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Region Ammersee
19.11.2021

Ausstellung: Chinesische Bauernmalerei im Buchheim-Museum in Bernried

Chinesische Bauernmalerei im Buchheim-Museum: S“huangyue Hu Pekingoper singen“ ist dieses Bild aus der Serie »Feste« aus der Sammlung von Ingrid Jansen überschrieben.
Foto: Sammlung Ingrid Jansen

Chinesische Malereien aus der Sammlung von Ingrid Jansen sind im Buchheim-Museum in Bernried zu sehen. Die Kunst ist aus Begeisterung entstanden.

Chinesische Malerei in Originalwerken sieht man hierzulande noch immer eher selten, und wenn, dann sind es meist Bilder der berühmten Gelehrtenmaler. Von der neueren Volkskunst Chinas weiß man dagegen oft sehr wenig. Und doch, auch sie kann ihren ganz besonderen Reiz haben, der viele in seinen Bann zieht. So erging es auch Ingrid Jansen, die im Februar 1987 in einer Galerie in Peking, wo sie gerade drei Jahre mit ihrem Mann lebte, auf Bilder chinesischer Bauernmalerei stieß.

Kunst aus China: Lebensfreude durch klare Farben

Die natürliche Lebensfreude, die diese Werke mit ihren klaren Farben und ungewöhnlichen Blickwinkeln ausstrahlte, begeisterte sie sofort. Sie hatte schon Volkskunstbilder aus anderen Regionen Chinas gesehen, aber niemals war sie so sehr berührt worden. Die Malereien stammten aus dem Dorf Wangxia in der nordchinesischen Provinz Hebei. Das war nur etwa 250 Kilometer von Peking entfernt, und so machte sie sich auf den Weg dorthin, um die malende Bauernschaft vor Ort kennenzulernen. Sie knüpfte Kontakte und begann diese Bilder zu sammeln.

Bestimmt hätte solche Art von Kunst auch Lothar-Günther Buchheim gefallen mit seinem leidenschaftlichen Sinn für Reinfarbigkeit, Erfindungsreichtum und Originalität. Er und seine Frau Ditti reisten mehrmals durch China. Mit Bauernmalern ist man damals wohl nicht zusammengetroffen. Die lebten noch fernab in ihren Dörfern und malten nur zur eigenen Freude. Nach den harten Jahren der Kulturrevolution voller politischer Indoktrinierung durfte man dort nun die Bildthemen wieder frei wählen. Zehn Jahre später wandelte sich der politische Wind erneut, und auch Ingrid Jansen konnte ihre Sammeltätigkeit in diese Richtung nicht weiterführen.

Kunstwerke bilden bäuerlichen Lebenszyklus ab

„Thematisch sehen wir auf den ausgestellten Bildern Arbeiten auf den Feldern und in den Obstbäumen, das Dorfleben mit den Tieren und auch die handwerklichen Tätigkeiten des Töpferns, Webens oder Laternenmachens“, heißt es in einer Pressemitteilung des Buchheim-Museums. Festgehalten wurden die verschiedenen Veranstaltungen rund um das große Neujahrsfest mit dörflichem Theater, Akrobaten, Trommlern, Löwentanz, Jahrmärkten mit Essensbuden und Ständen voller bunter Salzteigfiguren. Und natürlich das große Feuerwerk! Man lernt durch die Bilder den gesamten bäuerlichen Lebenszyklus kennen von Hausgeburt über Hochzeitsfeiern, barfußärztlicher Krankenversorgung bis hin zu einem Begräbnis mit seinen Ritualen. Eine Szene ist oft im selben Bild zugleich in Frontalsicht, Seitenblick und Draufsicht zu sehen. Das wirkt frisch, ungewohnt und im besten Sinne dilettantisch: eine Kunst, die aus Begeisterung erwachsen ist, nicht aus einer schulmäßigen Ausbildung. Die Freude am derartigen Wahrnehmen der eigenen Lebenswelt wirkt geradezu ansteckend.

Zu sehen ist die Ausstellung im Buchheim-Museum von Sonntag, 20. November, bis Sonntag, 6. März.

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Weitere Infos unter www.buchheimmuseum.de

(ak)

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