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Horgau-Auerbach

10.06.2019

125 Jahre Feuerwehr: Ausnahmezustand in Auerbach

Die Festdamen gingen beim Umzug am Sonntag im lachsfarbenen Dirndl mit den Feuerwehrleuten im dunklen Festanzug voraus. Stellvertretender Landrat Heinz Liebert hob hervor, dass alle Festdamen auch in der Feuerwehr ihren Dienst tun. Drei Tage lang wurde von Freitag bis Sonntag gefeiert. Das 1500-Personen-Festzelt in Auerbach war abends gut gefüllt.
Bild: Andreas Lode

Die Feuerwehr im Horgauer Ortsteil Auerbach feiert ihr 125-jähriges Bestehen. Tagelang wird im Festzelt getanzt und geschunkelt. Ein ganzes Dorf macht mit.

Drei Tage weiß-blauer Himmel über Auerbach, dreimal ein volles Festzelt und tausende Besucher. Das Fest zum 125-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Auerbach kam gut an. Aufregung gab es, als mehrere starke Sturmböen das Zelt am Freitag zum Zittern brachten. Das Zelt heil, nur Abgrenzungen und die zahlreichen Fahnen nahmen im Außenbereich Schaden und wirbelten durch die Luft.

Schon beim Totengedenken am Freitagabend waren auf dem Dorfplatz vor dem Feuerwehrhaus die meisten Vereine aus dem Rothtal und eine beträchtlich Anzahl von Feuerwehren sehr stark vertreten. Zweite Vorsitzende Daniela Dietrich bat in ihrer Ansprache: „Sucht den Frieden und die Versöhnung – seid Vorbild“. Auch Pfarrer Karlheinz Reichhart erinnerte an die verstorbenen und gefallenen Kameraden und appellierte, den Frieden zu bewahren. Anschließend zogen rund 600 Gäste in einem Festzug mit den Musikkapellen Rothtaler Horgau und Adelsrieder Musikanten, sowie dem Patenverein aus Zusmarshausen zum Festzelt. Alle warteten gespannt auf den Auftakt der Feierlichkeiten, dem Bieranstich. Nach vier kraftvollen Schlägen von Schirmherr Johann Kohler konnte die ersten Krüge gefüllt. Viele Ehrengäste fanden sich bereits am ersten Abend ein, unter ihnen auch stellvertretener Landrat Heinz Liebert. Dieser hob vor allem die Tatsache hervor, dass alle Festdamen auch freiwilligen Dienst in der Feuerwehr tun. Auch Schirmherr Johann Kohler, Bürgermeister Thomas Hafner, Kommandant Stefan Reitmayer hoben die Leistungen der letzten 125 Jahre der Auerbacher Wehr hervor.

Viel Programm am Familiennachmittag

Beim Familiennachmittag am Samstag malten die Damen der Feuerwehr den kleinen Besuchern farbenfrohe Zeichnungen in die Gesichter und brachten ihnen mit der Kübelspritze die ersten Handgriffe mit dem Strahlrohr bei. Aufmerksam verfolgten sie dann mit ihren Eltern eine Schauübung der Wehren aus Zusmarshausen und Horgau, die eine Menschenrettung nach einem Verkehrsunfall demonstrierten. Bis auf den letzten Platz war dann am Abend das Festzelt besetzt, als die Allgäuer Band Waidigel die Festhalle zum Kochen brachte.

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Mit einer Predigt von Pfarrer Karlheinz Reichhart zum Fest und auch zu Pfingsten wurde beim Festgottesdienst der Sonntag eröffnet. „Ein guter Geist müsse auch wieder in der Kirche herrschen um die Gläubigen wieder an die Kirche zu binden. Von allen guten Geistern verlassen bezeichnete Reichhart vor allem diejenigen, die die Arbeit der Hilfsorganisationen wie die Feuerwehr bei ihren Einsätzen behindern, belästigen und beleidigen.

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Festumzug 125 Jahre Feuerwehr Auerbach
Bild: Andreas Lode

Höhepunkt des Festes war der Umzug am Sonntag. Ein Bild für Götter war die lange bunte Menschenkette mit kleinen wie großen Fahrzeugen. Der von zahlreichen Musikern umrahmte große Festzug konnte starten.

„Der Umsatz könnte besser sein“, beklagten die beiden Schausteller Jessica und Berthold Paulusaus Franken. Der Grund für die Kassenflaute war jedoch, dass sich gerade ein ganzes Dorf auf den Weg gemacht hatte. Entweder als Akteur beim fast 90-minütigen Umzug, als Helfer im 1500-Personen-Festzelt im Norden der Gemeinde oder einfach nur als jubelnder Zuschauer an der Seite oder auf dem großen Festplatz.

Sieben Musikkapellen ziehen durch den Ort

Allein sieben Musikkapellen reihten sich in die bunte Schlange aus Menschen, Maschinen und Tieren ein, die sich gemächlich durch den Ort bewegten und den ursprünglich ruhigen sonntäglichen Dorffrieden in ein geräuschvolles wie kunterbuntes Spektakel verzauberten. „Das ist ja unglaublich, was hier abgeht“, jubelte der zufriedene Schirmherr und Ex-Brandschützer Johann Kohler beim Anblick der vorbeiziehenden Fest-Truppen.

Ein paar kühle Tropfen, versprüht aus den mitgeführten Wasserschläuchen mancher gut gelaunter Zugteilnehmer, dürften auch den Mann mit zahlreichen Vorfahren aus der Wehrbranche getroffen und daran erinnert haben, dass er das mit diesem furiosen Festnachmittag nicht geträumt hatte. Über 90 Gruppen, Organisationen und Vereine, dazu historische Traktoren, Spritzenfahrzeuge, Kanone und Leiterwagen: Ein zwei Kilometer langer, farbenprächtiger Tross bahnte sich da einen Weg durch die Straßen des Horgauer Ortsteils und begeisterte das Publikum. Kurz vor der Endstation Bierzelt hatten die beteiligten Oldtimer-Chauffeure gar Mühe, durch das enge Spalier der Zuschauer zu manövrieren. Kein Wunder, gibt es doch etwa den aus Willishausen stammenden Porsche Diesel Junior, Baujahr 1957, mit Spitzentempo 20 und einem Marktwert von rund 20 000 Euro, nicht so oft zu sehen. Von der Sorte stellten die Oldtimerfreunde aus Horgau gleich fünf Exemplare rollend zur Schau. Aus Zusmarshausen eilte ein Ford Pickup 28 von 1962 herbei, der einst als Transporter für sechs 100-Liter-Fässer diente

Von dort hatten sich auch festlich gekleidete Feuerwehrler sowie Musikanten auf den Weg gemacht, die weit vorne mitmarschierten. Zuvor konnte der Durchzug der Festdamen im lachsfarbenen Dirndl die Passanten entzücken. Solche Showeinlagen unterstrichen den generationsübergreifenden Charakter des Fests. Beim anschließenden Fahnenschwenken im Zelt kannten Alter und Lautstärke keine Grenzen mehr. (mit koh)

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