-Auftritt. Seine Tipps für Unternehmen fasst er so zusammen: „Engagement, Kreativität und Aktion, Aktion, Aktion. So kann man junge Menschen für den eigenen Betrieb und den jeweiligen Beruf begeistern.“
Thomas Huber beginnt am 1. September eine Ausbildung zum Maurer beim Baugeschäft Held in Adelzhausen. Der 15-Jährige, dessen Vater früher auch als Maurer gearbeitet hat, ist durch ihn auf den Ausbildungsberuf gekommen. Auf seinen zukünftigen Arbeitgeber stieß er aber durch eigene Recherche: „Eigentlich habe ich im Internet ein bisschen geschaut, welche Betriebe es in der Nähe gibt“, sagt Huber. Um sicherzugehen, dass eine Maurerausbildung das Richtige für ihn ist, absolvierte er ein Praktikum auf der Baustelle. Zudem fragte er zwei Bekannte, die bereits beim Baugeschäft Held arbeiten, wie es dort so ist. Auch in seinem Freundeskreis hätten mehrere Maurer gelernt. Der 15-Jährige nutzte also mehrere Quellen, um sich für seine Ausbildung und seinen Betrieb zu entscheiden.
Social Media bei Azubi-Suche früher oder später unausweichlich
Mit Thomas Huber hat das Baugeschäft Held das erste Mal einen Auszubildenden. Inhaber Anton Held hat sich im Vorhinein von der Handwerkskammer Schwaben beraten lassen. Um einen passenden Azubi zu finden, schaltete er Werbung in Vereinsheften und setzte stark auf Mundpropaganda. Normalerweise, so sagt er, hätte er auch auf seiner Webseite dafür Werbung gemacht, diese befindet sich aber derzeit im Umbau. „Social Media brauchen wir noch nicht, auch wenn wir in Zukunft wohl nicht darum herumkommen werden. Das haben ja mittlerweile fast alle“, sagt Held. In Zukunft möchte er sich auch in der Lehrstellenbörse der HWK Schwaben listen lassen. Die nötigen Schritte sind schon in die Wege geleitet. Auf einer Jobmesse war er bisher aber noch nicht vertreten.
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