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Neusäß

25.01.2017

18-Jährige vergewaltigt: Die Angst bleibt auch nach dem Urteil

Hier auf dem als Tatort eingezeichneten unbeleuchtetem Fußweg, hat sich die Vergewaltigung in Neusäß abgespielt.
Bild: Kriminalpolizei Augsburg

Ein Vergewaltiger muss jahrelang ins Gefängnis. Ein Geständnis in letzter Minute erspart dem Opfer eine unangenehme Aussage. Die Frau leidet unter den Folgen der Tat.

Schlaflose Nächte, Angstattacken und ein ständiges Gefühl der Unsicherheit: Was die 18-Jährige in der Nacht des 6. August 2016 in der Nähe des Neusässer Bahnhofs erlebt hat, ist der Albtraum jeder Frau. Ein fremder Mann nähert sich, hält sie fest. Es kommt zu einem sexuellen Übergriff. Die Frau schreit um Hilfe, Passanten eilen herbei, der Mann flüchtet. Wenige Tage später wird er festgenommen. Am Dienstag wurde der Mann aus Nigeria verurteilt: Drei Jahre und neun Monate muss er ins Gefängnis. Weil er die Vergewaltigung vor Gericht umfassend gestanden hatte, blieb der jungen Frau eine Aussage erspart.

Gegenüber der Polizei hatte der gelernte Kfz-Mechaniker, der 2014 nach Deutschland geflüchtet war und um Asyl gebeten hatte, die Tat noch bestritten. Die Beweise waren allerdings erdrückend: Wie ein Kriminalhauptkommissar vor Gericht schilderte, wurde DNA-Material des Opfers an der Kleidung des Manns gefunden. Außerdem ergab eine Auswertung der Mobilfunkdaten, dass das Handy des 36-Jährigen in der Funkzelle auftauchte, die den Tatort nahe des Bahnhofs versorgte. Die Polizei machte noch eine weitere Entdeckung.

Der Asylbewerber war vor der Vergewaltigung auf einer Geburtstagsfeier. Dort wurde er gefilmt. Die sicher gestellten Aufnahmen belegten, dass er eine Kette mit Lederriemen und Kreuz trug. Genau dieses Schmuckstück hatte sich die 18-Jährige eingeprägt und bei der Polizei beschrieben.

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Ermittler kamen Vergewaltiger durch Zufall auf die Spur

Auf die Spur des Täters hatte die Ermittler Kommissar Zufall gebracht. Nach der ersten Täterbeschreibung schauten sich Polizisten in der Asylbewerberunterkunft nahe des Neusässer Bahnhofs um. Dort stießen sie auf den 36-Jährigen, der sich im weiteren Verlauf der Ermittlungen in „Ungereimtheiten“ verstrickte. Schließlich wurde er festgenommen.

In der Untersuchungshaft in Gablingen hatte der Asylbewerber, der nach eigenen Angaben in seiner Heimat Vater eines Kinds ist, einen Schlaganfall. Eine Körperhälfte ist seitdem gelähmt. Seine Pflichtverteidigerin Alexandra Gutmeyr berichtete von dem langen inneren Prozess, sich den nicht wieder gut zu machenden Fehler einzugestehen und seiner persönlichen Angst vor den Folgen.

Opfer leidet unter den Folgen

Mit den Folgen hat aber vor allem die junge Frau zu kämpfen, die unvermittelt und ohne Grund zu einem Opfer wurde. Seit dem Übergriff setzt sie nachts keinen Schritt mehr allein vor die Haustür. Im Kreis ihrer Familie versucht die 18-jährige Studentin den Vorfall zu verarbeiten. In ärztlicher Behandlung war sie nicht. Die Zeit heilt nicht immer alle Wunden: Auch ein halbes Jahr danach leidet sie unter den Bildern, die immer wieder hochkommen, erklärte gestern ihr Rechtsanwalt Andreas Thomalla. Er vertrat die junge Frau als Nebenkläger. Äußerlich wirke sie zwar stabil. „Aber innen sieht es anders aus“, so Thomalla.

Viele Frauen seien das ganze Leben mit der Aufarbeitung beschäftigt, erklärte Staatsanwältin Katja Baues in ihrem Plädoyer. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten und blieb damit am äußersten Rahmen, der bei einem Geständnis des Angeklagten als mögliches Strafmaß während eines so genannten Rechtsgespräch zu Beginn der Verhandlung vereinbart worden war. Persönlich war der Staatsanwältin noch eine andere Botschaft wichtig. Der 36-Jährige sei nach Deutschland gekommen, weil er Schutz und Hilfe gesucht hatte.

In Deutschland herrsche eine Willkommenskultur, die er aber mit Füßen getreten habe. Er mache es jetzt anderen Asylbewerbern schwer. Auf die Neusässer Anwohner ging Richter Stefan Lenzenhuber bei der Urteilsverkündung ein: Auch sie hätten sich nach der Tat Gedanken gemacht und seien verunsichert gewesen. Er bezeichnete die Tat „aus reiner selbstsüchtigen und egoistischen Motivation“ als gravierend, weshalb eine empfindliche Strafe verhängt werden müsse. Hat sie der 36-Jährige abgesessen, dann droht ihm die Ausweisung.

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