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Kritik
14.05.2021

Regisseur Tom Bohn äußert sich zu #allesdichtmachen

Der Landsberger Regisseur Tom Bohn, im Bild bei der Preisverleihung 2020 im Stadttheater zu sehen, äußerst sich zur Aktion #allesdichtmachen.
Foto: Thorsten Jordan (Archivfoto)

Deutsche Schauspieler sehen sich massiver öffentlicher Empörung ausgesetzt. Warum der Landsberger Regisseur die Aktion mit organisiert und was er zu den teils heftigen Angriffen sagt.

Heftige Kritik an der Bundesregierung, Verschwörungsmythen, Kommentare wie "Wacht endlich auf": Besonders im Messengerdienst Telegram werden die Corona-Krise und ihre Folgen von selbst ernannten "Querdenkern" diskutiert. Und seit einigen Tagen geht es auch um die Aktion #allesdichtmachen. Deutsche Schauspielerinnen und Schauspieler, darunter "Tatort"-Star Jan Josef Liefers und Volker Bruch ("Babylon Berlin"), hatten in satirisch gemeinten Videos Corona-Maßnahmen kritisiert. Ihnen wurde daraufhin vorgeworfen, "Querdenkern", Verschwörungsideologen oder Rechtspopulisten in die Hände zu spielen.

Mitorganisator der Schauspieler-aktion ist Tom Bohn aus Landsberg. Der Regisseur ist vor allem durch seine Ludwigshafener "Tatort"-Filme bekannt und organisiert seit 2015 das Snowdance Independent Filmfestival in Landsberg.

Nun werden immer mehr Hintergründe über das Entstehen der Aktion bekannt - und nach scharfer Kritik an den Beteiligten werden auch Stimmen lauter, die sie verteidigen. Zu den Verteidigern zählen neben dem Landsberger Regisseur auch der Jazz-Musiker Till Brönner. Brönner, der sich bereits zuvor besorgt über die Lage der Kulturschaffenden während der Corona-Pandemie geäußert hatte, sagte jetzt über #allesdichtmachen: "Man kann Menschen wie Ulrich Tukur oder Jan Josef Liefers nicht unterstellen, dass sie alle abgedriftet sind, sondern darf durchaus neugierig sein, warum gerade sie mit von der Partie waren." Mit abgedriftet meinte er den Vorwurf, sie seien Verschwörungsgläubige oder gar selbst "Querdenker".

Allerdings legen Recherchen nahe, dass es vielfältige Verbindungen ins "Querdenken"-Spektrum gibt. Einem Tagesspiegel-Artikel zufolge etwa in Person von Paul Brandenburg, Gründer der Initiative "1bis19", die sich laut eigenen Angaben für "politische Freiheit, Grundrechte, demokratische Vielfalt und Rechtsstaatlichkeit" einsetzt. In einem Interview des Berliner Mediziners mit dem "rechtsorientierten Medienmacher" (Hamburger Morgenpost) Gunnar Kaiser sagte Brandenburg demnach, dass sich berühmte Namen aus der Kunstbranche, die aus dem Vorabend- und Abendprogramm bekannt seien, bald outen würden. Das Video erschien am 20. März, etwa einen Monat vor dem Start von #allesdichtmachen. Auch Volker Bruch unterstützt "1bis19" sowie #allesdichtmachen - und soll im März einen Mitgliedsantrag bei der Partei "Die Basis" gestellt haben, wie Netzpolitik.org berichtete. Medien bezeichnen die Partei als "Querdenker-Partei".

Zu ihren Mitgliedern gehören bei Verschwörungsideologen und Corona-Kritikern gefeierte Personen wie Infektionsepidemiologe Sucharit Bhakdi, der Mediziner und frühere SPD-Politiker Wolfgang Wodarg - dessen aktuelles Buch den Titel "Falsche Pandemien" trägt - oder der Ulmer Rechtsanwalt Markus Haintz. Dieser machte in seiner Telegram-Gruppe auf #allesdichtmachen aufmerksam - wie auch auf Beiträge, die Titel haben wie "Das Rätsel der abgebauten Intensivbetten ist gelöst". Haintz war vor seinem Eintritt in "Die Basis" Organisator bei der mittlerweile vom Verfassungsschutz beobachteten Initiative "Querdenken 711 Ulm".

Im Vorstand der Partei sitzt zudem Stephan Haube, der ebenfalls eine interessante Vergangenheit hat: Er war Mitglied der Kleinpartei "Deutsche Mitte" und galt als engster Mitstreiter Jürgen Elsässers, für dessen Magazin Compact er arbeitete. Der Verfassungsschutz führt es als Verdachtsfall. Elsässer selbst ist so etwas wie der Chefideologe der Neuen Rechten.

Tom Bohn distanziert sich von derlei Verbindungen. Über die Recherchen des Tagesspiegels, denen zufolge #allesdichtmachen von langer Hand geplant gewesen sei und von Anfang an eine politische Agenda verfolgt habe, schreibt er in einer E-Mail: "Ich musste lachen. Es wäre schön, wenn da irgendetwas richtig vorbereitet gewesen wäre." Er habe sich an der Aktion beteiligt, um auf die Lage der Kunstschaffenden aufmerksam zu machen. Bohn hält die coronabedingten Beschränkungen für Kinos, Theater und andere Kulturstätten für allzu rigoros: "Ich sehe, wie viele Kreative verzweifeln, habe immer wieder angeregt, dass wir uns gegen diese Willkür gemeinsam wehren müssen."

Ein Anruf des Regisseurs und Mitinitiators der Aktion, Dietrich Brüggemann, sei ihm dann "wie eine Erlösung" vorgekommen. Von Brüggemann, den er bis dahin nicht persönlich gekannt habe, habe er etwa ein Dutzend Entwürfe für Texte erhalten, die Schauspieler sprechen sollten. Initial sei die Idee von einer Gruppe bekannter Schauspieler gekommen, erklärt Bohn.

Dies habe ihm Brüggemann so erzählt. Dass die Teilnahme an der Aktion eine Nähe zur "Querdenker"-Szene suggerieren könnte, sei ihm klar gewesen. "Ich habe trotzdem mitgemacht. Es geht um die Sache." Diese sei ihm wichtiger als die Empörung, mit der die Öffentlichkeit nun reagiere.

Zu Volker Bruchs Mitgliedschaftsantrag bei "Die Basis" meint Bohn: "Das ist ganz allein seine Sache. Ich bin bei der FDP, andere von uns bei der SPD oder der Linken. Wenn Herr Bruch seine politische Kraft und Stimme an Die Basis verschenken will … nur zu."

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