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Thierhaupten

20.06.2016

200 Retter proben den Ernstfall

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2 Bilder
Bei der Übung mussten sich die Feuerwehrler sehr anstrengen, um die Verunglückten aus dem umgekippten Bus zu bergen.
Bild: Foto: Claus Braun

Im Gewerbegebiet müssen 28 Verletzte aus einem umgestürzten Bus gerettet werden. Was dabei so schwierig war

Es war ein Test-Szenario, das alle Beteiligten am liebsten niemals tatsächlich erleben möchten. In Thierhaupten verunglückt ein 18 Meter langer Gelenkbus mit 28 Personen an Bord, kippt um und liegt mit den Türöffnungen am Boden.

Um dieses Szenario ging es bei einer gemeinsamen Katastrophenschutzübung von 79 Feuerwehrleuten und 110 Rettungsdienstkräften am Samstag auf dem Gelände einer Firma im Gewerbegebiet „Gemeindewald“. Im Unterschied zum Ernstfall war bei der Übung nicht größte Eile geboten, um die 28 schreienden, wimmerten oder bewusstlosen Komparsen, die mit Verletzungen „geschmückt“ worden waren, aus dem Bus zu bergen.

Die erste Aufgabe der Retter war es, sich Zugang zu den Fahrgästen im Businneren zu verschaffen. Dabei waren die Fensterscheiben tabu, um die Fahrgäste nicht mit Glassplittern und Glasscherben zu verletzen. Die Feuerwehrler brachen dagegen die Lüftungsluken am seitwärts liegenden Dach auf. Mit Spreizern und Schere wurden diese Eingänge vergrößert, damit die Einsatzkräfte dort einsteigen konnten. Zuvor war mit der Wärmebildkamera „gecheckt“ worden, wo die Buskonstruktion schwer überwindbare Stahlverstrebungen verborgen hielt.

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Das Busgelenk des „Ziehharmonika-Busses“ war vermeintlich die einfachste Zugangsstelle. Doch als Gabriel Roth, der Vorsitzende der Thierhauptener Wehr, die Faltplane mit einer Spezialschere öffnen wollte, wurde er von einem Mitglied der Notfalldarstellung zurückgepfiffen. Er müsse sich erst versichern, ob sich dort im Inneren nicht eine Person anlehne, lautete der Einwand. Diese könnte nämlich verletzt werden.

Eine weitere Herausforderung in der Bus-Mitte war der Bügel, der die beiden Bushälften verbindet. „Da könnte Spannung drauf sein“, warnte Kommandant Stefan Malechowsky seine Thierhauptener Kameraden, die gerne einen Sicher-heitsabstand einhielten.

Nach und nach gelangten dann auch die Rettungskräfte des Bayerischen Roten Kreuzes und Notärzte zu den Verletzten. Unter den Menschen an Bord waren sieben Schwerstverletzte, zehn Schwerver-letzte und auch drei Tote, die von der Feuerwehr Meitingen mit der Drehleiter geborgen wurden.

Die Erstversorgung fand in der Nähe der Unglücksstelle statt. Als hilfreich stellte sich dabei die vom BRK-Kreisverband Augsburg-Land entwickelte „Strukturierte Patientenablage“ heraus, bei der die Farben Grün, Gelb und Rot die Schwere der Verletzungen markieren. Notärzte und Rettungsdienstkräfte, insgesamt 110 Frauen und Männer, kümmerten sich um die Verletzten, legten Verbände und Infusionen an, schienten Knochenbrüche und sorgten für den Abtransport in Krankenwagen. Auch die Krisenintervention war vor Ort und führte beruhigende Gespräche.

Unweit des Geschehens befand sich die örtliche Einsatzleitung. Dort wurden beispielsweise die Verbindung mit dem Landratsamt Augsburg– teils mit Livebildern vom Unglücksort – gehalten.

Das in Thierhaupten dargestellte Szenario verlangte auch den Einsatz von neun Rettungshubschraubern, sieben Notärzten und gleich 240 Rettungsdienstkräfte.

Die fast dreistündige Übung endete mit einer kurzen Ansprache von Michael Happernagel vom BRK und Thierhauptens Feuerwehrkommandanten Stefan Malechowsky. Beide dankten den Beteiligten, hofften auf Lernerfolge und auf eine weitere fruchtbare Zusammenarbeit, da es besonders im Katastrophenfall auf ein erprobtes Miteinander ankommen kann.

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