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Herrsching: Wie Wigald Boning zum Profi-Badenden im Ammersee wurde

Herrsching

Wie Wigald Boning zum Profi-Badenden im Ammersee wurde

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    Wigald und Teresa Boning sowie Stellario Fagone bei der musikalisch umrahmten Lesung aus dem Buch "Herr Bonig geht baden" in Herrsching.
    Wigald und Teresa Boning sowie Stellario Fagone bei der musikalisch umrahmten Lesung aus dem Buch "Herr Bonig geht baden" in Herrsching. Foto: Susanne Böllert

    Mit allen Wassern gewaschen ist er ja, dieser Wigald Boning, den die Älteren noch als einen der beiden „Doofen“ kennen und der seit zwei Jahren in Herrsching lebt. Seit 519 Tagen gab es nämlich keinen einzigen, an dem der 56-Jährige nicht unter freiem Himmel ins Wasser gestiegen wäre.

    Dabei taugen dem gebürtigen Niedersachsen Gewässer so groß wie der Ammersee, kleine Tümpel wie die Seachtn bei Andechs, fließende Gewässer wie Elbe, Spree und Themse, jeweils von zweifelhafter Sauberkeit, der Danzinger Stadtgraben, die Kiesgrube eines Bauhofs in Vorarlberg oder gar das Regenrückhaltebecken am Flughafen Hannover. Selbst der Mediapark-Weiher in Köln, in dem Baden strengstens verboten sei, ist vor einem Wigald Boning nicht sicher. Dann zwingt er seinen Herausforderungen erprobten Körper eben klammheimlich des Nachts ins Nass.

    Wigald Boning ist zu gewissenhaft, als dass er sich selbst beschummeln würde

    Als TV-Moderator, festes Mitglied der Fernseh-Show „Genial daneben“ und Buchautor ist der Wahl-Herrschinger eben sehr viel unterwegs und muss auf seinen – glücklicherweise im Überschuss vorhandenen – Einfallsreichtum zurückgreifen, um die neueste Challenge zu meistern: ein Jahr lang jeden Tag, wenn nicht schwimmen, so doch baden zu gehen. „Wigald verfolgt seine Ziele sehr gewissenhaft und schummelt niemals, auch sich selbst beschummelt er nicht“, erklärt seine Frau Teresa am Rande ihres ersten gemeinsamen Auftritts überhaupt.

    Auf Einladung Catharina Geiselharts vom Kulturverein hat das Ehepaar am Samstag zu einer literarisch-musikalischen Matinee ins Kurparkschlösschen Herrsching geladen. Während der Profi-Bader, in einen Bademantel gehüllt, Gummistiefel an den Füßen und eine türkise, mit pink-gelben Blümchen besetzte 70er-Jahre Haube auf dem Kopf, aus seinem kürzlich erschienen Werk „Herr Boning geht baden“ Wasser-, äh Kostproben zum Besten gab, interpretierte Teresa Boning mit bergseeklarem Sopran Lieder rund ums Wasser. Stellario Fagone begleitete die aus Landsberg stammende Opernsängerin am Klavier, während sie Gustav Mahlers „Rheinlegendchen“ erklingen oder „Die Forelle“ von Franz Schubert durchs Schlösschen flösseln ließ.

    Was sich für Wigald Boning hinter TTT verbirgt

    TTT, das steht bei Wigald Boning für „tägliches therapeutisches Training“ und am Anfang seiner Karriere als Vielschwimmer. War es doch eine zwickende Kalkschulter, die sich der Marathonläufer (Wigald absolvierte ein Jahr lang jede Woche 42,195 Kilometer am Stück) zugezogen hatte und der nun eine OP drohte. „Bei Badeausflügen im Ammersee hatte ich den Eindruck gewonnen, dass Schwimmen dem schmerzenden Großgelenk guttäte“, schreibt der Freiluftschwimmer. Und er schildert, wie sich aus dem zaghaften Gedanken, testhalber die „Großpfütze vor der Haustür“ zur Eigentherapie zu nutzen, rasch die hartnäckige Idee entwickelte, jedenTag abzutauchen. Ohne Ausnahme. Denn Wigald ist ein waschechter Streaker, wobei es bei einem Streak (zu Deutsch: Strähne) auf die „Lückenlosigkeit des Tuns, nicht aber um „die zurückgelegte Entfernung oder gar die Geschwindigkeit“ gehe.

    Kurz gesagt: Die Schulter ist dank ausdauernder Bewegung im kalten Wasser wieder so beweglich wie die eines Kleinkinds und ihr Besitzer um einige Erfahrungen reicher. Etwa die, wie lohnend es ist, sich im Winter erst nach dem Aufhacken einer Eisscholle zu entkleiden, nicht davor. Und dass auch die Wassertiefe bedeutsam ist. „Denn, wenn sich unter dem ins Eis gehackten Loch nur 30 Zentimeter Wasser befinden, wird’s schwierig, seinen Körper hineinzukrümmen. Da ist beim Bauchnabel einfach Schluss“, gibt Boning sein an einer „Lacke“ im Zillertal erworbenes Wissen ans erheiterte Publikum weiter. 

    Aus einem zaghaften Gedanken könnte die nächste hartnäckige Idee werden

    Das ist, weil Wigalds Element H²O am Wochenende massenhaft als Schnee über die Ammerseeregion niedergegangen ist, leider deutlich kleiner als erwartet. Doch wer neugierig geworden ist, wie sich der TV-Reporter am Tag der Königskrönung an bewaffneten Polizisten-Pärchen vorbei in die Themse stahl, wieso er sich bei seiner ersten Ammerseequerung verschwamm oder warum sich Teresa für die Niederkunft mit Sohn Oscar für eine Wassergeburt entschied, kann das im bei Gräfe und Unzer erschienen Selbsterfahrungsbuch nachlesen.

    Wann Wigald seinen Schwimmstreak, der ja schon deutlich länger als die geplanten 365 Tage andauert, beendet? Nun, vielleicht, wenn ihn sein gelbes Klapprad Baujahr 1966 über die Route 66 von Chicago nach L.A. bringen wird. Dieser zaghafte Gedanken nämlich befindet sich derzeit auf dem besten Wege zur hartnäckigen Idee.

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