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Landkreis Augsburg

05.02.2019

15 Jahre Facebook: Fluch oder Segen?

Über Facebook können Nutzer ihre Meinung sagen und direkt interagieren – egal ob mit der Feuerwehr, der Polizei oder unserer Redaktion. Doch immer wieder werden Menschen auch Opfer von Beleidigungen und Anfeindungen.
Bild: Oliver Berg

Facebook sollte Menschen verbinden und die Kommunikation erleichtern. Heute sammeln sich Urlaubsbilder neben Hasskommentaren. Menschen aus dem Augsburger Land teilen ihre Erfahrungen.

Mit Freunden chatten, Urlaubsfotos teilen, einen Nachrichtenbeitrag kommentieren – vor 15 Jahren ging Facebook an den Start. Heute nutzen täglich zwei Milliarden Menschen das soziale Netzwerk, um Meinungen und Erinnerungen auszutauschen. Doch nicht immer sind die Erfahrungen positiv. Für Menschen aus dem Augsburger Land ist die Plattform Fluch und Segen zugleich.

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Der Schüler Landesschülersprecher Stefan Lindauer ist seit zehn Jahren bei Facebook. Wie viele Posts er seitdem geschrieben hat? „Vermutlich mehr als tausend“, sagt der 22-Jährige. Am Anfang habe er die Plattform hauptsächlich wegen der Spiele und der Chat-Funktion genutzt. Heute sei Facebook vor allem für Veranstaltungen und Nachrichten relevant. Oder um gezielt nach einer Person zu suchen und mehr über sie zu erfahren. „Bei Facebook gibt man auch mal voreilig Informationen preis, weil man immer wieder dazu aufgefordert wird“, sagt Lindauer. Das sei bei Netzwerken wie Instagram oder Twitter nicht so. Es komme hin und wieder zu Beleidigungen, Gerüchten oder Falschmeldungen. Lindauer fordert deshalb verstärkt Aufklärung in der Schule. Gerade jüngere Schüler müssten ein Bewusstsein dafür bekommen, was man im Internet preisgeben darf und was nicht, oder woran man eine seriöse Quelle erkennt. Schon öfter hat Lindauer überlegt, sich bei Facebook abzumelden. „Es raubt wahnsinnig viel Zeit“, sagt er. Dafür hat er jetzt eine App auf seinem Smartphone installiert. Die warnt ihn, wenn er länger als eine halbe Stunde auf Facebook unterwegs ist.

Die Lehrerin Sigrid Puschner, Schulleiterin der Anna-Pröll-Mittelschule in Gersthofen, beschäftigt sich regelmäßig mit dem Thema soziale Netzwerke. „Für Schüler sind sie überlebenswichtig“, sagt sie. Es werde alles gepostet, ohne die Netzwerke gehe nichts. Facebook sei zwar mittlerweile sekundär. Für Jugendliche seien Plattformen wie Snapchat, Instagram oder Whatsapp wichtiger. Doch die Herausforderungen sind die selben: „Man darf die sozialen Netzwerke nicht verteufeln, sondern muss den Schülern einen vernünftigen Umgang damit lehren“, findet Puschner. Deshalb nehmen schon die Fünftklässler an Workshops teil oder werden zu Medientutoren ausgebildet, die ihr Wissen an andere Schüler weitergeben. Gerüchte und Beleidigungen würden sich über die Plattformen viel schneller verbreiten als früher, weiß Puschner. Entsprechende Vorfälle gebe es regelmäßig, oft auch außerhalb der Schulzeit. Hier seien auch die Eltern gefragt, aufmerksam zu sein und die Schule zu informieren, wenn ein Kind in sozialen Netzwerken diffamiert wird.


Der Feuerwehrmann Die Neusässer Feuerwehr betreibt seit 2013 eine eigene Facebook-Seite. Sie zählt mittlerweile 1100 Follower. Für den stellvertretenden Kommandanten Andreas Golling hat das einen Vorteil. „Wir können unsere Arbeit transparenter machen“, sagt er. Gerade bei großen Einsätzen oder Verkehrsunfällen sei die Reichweite enorm. Der Facebook-Auftritt hilft den Freiwilligen auch bei der Nachwuchssuche. Fünf neue Mitglieder hätten sie über das Netzwerk gewonnen. „Der Kontakt nach außen hat sich deutlich gesteigert“, sagt Golling. So wenden sich auch regelmäßig Nutzer mit Fragen an ihn, egal ob zum Eichenprozessionsspinner oder zu einer verletzten Katze. Als einer von zwei Moderatoren behält Golling immer auch die Kommentare im Blick. „Wir versuchen, von Anfang alles zu erklären, um Diskussionen zu vermeiden“, sagt er. Aber er habe die Kommentarfunktion auch schon einmal deaktiviert. Insgesamt seien die Erfahrungen mit Facebook sehr positiv.

Der Polizist Auch das Polizeipräsidium Schwaben Nord betreibt seit November 2016 einen Facebook-Account. „Natürlich hat Social Media die Arbeit der Polizei verändert“, erklärt Sprecher Markus Trieb. Neben Tipps, wie sich Nutzer vor Diebstahl oder Betrugsmaschen schützen können, helfe Facebook bei der Aufklärung von Straftaten. Denn Zeugenaufrufe oder Fahndungsbeiträge würden von Nutzern geteilt und verbreitet. Das erhöhe die Wahrscheinlichkeit von Hinweisen, die für die Ermittlungen wichtig sein können, um ein Vielfaches. Aber nicht jeder Hinweis bringt die Polizisten weiter. Immer wieder würden Falschinformationen verbreitet oder Menschen würden Opfer von Anfeindungen oder Beleidigungen. Doch auch das könne Konsequenzen haben.

Facebook hat uns verändert, meint Redakteur Maximilian Czysz

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