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Landkreis Augsburg

07.09.2020

2454 Erstklässler starten im Augsburger Land trotz Corona ins Schulleben

Die Schulen im Augsburger Land haben sich auf den Schulstart in Corona-Zeiten vorbereitet.
Bild: Marcus Merk

Plus Trotz der Corona-Pandemie blickt das Schulamt im Kreis Augsburg optimistisch aufs neue Schuljahr. An den Grundschulen gibt es allerdings ein spezielles Problem.

Für 2454 Erstklässler im Landkreis Augsburg beginnt am Dienstag ein neuer Lebensabschnitt. Allerdings starten sie zu einer Zeit, die mit viel Unsicherheit verbunden ist. Aktuell gilt in Grundschulen keine Maskenpflicht, an Mittelschulen müssen Schüler und Lehrer für die ersten zwei Wochen Mund-Nasen-Schutz tragen. Alle Maßnahmen sind abhängig von den Fallzahlen in der Region. Unter Umständen können die Erstklässler ihren Schulstart auch erst zu Hause mit der ganzen Familie feiern. Wie viele Familienangehörige mit in die Schule dürfen, hängt von den Gegebenheiten vor Ort ab.

Im Augsburger Land gibt es mehr Lehrerstunden als im vergangenen Jahr

Trotz der vielen Unwägbarkeiten des neuen Schuljahres ist Schulamtsdirektor Thomas Adleff zuversichtlich. Denn abseits der Corona-Pandemie sind die Vorzeichen deutlich besser als vor einem Jahr. Zum Stichtag, dem ersten August 2019, fehlten Adleff 350 Lehrerstunden und er musste sich während der Sommerferien nach geeignetem Personal umschauen. Dieses Jahr stellt sich die Situation anders dar: Zusätzlich zu großzügig bemessenen 21.000 Lehrerstunden, die das Kultusministerium seinem Schulamt zur Deckung des Grundbedarfes zugewiesen hat, kommt eine mobile Reserve von 1800 Stunden – etwa 350 Stunden mehr als im vergangenen Jahr. Wichtig ist in diesem Zusammenhang: „Hinter all diesen Stunden steht ausgebildetes Personal.“

 

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Jörg Faßnacht, der Vorsitzende des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (BLLV) im Landkreis Augsburg, teilt die Begeisterung des Schulamtschefs nur bedingt, sagt aber: „Ich hatte es schlimmer erwartet.“ Den Pflichtunterricht könne man mit dem Personal gut abdecken, allerdings bleibe die Vielfalt auf der Strecke. Er spielt damit auf Wahlkurse an, die kaum stattfinden können. Außerdem hegt er leichte Zweifel daran, dass die mobile Reserve die Krankheitswellen auffangen könne.

Für die unteren Jahrgänge fehlen im Kreis Augsburg die Lehrer

Zusätzlich weist Faßnacht auf grundsätzliche Probleme hin: An Grund- und Mittelschulen herrsche nach wie vor Lehrermangel. Besonders speziell ausgebildete Förderlehrer würden fehlen. Der BLLV fordere schon seit Jahren eine dickere Personaldecke, eine stärkere Reserve und mehr Spielraum an den einzelnen Schulen. Das Problem: Nur wenige Abiturienten würden sich für das Lehramt an Grund- und Mittelschule entscheiden. Zwar seien die Einstellungschancen aktuell „traumhaft“, doch solange die Lehrer an Grund- und Mittelschule bei mehr Arbeitsstunden schlechter bezahlt werden als ihre Kollegen am Gymnasium, werde sich nichts ändern. Die Lehrerstunden, die dem Schulamt Augsburg Land zur Verfügung stehen, verteilen sich im kommenden Schuljahr auf 61 staatliche Grund- und Mittelschulen mit insgesamt 641 Klassen und über 13.300 Schüler.

Alles in allem sei die Gesamtzahl der Schüler in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, sagt Adleff. Auch die Zahl der Schüler mit Migrationshintergrund steigt vor allem aufgrund von Migrationsbewegungen innerhalb Europas im Landkreis stetig an. Insgesamt sind es nun 4106. Klassen mit mehr als 50 Prozent Migrationshintergrund, genannt Mig-Klassen, können geteilt werden. Das bedeutet mehr Lehrerstunden, die das Schulamt vergeben kann, und mehr Förderung für die einzelnen Kinder. Während es an Grund- und Mittelschule im Landkreis vor fünf Jahren noch maximal vier Mig-Klassen gab, sind es heuer 14.

An vielen Schulen gilt ab dem Schulstart am Dienstag erst einmal Maskenpflicht.
Bild: Michael Postl (Symbolbild)

Die Corona-Pandemie ist die große Unbekannte im kommenden Schuljahr. Adleff musste bereits einen Teil seines Budgets für die mobilen Reserve einsetzen, um ältere Lehrer zu vertreten, die aus gesundheitlichen Gründen nicht unterrichten können. Ansonsten habe man jetzt – im Gegensatz zum Ende des vergangenen Schuljahres – detaillierte Pläne und Leitfäden zum Umgang mit Covid-19. Mittlerweile gebe es mehr „Schattierungen“ im Vorgehen. Wie tief greifend die Maßnahmen sind, orientiert sich vor allem am regionalen Infektionsgeschehen. „Alles in allem versuchen wir, Schülern und Lehrern so weit wie möglich Alltag bei größtmöglicher Sicherheit zu bieten“, sagt Adleff.

Laut Faßnacht freuen sich viele Lehrer auf ein gewisses Maß an „Normalität“. Manche haben allerdings auch Bedenken. Ein Corona-Test für Lehrer war in der vorletzten Ferienwoche an den Schulen möglich, aber nicht verpflichtend. Ob Lehrer weiter regelmäßig getestet werden, ist laut Schulamtsleiter Adleff noch unklar.

BLLV kritisiert Widersprüche bei Hygiene

Jörg Faßnacht hat ein paar Kritikpunkte im Umgang mit dem Virus an der Schule. Einerseits seien die Hygienevorgaben des Kultusministeriums in vielen Bereichen widersprüchlich und schwer einzuhalten. Beim Kochen in der Mittelschule sei es beispielsweise kaum zu vermeiden, dass Schüler Arbeitsmaterialien gemeinsam benutzen. Andererseits kritisiert er ungenaue Vorgaben des Ministeriums. Man solle im Klassenzimmer zum Beispiel den Mindestabstand einhalten, „sofern nicht zwingende pädagogisch-didaktische Gründe vorliegen“.

 

Das werde sicherlich jeder Lehrer unterschiedlich interpretieren und umsetzen, erklärt Faßnacht. Zudem kann der Abstand im Klassenzimmer allein aus Platzgründen wohl in den seltensten Fällen eingehalten werden. Genauso wie im Schulbus. Faßnacht hofft nun, dass die Stimmung in der Gesellschaft nicht gänzlich kippe und Eltern und Schüler weiter verständnisvoll blieben und die Regeln akzeptierten und einhielten.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Schulanfang in Corona-Zeiten: Widersprüche gehören dazu

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