1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. 220 Kinderstimmen sorgen für Gänsehaut in Gersthofen

Gersthofen

08.09.2019

220 Kinderstimmen sorgen für Gänsehaut in Gersthofen

Das Musical für die ganze Familie „Martha & Maria – Zwei ungleiche Schwestern“ mit einem stimmgewaltigen Chor.
Bild: Foto: Diana Zapf-Deniz

In der Stadthalle war am Wochenende mächtig was los: Buben und Mädchen führten das Musical „Martha & Maria“ auf. Wie ihnen das gelungen ist

Am Wochenende war in der Stadthalle Gersthofen ein ganz besonderes Musical zu sehen. Ein Musiktheater für die ganze Familie. Doch die Darsteller waren keine Berufsschauspieler, Sänger und Tänzer, sondern Kinder und Teenager vom Grundschulalter bis zum Jugendlichen. Manche aus schwierigen Verhältnissen und wieder andere mit Handicap. Alle waren unglaublich gespannt.

Vor Beginn des großen Auftritts ist im Foyer mächtig viel los. Die Eltern sind aufgeregt und die Kinder auch. Schnell noch auf die Toilette. Eine Mutter, die mit zum Stab der ehrenamtlichen rund 60 Helfer gehört, umsorgt die jungen Darsteller. Ein Mädchen kommt zu ihr und lässt sich ein wenig trösten. „Hey, mit dir ist alles in Ordnung, du hast nur Lampenfieber. Das gehört dazu bei einem Auftritt“, baut die Helferin das Mädchen auf. Die mitfühlenden Worte haben geholfen und im Nu saust die Kleine zur Gruppe. „Ich darf einen Arzt spielen und sogar ein Solo singen“, erzählt ein Junge ganz stolz. Der Gong erklingt und die Menschenmenge schiebt sich in den Saal. Alexander Lombardi von Wort des Lebens aus Starnberg huscht von einer Ecke zur anderen und schaut, dass alles funktioniert. Von ihm und Gregor Breier ist das Kids & Teens Musical „Martha & Maria – Zwei ungleiche Schwestern“. Nun wird es mucksmäuschenstill.

Es beginnt im Klassenzimmer

Die Geschichte beginnt in einem kleinen Klassenzimmer, rechts auf der Bühne. Die vier Schüler Paula, Tim sowie die beiden Schwestern Lilli und Anna unterhalten sich. Es betritt der etwas einem verrückten Professor gleichende Lehrer, ebenfalls von Lombardi unterhaltsam dargestellt, den Raum. Doch hinter ihm macht sich der „Personencharakteristikschreiber“, ein Computer, selbstständig und lässt die Show starten. Der Professor guckt verwirrt, es kracht und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Ein riesiger Chor von insgesamt 220 Kindern stand in historischen Gewändern da und sang atemberaubend schön. So können nur Kinderstimmen klingen. Klar und rein und mit einer Kraft und Freude, die das Publikum von der ersten Sekunde in den Bann zog.

Zudem waren die Klänge rockig und poppig und alles andere als brav, wie man es vielleicht bei einem biblischen Kindermusical erwartet hätte, es wurde sogar gerappt. Nach dem ersten Lied gab es tosenden Applaus wie man ihn sonst nur von einem Finale kennt. Unglaublich, dass die jungen Darsteller diese großartige Leistung zwei Stunden lang beibehielten.

Die Hauptrolle der Martha wurde fantastisch von Andrea Mann gesungen, Anna Hartl gab eine bezaubernde Maria, Samuel Hartl einen spitzbübischen aber auch verantwortungsvollen Bruder namens Lazarus, der gut auf seine beiden Schwestern aufpasste, und Stefan Saar einen glaubwürdig und schön dargestellten Jesus. Wie es so ist unter Schwestern, sind diese sich nicht immer einig, haben unterschiedliche Interessen und bekommen sich auch mal in die Haare. Mal wird der Glaube von Martha und mal der von Maria hart auf die Probe gestellt. Doch am Ende gewannen sie ihre Zuversicht und ihre Hoffnung zurück. Den vier Schülern im Klassenzimmer erging es parallel dazu nicht viel anders. Sie hatten ebenso mit Problemen zu kämpfen, es gab Streit und Eifersucht. Doch auch hier ein Happy End.

Die Größe als Herausforderung

Insgesamt ist das Musical ein Meisterwerk. Musikalisch mitreißend und das Bühnenbild eindrucksvoll und raffiniert zugleich. Denn einen derart großen Chor so unterzubringen, dass jeder sichtbar ist und zur Geltung kommt, ist schon eine Herausforderung. Zudem war die Show gespickt mit jeder Menge Humor. Zum Beispiel, als Lazarus krank war, sämtliche Ärzte herbeieilten und analysierten, was er denn haben könnte. Da war vom Fußpilz bis zur Schweinegrippe alles dabei, doch letztendlich war es natürlich der Männerschnupfen, der Lazarus ereilte.

Das Finale war grandios mit engagierten Kindern, denen es offensichtlich sehr viel Spaß macht, ein Teil dieses Projektes zu sein. Um Zugaben kamen sie selbstverständlich nicht herum.

Cornelia Reh, Initiatorin des Spektakels, springt dynamisch auf die Bühne. Sie freut sich riesig über die vielen Kinder und dass das Projekt „Kids in Action“ diesmal das zehnjährige Jubiläum feiert und, dass sie das Musical gleich an zwei Tagen in der jeweils ausverkauften Stadthalle Gersthofen aufführen.

Die Initiatorin dankte der Augusta Bank, der LEW sowie der Augsburger Allgemeinen für die Unterstützung. Die Mitwirkenden seien nach wie vor nur ein ökumenischer Arbeitskreis aus den unterschiedlichsten Richtungen, noch nicht einmal ein Verein. In nur viereinhalb Tagen haben sie in einer Ferienfreizeit das Musical einstudiert, viel gesungen, gespielt, getanzt und gelacht. Für das nächste Jahr kann man sich bereits anmelden. Das neue Musical wird „Ruth“ heißen.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren