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Verkehrssicherheit macht Baumfällarbeiten im Seeholz bei Riederau nötig

Riederau

Warum im Seeholz bei Riederau in den Osterferien die Kettensägen dröhnen

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    Die mit orangen Strichen markierten Bäume im Seeholz werden in den Osterferien gefällt, weil sie bei Unwettern auf das Gleis zu stürzen drohen.
    Die mit orangen Strichen markierten Bäume im Seeholz werden in den Osterferien gefällt, weil sie bei Unwettern auf das Gleis zu stürzen drohen. Foto: Gerald Modlinger

    Wer einen Osterspaziergang ins Seeholz zwischen Holzhausen und Rieden macht, wird dort einige Veränderungen bemerken. Die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) kündigen für die Osterferien mehrtägige Baumfällarbeiten in dem knapp 100 Hektar großen Naturschutzgebiet an. Es geht darum, betont der zuständige Revierförster Andreas Brem, die Verkehrssicherheit der durch den Wald führenden Ammerseebahn zu gewährleisten.

    Das Seeholz ist vor allem durch seine teilweise sehr alten Eichenbestände ein besonderer Teil der Ammersee-Landschaft. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen rein natürlich entstandenen Raum, sondern er wurde durch den Menschen mitgeprägt. Weil der heutige Staatswald in früheren Jahrhunderten vor allem als landesherrliches Jagdgebiet diente, wurden dort vor allem Eichen als für das Wild wichtige fruchttragende Bäume gefördert. In der jüngeren Zeit ist der Anteil der lichtbedürftigen Eichen jedoch zugunsten von konkurrenzstärkeren Arten wie Rot- und Hainbuche, Ahorn und Esche zurückgegangen.

    Die kranken Eschen lassen einen „Dominoeffekt“ im Seeholz entstehen

    Der Eschenbestand ist in den vergangenen 15 Jahren jedoch weitgehend durch das mit einem aus Asien stammenden Pilz eingeschleppte Eschentriebsterben zusammengebrochen. Das machte den gemischten Laubbaumbestand im Seeholz zunehmend instabil. Wenn rundherum die Eschen nicht mehr vorhanden sind, verbleiben oft einzelne oder in kleinen Gruppen frei stehende andere Arten. Aufgrund ihrer ursprünglichen Dichtstellung haben sie oft nur schmale Kronen und sind nur wenig sturm- und schneestabil. Buchen werden oft auch entwurzelt, weil sie in vernässten Bereichen nur flache Wurzeln ausbilden, erklärt Förster Andreas Brem, dazu kommt Sonnenbrand an der Rinde, der zu einem Verlust an Vitalität führt. Brem spricht von einem „Dominoeffekt“.

    Dass dies nicht nur eine theoretische Gefahr für die Verkehrssicherheit der Eisenbahn im Seeholz ist, zeigte sich bei dem heftigen Schneefall am ersten Adventswochenende 2023. Damals stürzten etliche Bäume aufs Gleis, ein Zug steckte deswegen mehrere Stunden fest, bis die Strecke freigeschnitten war. Ein Problem ist bei solchen Ereignissen, dass der rund 1,2 Kilometer lange Streckenabschnitt für Rettungs- und Einsatzfahrzeuge insbesondere bei Schneelagen praktisch nicht erreichbar ist.

    Rund 250 Bäume werden in den Osterferien im Seeholz umgesägt

    Um das Unfallrisiko weitgehend auszuschalten, werden nun auf Teilflächen westlich der Bahnstrecke in einem Korridor von gut 30 Metern auf insgesamt 1,2 bis 1,5 Hektar rund 250 Bäume gefällt. Weil das Naturschutzgebiet nicht mit schweren Forstmaschinen befahren werden darf, ist das eine für den beauftragten Maschinenring Oberland durchaus mühevolle Arbeit überwiegend mit Kettensägen und Handseilwinden inmitten einer Wildnis mit riesigen Totholzmengen, nachdem das Holz im Seeholz schon seit 40 Jahren aus Naturschutzgründen nicht mehr wirtschaftlich genutzt wird.

    Das Eschentriebsterben macht den Laubholzbestand in Teilen des Seeholzes instabil. Das lässt sich an zahlreichen umgestürzten Bäumen entlang der Bahnstrecke erkennen.
    Das Eschentriebsterben macht den Laubholzbestand in Teilen des Seeholzes instabil. Das lässt sich an zahlreichen umgestürzten Bäumen entlang der Bahnstrecke erkennen. Foto: Gerald Modlinger

    Auch die Bäume, die jetzt umgesägt werden, bleiben im Seeholz liegen. Daraus soll weiterer Lebensraum für die seltene Käferart des Eremiten oder den Baumhöhlen bewohnenden Mittelspecht entstehen, erklärt Brem. Um den Charakter eines eichengeprägten Waldes zu erhalten, werden in Gruppen insgesamt rund 200 Eichen gepflanzt, da durch die Naturverjüngung eher andere Arten wie Buchen, Ahorne, Ulmen und Eschen aufwachsen.

    Die Holzarbeiten wirken wie wenn ein sommerlicher Sturm die Bäume brechen lässt

    Die Fällung der Bäume wirke so ähnlich wie ein sommerlicher Sturm, erklärt Brem weiter. „Dadurch entsteht eine naturnahe Zerfallsphase, wie sie sonst nur in alten Urwäldern vorkommt: mehr Totholz, mehr Licht, mehr Strukturvielfalt. Diese Übergangsphase bietet wertvolle ökologische Chancen für die Weiterentwicklung des ohnehin totholzreichen Waldes.“ Das Insektenleben werde beflügelt und damit beispielsweise die Nahrungsgrundlage für Fledermäuse verbessert.

    Förster Andreas Brem (rechts) hat die an der Ammerseebahn zu fällenden Bäume gekennzeichnet und weist Herbert Thurner vom Maschinenring Oberland in die in den Osterferien zu erledigenden Arbeiten ein.
    Förster Andreas Brem (rechts) hat die an der Ammerseebahn zu fällenden Bäume gekennzeichnet und weist Herbert Thurner vom Maschinenring Oberland in die in den Osterferien zu erledigenden Arbeiten ein. Foto: Gerald Modlinger

    Da die Maßnahmen in einem Naturschutzgebiet stattfinden, war für jede einzelne Baumfällung eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung der Regierung von Oberbayern erforderlich – insbesondere wegen potenzieller Fledermausquartiere in Höhlen, Spalten und Rindentaschen. Die zu fällenden Bäume seien diesbezüglich doppelt geprüft worden.

    Was die Staatsforsten am Fuß- und Radweg im Seeholz vorhaben

    Auf der anderen Seite der Bahnstrecke verläuft ein immer stärker frequentierter Fuß- und Radweg. Forderungen nach einem Ausbau sind auch an die Staatsforsten zuletzt immer häufiger herangetragen worden. Förster Brem reagiert darauf eher zurückhaltend: Werden solche Wege verbreitert, werde dort noch schneller gefahren und am Ende steige das Gefahrenpotenzial für Fußgänger gegenüber Radfahrern weiter, so die grundsätzliche Haltung der Staatsforsten. Man plane aber, die eingewachsenen Ränder des Wegs abzuschieben, sie mit Kies zu befestigen und die Wasserableitung zu erneuern. Allerdings müsse dies in einer Planung dargestellt werden, die die auch die Untere Naturschutzbehörde absegnen muss.

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