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Ammersee
23.08.2021

In der alten Molkerei in Pähl gibt es schicke Möbel aus Antikholz

Antikes Holz in historischen Räumen. In der alten Molkerei von Pähl, dem ältesten Gebäude im Ort, kommen die Objekte und Möbel besonders gut zur Geltung.
Foto: Manuel Lotter

Der gebürtige Uttinger Thomas Brouwers hat sich der Schreinerkunst verschrieben. Anfangs war er in der Baubranche tätig. Jetzt fertigt er in Wielenbach Unikate aus antikem Holz, die er in Pähl ausstellt.

Flüsse treten über die Ufer und zerstören ganze Siedlungen. Brände richten riesige Wälder zugrunde. Und die Corona-Pandemie schränkt den Konsum zeitweise zwangsläufig ein. Das fördert ein Umdenken in der Gesellschaft. Viele haben das Bedürfnis, sich auf das Wesentliche zu besinnen und etwas für die Umwelt zu tun. Das geht auch Thomas Brouwers aus Pähl so. Der Zimmermann und Schreiner hat sich vor ein paar Jahren abgewendet von der üblichen Arbeit einer Zimmerei und ist dazu übergegangen, antikes Holz in schicke Möbelstücke zu verwandeln und so einer neuen Nutzung zuzuführen.

Das Holz erzählt aus dem langen Leben

In der ehemaligen Molkerei in Pähl bekommt man einen Eindruck dessen, was Brouwers meint, wenn er davon spricht, alten Hölzern durch die Wiederverarbeitung neues Leben einzuhauchen. Es seien zwar „die Hölzer selbst“, die anschließend in neuer Form ihren Charme in Wohn- und Gasträumen versprühten. Doch der Anblick der zahllosen Unikate in der Ausstellung verrät, dass Brouwers ein Händchen dafür hat und zusammenfügt, was zusammengehört.

Thomas Browers betreibt in Pähl eine Antikholzmanufaktur.
Foto: Manuel Lotter

Das Holz erzählt aus dem Leben, hat Narben, Risse und Vertiefungen. Oft wirft Brouwers nur einen fachmännischen Blick auf das Fundstück und erkennt bereits, was daraus entstehen kann. In seiner Ausstellung in der Kremstraße 1 in Pähl gesellen sich Kunstobjekte zu Möbelstücken. Aus massiven Fichten- und Eichenbrettern wurden Tische, Bänke und Sideboards. Vieles verschmilzt mit Stahlelementen zu einem neuen, edlen Gebrauchsgegenstand. „Stahl harmoniert hervorragend mit Antikholz.“ Brouwers verwendet dafür vor allem handelsüblichen Baustahl, wie er zur Bewehrung genutzt wird. Gelegentlich übernimmt auch ein antikes Stück Eisen die Tragfunktion für das neue Möbelstück.

Was die Betrachterin oder der Betrachter in der Ausstellung in dem ältesten Gebäude der Gemeinde Pähl sieht, ist nur ein Bruchteil dessen, was Brouwers zu bieten hat. Denn seine Werkstatt und die vielen gesammelten Althölzer sind in Wielenbach untergebracht. Dort stapelt sich das Altholz, das er meist aus dem westlichen Landkreis Weilheim-Schongau bezieht, aus dem Allgäuer Raum und dem ganzen Fünf-Seen-Land. „Da habe ich gute Kontakte“, erklärt der Pähler.

Altes Holz schafft eine Wohlfühlatmosphäre

Viele Jahre hat Brouwers Möbel aus herkömmlichen Hölzern gefertigt und Angestellte beschäftigt, bevor er sich entschied, Verantwortung abzugeben, den mittelständischen Betrieb aufzugeben und alleine weiterzumachen. Jetzt hat er sich auf die Produktion von Möbeln spezialisiert, die die Menschen im täglichen Leben umgeben und in denen sie sich wohlfühlen sollen, erklärt er. Ein Gastwirt auf der anderen Straßenseite habe schon einige Möbelstücke von ihm erworben, verrät Brouwers. Auch dieser habe ein Interesse daran, dass sich seine Gäste in den Speiseräumen wohlfühlten.

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Mit Miniatur-Fräswerkzeugen geht Brouwers an die Arbeit und glättet die Hölzer, damit sie der neuen Verwendung zugeführt werden können. Löcher werden geschlossen, Risse geglättet und die Oberfläche somit „weich“ gestaltet, ohne jedoch die Geschichte und die Ausstrahlung des Werkstücks zu verändern.

„Ohne Holz lässt es sich schlecht leben“, sagt Brouwers, der seit 30 Jahren in Pähl lebt und sich nicht nur während der Arbeit, sondern auch privat gerne mit selbst gestalteten Antikholzmöbeln umgibt. Dass er mit seinen Kreationen den Geschmack vieler Kunden trifft, die in ganz Deutschland zu finden sind, freut den Künstler und Möbelbauer.

Dieses Kunstobjekt von Thomas Brouwers ist am Eingang zur Ausstellung zu sehen.
Foto: Manuel Lotter

Brouwers wurde der Werkstoff Holz quasi in die Wiege gelegt. Er sei in Utting „mitten im Wald in einem kleinen Holzhaus“ aufgewachsen, „ohne fließend Wasser und andere Dinge, die das Leben angenehm machen“, wie er sagt. Er habe Holz gehackt und im Wald gespielt. Und auch die Folgen von Extremwetter miterlebt, etwa als Sturm Wiebke 1990 sein Elternhaus und eine 5000 Quadratmeter große Waldfläche drumherum unbrauchbar machte. Gerne erinnere sich Brouwers jedoch an seine Kindertage, auch wenn diese für seine Familie oft nicht einfach waren.

Das Talent für Handwerk und Gestaltung hat er im Blut. Mutter Rosemarie Magarete von Sandberg-Brouwers ist Malerin. Das Rüstzeug erhielt sie beim Studium in London und Paris. Der Vater Harry Henrik, wie seine Frau aus Holland, ist Mathematiker und Steinbildhauer. Er kam an den Ammersee, um Aufträge für die Glyptothek in München auszuführen, Skulpturen zu reparieren und zu restaurieren. Neben der Osram-Wand am Osram-Bürogebäude in München hat er auch im Landkreis Landsberg eine Skulptur geschaffen, die Steinfrau am Ignaz-Kögler-Gymnasium.

Wie sein Bruder wollte Thomas Brouwers anfangs die Fachakademie für Goldschmiedekunst in Neugablonz besuchen, orientierte sich dann jedoch um und machte eine Ausbildung zum Landwirt, arbeitete später in Schreiner- und Zimmereibetrieben und riskierte im Alter von 23 Jahren die Selbstständigkeit. Er fertigte mit seinen Angestellten Holzhäuser und Dachstühle, Treppen, Balkone und Terrassen für Bauherren im Münchener Raum. Seit er den Betrieb im Jahr 2000 aufgab, widmet er sich dem Vertrieb von Abbundmaschinen in ganz Europa und führt die Schreinerei als Ein-Mann-Betrieb fort. Bei den Stahlarbeiten wird er von einem örtlichen Handwerksbetrieb unterstützt.

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