Newsticker

Rekord bei Corona-Zahlen: 14.714 Neuinfektionen in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. 3-D-Modell für die Deponie abgelehnt

Müllpolitik

17.04.2015

3-D-Modell für die Deponie abgelehnt

Die Deponie Hegnenbach ist geschlossen, sorgt aber weiter für Debatten.

Mehrheit im Werkausschuss spricht sich dagegen aus. Denn: Was ist der neue Erkenntnisgewinn?

Die Abfalldeponie in Hegnenbach in der Gemeinde Altenmünster existiert seit 25 Jahren. Und seit einem Vierteljahrhundert werden zahlreiche Daten erfasst, um einer möglichen Belastung der Umwelt, speziell des Grundwassers, auf die Spur zu kommen. Angesichts dieser Datenfülle hält es eine breite Mehrheit des Werkausschusses nicht für erforderlich, ein dreidimensionales Grundwassermodell in Auftrag zu geben. Dies bringe keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn, waren sich Landrat Martin Sailer sowie die Kreisräte von CSU, SPD und FDP mit den Experten einig.

Die Kosten in Höhe von wenigstens 300000 Euro würden bei diesem Nein keine Rolle spielen, versicherte CSU-Fraktionschef Lorenz Müller. Für ein 3-D-Modell stimmten Hannes Grönninger (Grüne), Altenmünsters Bürgermeister (und Mitglied der SPD-Fraktion) Bernhard Walter sowie die Kreisräte Fabian Mehring und Peter Kraus von den Freien Wählern, die den Antrag gestellt hatten.

Die Hegnenbach-Debatte wurde mit dem Jahresbericht über die hydrochemische Untersuchung eröffnet, dem inzwischen 25., wie Günther Prestele betonte. Der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebes fasste das Ergebnis in dem Satz zusammen: „Keine Beeinflussung durch die Deponie erkennbar.“ Anschließend übergab er den Bericht den Vertretern der örtlichen Bürgerinitiative.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Sehr genau mit der Deponie in der nordwestlichsten Ecke des Landkreises kennt sich Armin Hagemeister aus, Geologe beim Ingenieurbüro Kling Consult. Hagemeister ging ausführlich auf die Geologie unterhalb der Deponie ein, wo einst die Augsburger Ziegelwerke Ton abgebaut hatten. Dass Sickerwasser aus dem Müllberg nicht ins Grundwasser eindringe, sei unter anderem durch die Tatsache belegt, dass bei einem Messpunkt 1994 kein Tritium festgestellt worden sei. Tritium ist ab 1953 bei Atomwaffentests freigesetzt worden.

Angesichts der zahlreichen Daten, die in den 25 Jahren seit Deponieeröffnung gesammelt wurden, werde ein 3-D-Grundwassermodell keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn bringen, „das Wasser wird weiter nach Norden fließen“. Auf diesen Nenner brachte Prof. Christoph Treskatis seinen Vortrag. Er gilt als Experte für Hydrogeologie und Wassergewinnung, Grundwasserschutz und -bewirtschaftung. Auch die Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes sehen keine Notwendigkeit.

Man müsse alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Sicherheit zu schaffen, forderte dagegen FW-Sprecher Fabian Mehring. Mit dem 3-D-Modell könnten die Befürchtungen der Bürger entkräftet werden, sekundierte FW-Kreisrat Peter Kraus. Ähnlich argumentierte Hannes Grönninger von den Grünen: „Mehr Klarheit, mehr Sicherheit.“

Altenmünsters Bürgermeister Bernhard Walter zeigte sich zunächst erfreut, dass die Deponie nun geschlossen ist, zum Jahresende einen Deckel draufbekommt und deshalb die Gefahren minimiert werden. Das sei keine Selbstverständlichkeit gewesen. Dadurch wird sich das Sickerwasser von normalerweise 10000 Kubikmeter im Jahr auf 1500 bis 2000 reduzieren, berichtete Wolfgang Huber von der Ingenieur-Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Umwelttechnik. „Irgendwann trocknet die Deponie aus“, ergänzte Hagemeister.

Verunsichert ist Walter jedoch durch die hohen Werte von Chlorit, Sulfat und Magnesium, die allerdings nach Aussagen der Fachleute nicht von der Deponie stammen. Jürgen Schantin (FDP-Fraktion), langjähriges Mitglied im Werkausschuss, kritisierte den Antrag der Freien Wähler als populistisch, zumal es eine lückenlose Kontrolle seit Deponiebeginn gebe.

Mehring wies dies energisch zurück und lenkte den Blick auf den etwa 600 Meter von der Deponie entfernten Trinkwasserbrunnen Zusamzell, der allerdings Mitte der 1980er-Jahre stillgelegt wurde. Er sei jedoch im vergangenen Jahr beprobt worden, hieß es auf Nachfrage von Landrat Martin Sailer. Ergebnis: keine Auffälligkeiten.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren