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Cirque Noir: Burlesque, Artistik und Glamour in Stegen

Stegen

Burlesque, Artistik und Glamour in Stegen

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    An den Ringen präsentierten die "Wahrsagerinnen" Anna Crisan, Elena Gieselmann, Isabell Schimmel, Jana Heidenfelder, Laura Süß und Sabrina Bierhals ihr Können.
    An den Ringen präsentierten die "Wahrsagerinnen" Anna Crisan, Elena Gieselmann, Isabell Schimmel, Jana Heidenfelder, Laura Süß und Sabrina Bierhals ihr Können. Foto: Andreas Liedl

    Dunkelheit im Studio des Groundlifts in Stegen, nur ein Lichtkegel ist auf die Bühne gerichtet. Im Saal ist erst leises Stimmengewirr, dann gespannte Stille, bis der rote Vorhang aufschwingt. Musik setzt ein und zehn Frauen in engen Kostümen beginnen sich lasziv im Rhythmus des Taktes zu bewegen. Die Show „Cirque Noir“, der „dunkle Zirkus“ ist eröffnet. 50 Tanzschülerinnen und ihre Trainer des Moving Arts Studios in Kaufering haben in ihrer Freizeit monatelang an Poledancestangen, Vertikaltüchern, Trapezen und Ringen trainiert und dabei ein fesselndes Programm auf die Beine gestellt.

    Auch ein Mann, der Vampir Dante Nocturna ist Teil der Show. Rolf Herb, wie er außerhalb der Bühne heißt, entdeckte seine Passion für Poledance in einem Münchner Nachtclub. „Ich habe früher geturnt und wollte wieder damit anfangen. Zuerst schaute ich nach einem Turnverein in Weilheim, da waren aber nur Schulkinder, somit keine Option. Als ich dann mal in München unterwegs war, traten in einem Club Poledancer auf und ich war sofort beeindruckt von deren artistischer Leistung. Mir war klar, das möchte ich selbst ausprobieren.“ Nicht klar war Rolf, wie schwierig es werden sollte, eine Poledancegruppe zu finden, die Männer aufnimmt. „Meine Anfrage wurde mehrfach abgewiesen, mit der Antwort: nur Frauen. In Kaufering hatte ich dann Glück.“ Lydia Liedl, Inhaberin und Tanzlehrerin des Moving Arts Studios, war sofort offen für sein Interesse und auch ihre Schülerinnen hießen Rolf in ihrer Gruppe willkommen.

    Die Tänzerinnen versuchten, sich der Fäden zu entledigen.
    Die Tänzerinnen versuchten, sich der Fäden zu entledigen. Foto: Andreas Liedl

    Die Idee zur Show kam Liedl mit ihren Schülerinnen vor gut einem Jahr. Zum Jahresabschluss wurde in den Kursen immer intern aufgetreten, denn das Studio in Kaufering ist zu klein für viele Zuschauer. Da kam der Wunsch, vor Freunden und Familie aufzutreten, aber Liedl dachte größer. Wenn Aufführung, dann mit einem Programm, das eine Geschichte erzählt.

    So wurde an einem Drehbuch gearbeitet, an Dialogen gefeilt, Kostüme genäht und am Bühnenbild gebastelt. Herausgekommen ist etwas Wunderbares, beinahe Professionelles. Denn der Auftritt in Stegen schafft es, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Zu bezaubern und dabei doch nicht aufgesetzt zu wirken. Es treten Menschen jeden Alters, jeder Körperform und Orientierung auf. Dabei kommt es nicht auf perfekte Synchronität an. Es wird deutlich: auf der Bühne gibt es eine Rolle für jede Person. So facettenreich und bunt wie ein Zirkus ist, fügen sich die Individuen ein und werden zum Kollektiv.

    Die beiden Shows im Groundlift in Stegen sind ausverkauft

    Der Auftritt ist gefragt, das Event war an beiden Tagen mit jeweils 150 Zuschauern ausverkauft. Schon die Location setzt den Ton für den Abend. In der alten Brauerei fällt gedimmtes rotes Licht aufs Gemäuer. Die Aufführung der Burlesque-Tänze erinnert an die Pariser Moulin Rouge. Organische Übergänge zwischen Theater, Tanz und Gesang, aber doch kein Musical, sondern Zirkus. Für Erwachsene. Die Show erwähnt auch die historische Dimension des Zirkus. Früher wurden in sogenannten Freakshows Menschen mit körperlichen Besonderheiten zur Schau gestellt und häufig als „Monster“ etikettiert. Ganze Stämme fremder Kulturen wurden während der Kolonialisierung ihrer Heimat entrissen, um in Käfigen zur Unterhaltung ausgestellt zu werden.

    Der erste Teil des Bühnenprogramms beginnt mit Passanten in ihrem hektischen und erschöpfenden Alltag und der jungen Johanna, die keinen Ausweg aus diesem findet, bis sie der magischen Madame Veloura begegnet. Diese zeigt ihr mit ihren Wahrsagerinnen eine andere Welt, voller Magie und Glamour, aber auch Dunkelheit. Johanna muss sich die Frage stellen, ob sie bereit ist und sich von einer Gruppe Showgirls in eine von ihnen verwandeln lässt.

    Der Cowboy hat einen kraftvollen Gesang

    Fortan lernt sie den Zirkus der Nacht kennen. Verschiedene Figuren, wie die Tattooed Lady Velvet Ink oder Ringmaster Jasparra, die die Clowns unter Kontrolle hält, führen sie in ihre Welt ein. Der Crystal Cowboy Nuel Nox verpasst ihr einen standesgemäßen Bühnennamen. Nun nennt sie sich Jade. Maxi Madame Zeitlos, die alte Weise, lässt sie dann endgültig Teil der Zirkuswelt werden und Jade tanzt ihre erste Nummer als Teil des „Cirque Noir“. Emanuel Kasprowicz überzeugt als Cowboy mit kraftvollem Gesang.

    Im zweiten Teil entführt Luna, die Mondin, zu den Sternen und tritt eine Reise in den Orient, ins Pariser Nachtleben und zu japanischen Geishas an. Auch die Dunkelheit bleibt präsent: Vampire fliegen durch die Nacht und Porzellanpuppen versuchen, sich von ihren Fäden zu befreien. Herzen werden gebrochen und wieder geheilt, Tiere dürfen ihren Käfig verlassen und auch wenn nicht alles so golden ist, wie es in der Abschlussnummer der Stuhlakrobatinnen scheint, so ist sich am Ende das ganz „Cirque Noir“ Ensemble einig: Das war die „Greatest Show“.

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