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Prozess in Günzburg

17.02.2015

28-jähriger Lehrer unter Kinderpornografie-Verdacht

Kinderpornografie-Verdacht: Noch schweigt der Angeklagte zu dem Vorwurf.
Bild: Peter Förster/dpa

Er war Lehrer - und verlor seinen Job, nachdem er wegen Verdachts auf den Besitz kinderpornografischer Inhalte angeklagt wurde. Nun hat der Prozess gegen ihn begonnen.

Es sind schwere Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft gegen einen 28 Jahre alten Mann erhebt. Er soll über einen Internet-Chat kinderpornografische Fotos und Videos erhalten haben. Besonders pikant: Der Mann war im Landkreis als Lehrer tätig. Den Job hat er aufgrund des Verdachts verloren, am Montag begann vor dem Günzburger Amtsgericht der Prozess.

Die Ermittler kamen durch ein Verfahren in Freiburg auf die Spur des Angeklagten. Der verdächtige Badener soll ihm einige der Porno-Bilder zugeschickt haben. Insgesamt 22 Fotos und sechs Filme mit eindeutigem Inhalt seien über das Chatprogramm ICQ auf dem Rechner des Mannes eingegangen, erklärte Gutachter Thomas Hösl. Abgebildet sind meist Mädchen, die jünger als 14 Jahre sind. Die Dateien trafen zwischen dem 19. Dezember 2012 und dem 31. Juli 2013 auf dem Rechner des Angeklagten ein. Neben dem strafbaren Bildmaterial wurden die Protokolle von Chat-Unterhaltungen sichergestellt, die der Mann auf drei verschiedenen Plattformen geführt hat. „Das müssten mehrere Hundert Seiten sein“, sagte Hösl.

Kurze Beweisaufnahme

Weiter kam Richterin Sandra Mayer jedoch nicht mit der Beweisaufnahme. Schon nach der Verlesung der Anklageschrift hatte der Verteidiger nachgefragt, ob er nun Einsicht in die Daten auf der beschlagnahmten Festplatte des Rechners seines Mandanten nehmen dürfe. Diese Daten wollte er von einem eigenen Gutachter untersuchen lassen, um mögliche Schadprogramme oder Spionage-Software auf dem Computer zu entdecken.

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Der Angeklagte selbst äußerte sich nicht zu den Vorwürfen, doch die Stoßrichtung der Verteidigung zeigt: Man möchte darstellen, dass der Computer mit Schadprogrammen infiziert worden und die Fotos durch einen unbekannten Dritten auf den Rechner gelangt sein könnten. Nach Auskunft des Gutachters ist dies prinzipiell möglich. Der PC war nicht durch ein Passwort gesichert. Eine genaue Überprüfung auf Schadprogramme, die dazu in der Lage wären, habe jedoch bislang nicht stattgefunden, sagte Hösl: „Beim Gutachten scrollen wir routinemäßig durch und haben auch ein paar Sachen gefunden – etwas findet man immer.“

„Sie stochern im Trüben und hoffen, dass Sie irgendetwas finden“

Was genau die auf dem Rechner entdeckten Trojaner bewirken, habe man jedoch nicht überprüft. „Das ist ziemlich aufwendig. Außerdem: Die gut gemachten Programme löschen sich nach kurzer Zeit selbst, hundertprozentig genau ist also kein Gutachten“, sagte Hösl. Ein zweiter Experte wird nun im Auftrag des Gerichts klären, ob sich ein Programm auf der Festplatte des Angeklagten findet, mit dessen Hilfe Dritte Zugriff auf das Gerät hätten bekommen können. Der Verteidiger lässt einen eigenen Gutachter die gleiche Prüfung vornehmen. „Sie stochern im Trüben und hoffen, dass Sie irgendetwas finden“, hielt der Staatsanwalt dem Anwalt vor.

Bis das neue Gutachten vorliegt, wird es etwa sechs bis acht Wochen dauern. In dieser Zeit darf auch die Verteidigung unter Aufsicht den Inhalt der Festplatte inspizieren. Ihre Erkenntnisse werden im Prozess allerdings nicht berücksichtigt, es zählt allein der Bericht des vom Gericht beauftragten Gutachters, darauf wies die Richterin hin. Darüber sei er sich im Klaren, erwiderte der Anwalt, ebenso wie über die Kosten von etwa 2000 Euro.

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