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Zusmarshausen

16.11.2019

20 Jahre „Kunst in der Region“: Vielfalt der professionellen Kunst

Museumsleiter Andreas Decke im Heimatmuseum Zusmarshausen. Seit 20 Jahren gibt es hier wechselende Kunstausstellungen. Die Idee hatte Jürgen Schmid, der das Heimatmuseum in Zus bis 2014 leitete.
Foto: Marcus Merk

Seit 20 Jahren gibt es Heimatmuseum Zusmarshausen wechselnde Ausstellungen. Initiator und Museumsleiter ziehen Bilanz. Wie sich die Kunstwelt verändert hat.

Wieder geht eine im Heimatmuseum Zusmarshausen zu Ende. In den letzten Monaten hingen in dem Gewölbe im Erdgeschoss Ölgemälde von Hennes Ruißing aus, die die Sicht des Kunstmalers aus dem Ries auf die „Landschaft“ in seiner Heimat zeigen. Laut Museumleiter Andreas Decke war die aktuelle Ausstellung ein Erfolg. Besonders an den Öffnungstagen, an denen auch der Künstler selbst anwesend war, fanden viele Interessierte ihren Weg nach Zusmarshausen. An heutigen Samstag ist er ein letztes Mal vor Ort.

„Kunst in der Region“ gibt es mittlerweile seit 20 Jahren und mit dem Thema „Landschaft“ ist die Reihe heuer sozusagen wieder an ihren Anfängen angekommen. Die Idee hatte Jürgen Schmid, der das Heimatmuseum in Zusmarshausen bis 2014 leitete. Auf sein Betreiben stellte Decke, der ebenfalls freischaffender Künstler ist, von März bis Mai 1999 seine eigene Landschaftsmalerei aus. Kunstausstellungen auf dem Land waren damals noch eine Seltenheit. Das Ziel des Projekts: Kunst aufs Land holen und regionalen Künstlern eine Bühne bieten.

Von Anfang an hatte Schmid, der nach der ersten Ausstellung von Decke unterstützt wurde, einige klare Kriterien dafür, was in Zusmarshausen ausgestellt werden sollte: „Wir wollten Kunst mit einem professionellen Anspruch bieten.“ Es half, dass sowohl Schmid als auch Decke in der Szene gut vernetzt waren und es bis heute sind.

Querschnitt von dem, was es in der Region gibt

Das zweite Kriterium, das die Verantwortlichen immer im Auge behielten, war die Vielfältigkeit. Die Kunstausstellungen in Zusmarshausen sollten einen „Querschnitt von dem, was es in der Region gibt“, präsentieren. Das Jahr 1999 könnte man hier als Paradebeispiel nennen. Außer der Ölmalerei von Andreas Decke, wurden in dem Jahr Keramikarbeiten von Rosemarie Kirst und Geschmiedetes aus Gold von Edith Sawatzki ausgestellt.

Über die Jahre kamen die unterschiedlichsten Disziplinen dazu: Lithographien, Kunst am Bau, Glasmalerei, Fotografie, Radierung, Holzskulpturen, und viele andere Techniken fanden schon in dem Gewölbe Platz. Auch junge Künstler, die sich danach weltweit einen Namen machten, kamen nach Zusmarshausen. Maximilian Prüfer zum Beispiel, der seine Kunst mittlerweile auf der ganzen Welt, unter anderem auch in den USA ausstellt, kam 2011 mit seinen Arbeiten nach Zusmarshausen. Decke erinnert sich noch lebhaft an das zerlegte und kategorisierte Vogelnest „Harmonie eines unbekannten Vogels“ oder das Werk „Bienenkugel“, für das der Künstler 3000 Bienen, die von der Varroamilbe befallen waren, mit Hilfe von Insektennadeln zu einer Art Ball formte.

Jürgen Schmid stimmt die Rückschau auch nachdenklich: Was vor 20 Jahren noch eine Seltenheit, etwas Besonderes gewesen sei, ist in einer Zeit, in der auch in „Arztpraxen und Anwaltskanzleien“ Kunstaustellungen stattfinden, zu eine Art „Inflation“ geworden. „Inflation bedeutet auch immer Abwertung“, argumentiert Schmid. Umso wichtig sei es, auf die Qualität der Kunst zu achten. Welche Ausstellung tatsächlich eine Art Bildungsauftrag erfüllte und zur ästhetischen Auseinandersetzung einlade, komme aber nicht immer in der Öffentlichkeit an. In diesem Zusammenhang kritisiert er unsere Zeitung: „Da wird vieles über einen Kamm geschert.“

Positives Feedback für die Ausstellungen im Zusmarshauser Museum

In vielen Punkten stimmt ihm Decke zu, hat aber auch die Perspektive der Künstler im Blick: Das Feedback für die Ausstellung in dem „kleinen aber feinen“ Gewölbe im Erdgeschoss des Giseberthaus sei immer positiv gewesen. Jeder Künstler habe in Zusmarshausen auch etwas verkauft.

Allerdings war Kunst nie das einzige Angebot zusätzlich zum Bestand des Museums in Zusmarshausen. Als Bindeglied zwischen Historischem und Kunst nennt Jürgen Schmid die Ausstellung um August Hofer, einem Maler der „verschollenen Generation“, der selbst bis zu seinem Tod 1981, von der Landbevölkerung kaum wahrgenommen, in Zusmarshausen gelebt hat.

Wenn es um historische Sonderausstellungen geht, waren bekannte Persönlichkeiten aus Zusmarshausen eine Art roter Faden: Unter anderem gab es Ausstellungen zu dem Journalisten, Schriftsteller und ersten Intendanten des damals preußischen Staatstheaters in Berlin, Alfred Mühr, der sich nach dem zweiten Weltkrieg in den Wald bei Zusmarshausen zurückzog. Ein weiteres Beispiel ist die Ausstellung von Fotos aus der früheren deutschen Kolonie Togo, die der Arzt und Anthropologe Dr. Rudolf Saar hinterlassen hatte.

Die neuste historische Ausstellung über das Waldwerk Kuno hat auch Bürgermeister Bernhard Uhl beeindruckt. Sie soll einen festen Platz in den Räumen des Giseberthauses in Zusmarshausen bekommen. Seit die Post aus den Räumen ausgezogen ist, liegt es an der Gemeinde, die Räumlichkeiten neu zu verteilen. „Das Museum darf dabei nicht zu kurz kommen“, betont der Bürgermeister.

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