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Zusmarshausen-Wörleschwang

23.06.2017

144 Minuten Diskussion für 288 Meter

Das Baugebiet „An der Wiege" in Wörleschwang war Thema bei der Bürgerversammlung.
Bild: Reitmayer

In Wörleschwang scheiden sich die Geister an einem Stück Feldweg. Bei der Bürgerversammlung wurde lange diskutiert.

Aufzuckende Blitze vor dunkler Wolkenwand, stürmischer Wind, Platzregen – das Donnerwetter zu Beginn der Bürgerversammlung spielte sich nur draußen ab. Dabei hatte das Thema im großen Veranstaltungssaal das Zeug zum kleinen Orkan: die Sperrung des Feldwegs westlich des Baugebiets „An der Wiege“. Das zeigte sich schon daran, dass unter der Leitung von Bürgermeister Bernhard Uhl 144 Minuten lang um einen 288 Meter langen Streifen mitunter lautstark diskutiert und gestritten wurde.

Eine meist sachliche Debatte

Nach dreieinhalb Stunden beim Demharter verließen die mehr als 80 Besucher das Haus, in dem sich die beiden Lager – Befürworter wie Gegner – zwar nichts geschenkt, aber um eine meist sachliche Debatte bemüht hatten.

Danach stand auch fest, dass der Marktgemeinderat wegen des im vergangenen Frühjahr in die Tat umgesetzten Fahrverbots nochmals ranmuss. Denn fast 80 der anwesenden Bürger sprachen sich dafür aus, die Strecke, die laut Kritikern gern auch zu innerörtlichen Abkürzungen genutzt wurde, wieder offenzuhalten. Nein, signalisierten vier Anwesende, drei enthielten sich.

Doch es bleiben Fragen offen

Für eine Verkehrsberuhigung im Baugebiet, im Volksmund auch Spielstraße genannt, votierten 53 Bürger, einer stimmte mit Nein, fast zwei Dutzend enthielten sich. Auch dieses Thema wird auf der Tagesordnung einer der kommenden Sitzungen der Bürgervertreter landen.

Offen blieb bei dieser Variante allerdings, was neben der beruhigten Zone aus dem umstrittenen Feldweg werden soll. Doch ausgerechnet die Existenz dieser kerzengeraden, kurzen Holperstrecke stand die ganze Veranstaltung über im Fokus. Einerseits hatten die „Neubürger“, wie sich Einzelne selbst titulierten, wegen der von ihnen beobachteten Belästigungen und Gefährdungen durch Fahrzeuge interveniert, dann einen Ortstermin durch die Polizei und schließlich einen Beschluss im Haupt- und Finanzausschuss nach Sperrung herbeigeführt. Auf der anderen Seite hatten Alteingesessene keinen Handlungsbedarf gesehen, zumal ihrer Meinung nach die schlechte Beschaffenheit der Route schnelles Fahren ausschließen würde.

Meinungen gehen auseinander

Mittendrin der Bürgermeister, der – begleitet von Geschäftsleiter Walter Stöckle – immer wieder auf den „ordentlichen Ablauf“ der ganzen Sache seitens der Verwaltung pochte. Dabei wies der Rathauschef immer wieder vor allem auf die besondere Rolle des gewählten Gemeinderats hin. Einer von ihnen ist Richard Hegele (SPD), der zusammen mit den Kollegen Harry Jurascheck (SPD) und Steffen Kraus (CSU) per Antrag im April die Neubefassung mit der heiklen Angelegenheit verursachte. „Macht euch lieber Gedanken um künftige Spielplätze“, forderte Hegele in Richtung Beschwerdeführer auf und hatte dabei den starken Beifall der Gäste im Kreuz. Kindeswohl werde nur vorgeschoben, dabei würden diese im Bereich meist allein und ohne Aufsicht spielen. „Wenn ich das als zweifacher Vater sehe, habe ich damit ein Problem.“ Dem schlossen sich mehrere Redner an.

Ein „Wiege“-Bewohner widersprach und sah sehr wohl Gefahren „für meine Kinder, wenn die in dem Bereich unterwegs sind und etwa in den Büschen Verstecken spielen“. Das erschien einem Grundstückseigner wie eine Steilvorlage, wies er doch darauf hin, dass „ich nichts gegen spielende Buben und Mädchen habe, aber das Gebüsch und der Grund mir gehören und ich trotzdem nicht dorthinfahren darf“.

Die Diskussion ist geschlossen.

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