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Gersthofen

22.11.2018

15-Jährige allein mit drei jungen Männern: Taxifahrer schlägt Alarm

Taxifahrer sind einiges gewöhnt, auch seltsame Passagiere mitten in der Nacht. Doch bei dieser Tour mit einem Mädchen und drei Männern achtete der Fahrer auf sein Baugefühl und alarmierte die Polizei.
Bild: Silvio Wyszengrad (Symbolfoto)

Plus Ein Mädchen ist nachts um 1 Uhr mit drei jungen Männern im Taxi unterwegs. Dem Fahrer kommt das merkwürdig vor, er ruft die Polizei - zu Recht.

Drei junge Männer und ein 15-jähriges Mädchen, die in der Nacht auf Donnerstag kurz vor 1 Uhr unterwegs sind: Das kam einem Taxifahrer aus Augsburg komisch vor. Er brachte die Gruppe wie gewünscht nach Gersthofen und verständigte anschließend die Polizei. Dann stellte sich heraus: Der Fahrer hatte absolut richtig reagiert. Eine Streife fuhr zur Wohnung, wo der Taxifahrer die Gruppe abgesetzt hatte. Dort wurde klar: Die 15-Jährige wird seit Dienstag vermisst. Sie lebt in einem Heim in Augsburg und war am Abend nicht mehr zurückgekehrt. Eine Polizeistreife brachte das Mädchen wieder zurück.

Die drei Männer wollten mit der 15-Jährigen einen Mann in Gersthofen besuchen

Angeblich hatte sie ihren 14-jährigen Freund begleitet, der mit einem sieben Jahre älteren Verwandten und einem gleichaltrigen Freund unterwegs war. Zusammen wollten sie einen 32-Jährigen in seiner Wohnung in Gersthofen besuchen. Warum und wie die Nacht dort weiterverlaufen sollte, ist nicht bekannt. Nur so viel: Es habe laut Polizei bei der Kontrolle weder Ärger gegeben noch seien Straftaten festgestellt worden. Trotzdem steht für die Beamten fest: „Es war gut, dass der Taxifahrer seinem Bauchgefühl vertraut hat“, sagt Gerhard Miehle von der Polizeiinspektion in Gersthofen.

Was ohne die nötige Sensibilität für den Augenblick passieren kann, zeigen viele Beispiele. Ferdi Akcaglar, der Vorsitzende der Augsburger Taxigenossenschaft, in der Taxinunternehmer mit 209 Wagen organisiert sind, kennt eines. Ein Kollege aus München habe vor Jahren einen betrunkenen Fahrgast auf einer Landstraße aussteigen lassen – auf eigenen Wunsch. Der Mann wollte dann über die Straße und wurde von einem Lastwagen tödlich erfasst. Der Taxifahrer musste sich später vor Gericht verantworten und habe eine Freiheitsstrafe erhalten. „Besser wäre es gewesen, der Taxifahrer hätte nach dem Halt die Polizei oder einen Rettungswagen verständigt“, meint Ferdi Akcaglar.

Für Taxifahrer gilt eine Fürsorgepflicht - aber wo fängt sie an, wo hört sie auf?

„Aber es ist schwierig. Es gibt viele Fälle, in denen die Situation nicht richtig wahrgenommen wird.“ Generell gelte für alle Taxifahrer: „Sie haben eine Fürsorgeplicht“, sagt Ferdi Akcaglar. Sie gelte besonders für Senioren, Schwache, Kranke und Kinder. Aber wann fängt sie an und wo hört sie auf? „Erfahrung spielt eine große Rolle“, sagt der Vorsitzende von „Taxi Augsburg“. Sein Kollege Martin Schmid aus Gersthofen, der seit 25 Jahren fährt, stimmt zu. Die Fürsorgepflicht gelte auch für Menschen, die aus der Kneipe geworfen wurden. Im Zweifel begleitet Schmid Kunden bis zur Haustüre.

„Ich habe aber schon gesagt, dass der Wirt mitkommen muss, um zu helfen.“ Schmid, der einen Taxiservice für bis zu acht Fahrgäste und auch Schülertransporte anbietet, hat Fahrten schon ablehnt und gleich einen Rettungswagen verständigt. „Im Lauf der Zeit bekommt man ein Gespür dafür.“ Das gilt auch für Situationen, in denen es für Taxifahrer brenzlig wird – wenn Kunden zum Beispiel nicht zahlen wollen. Schmid: „Das kommt leider immer wieder vor.“ Zuletzt in Neusäß.

Wenn Kunden aggressiv werden oder gar zur Waffe greifen...

Dort bat ein Fahrgast nachts um 3.45 Uhr an einer Bank anzuhalten, um Geld abheben zu können. Doch statt den Bankautomaten anzusteuern, rannte der Mann davon. Der 50-jährige Taxifahrer wollte ihn noch festhalten, packte ihn an der Kapuze. Doch der Mann riss sich los und verschwand. Bei der Flucht verlor er seinen Geldbeutel – darin befand sich sein Ausweis. Der Taxifahrer wurde leicht verletzt.

Noch schlimmer sind die Folgen, wenn Kunden aggressiv werden oder gar zu einer Waffe greifen. Schmid: „Dann muss man zum Selbstschutz lieber einmal auf das Geld verzichten.“

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