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Fleinhausen

24.08.2020

77-jährige Rehkitz-Retterin aus Fleinhausen umsorgt verwaiste Tiere

„Es gibt Jäger mit Herz und es gibt wilde Schießer.“Monika Öppert aus Fleinhausen kümmert sich um Rehkitze ohne Eltern.
Bild: Marcus Merk

Plus Die 77-jährige Monika Öppert aus Fleinhausen kümmert sich um verwaiste Rehkitze. Sie warnt vor Wilderern und unachtsamen Hundebesitzern.

„Batzi wo bist du?“, ruft Monika Öppert in den kleinen Wald vor ihrem Haus. Und tatsächlich: Behutsam wagt sich das etwa vier Monate alte Rehkitz aus dem Dickicht. Langsam geht das Jungtier auf die 77-Jährige zu. Das Kitz ist nicht allein. Daneben steht das ebenfalls vier Monate alte schwarze Schaf Sissi. Die beiden ungleichen Freunde lassen sich von der Seniorin streicheln. Öppert hatte sie kurz nach ihrer Geburt zu sich genommen und aufgepäppelt. Die Eltern der Tiere hatten sie verstoßen oder sind gestorben. Ohne die Rehkitz-Retterin aus Fleinhausen hätten die Jungtiere keine Chance.

Seit Jahren schon kümmert sich die Frau aus Fleinhausen um verletzte und verwaiste Tiere. Sechs Kitze hat sie in ihrem alten Bauernhaus schon mit Ziegenmilch groß- gezogen. Sobald sie groß genug sind, lässt Öppert die Jungtiere gehen. Doch sie kommen immer wieder zurück. Treffpunkt ist eine Bank in dem kleinen Waldstück vor dem Haus. Frühmorgens und nachmittags kommen die eigentlich wilden Tiere meist zu ihrer Ziehmutter. Dass sie so zutraulich sind, ist zwar schön anzusehen, jedoch eine absolute Ausnahme.

Monika Öppert aus Fleinhausen kümmert sich um Rehkitze ohne Eltern.
Bild: Marcus Merk

Monika Öppert kümmert sich nur um kranke oder verwaiste Rehkitze

Öppert betont, dass sie nur Jungtiere zu sich nehme, die ansonsten keine Chance hätten. Es sind zum Beispiel Tiere, die keine Eltern mehr haben oder verstoßen werden. Ein Grund dafür seien zum Beispiel unangeleinte Hunde, meint Öppert. Schnuppern sie an einem jungen Rehkitz, dass allein im hohen Gras liegt, nimmt das Jungtier den Geruch des Hundes an. Das könne schließlich dazu führen, dass die Reheltern ihr junges verstoßen.

Ein großes Problem, meint auch Leopold Forche. Er ist Jäger und Hegegemeinschaftsleiter in der Reischenau. Er appelliert an Hundebesitzer, ihre Tiere besonders im Wald stets an der Leine zu halten. Doch nicht nur Hunde können für junge Rehe zur Gefahr werden. Laut Forche kommt es auch immer wieder zu unerlaubten Abschüssen. Wilderer töten Rehe, ohne darauf zu achten, ob diese geschossen werden dürfen oder nicht. Zuletzt beobachtete der 72-Jährige bei Grünenbaindt Wilderer, die aus dem Auto heraus auf Wild geschossen haben. „Es gibt Jäger mit Herz und es gibt wilde Schießer“, sagt Leopold Forche.

„Es gibt Jäger mit Herz und es gibt wilde Schießer“

Grundsätzlich sei die Jagd auf Wild aber ganz im Sinne der Natur. Forche: „Wild und Wald, das gehört zusammen.“ Weil aber zum Beispiel Rehe keine natürlichen Feinde haben, muss ihr Bestand auch in den Westlichen Wäldern reduziert werden. Allein in der Rei-schenau gibt es jedes Jahr etwa 300 Abschussgenehmigungen. Wer allerdings wild jagt, hält sich nicht an diese Regeln. Auf Nachfrage teilt die Polizei Zusmarshausen dazu mit, dass man Wilderer grundsätzlich im Auge habe. Aktuell gebe es allerdings keine Fälle in den Westlichen Wäldern. Polizeihauptkommissar Alfred Götz appelliert dennoch an Spaziergänger: „Wer etwas Verdächtiges beobachtet, sollte sofort den Notruf wählen.“

Wer ein alleine gelassenes Rehkitz findet, sollte es auf keinen Fall anfassen.
Bild: Marcus Merk

Für Tierliebhaberin Monika Öppert sind die Geschichten von Wilderen in ihrer Nachbarschaft ein Grauen. Mehrfach habe sie sich bei der Polizei beschwert, teils habe man sie nicht ernst genommen, sagt die 77-Jährige. „Für die war ich immer die doofe Tierschützerin“, sagt Öppert. Deshalb habe sie sich entschlossen, selbst einen Jagdschein zu machen. „Seit ich den habe, ist Ruhe“, sagt sie und lächelt. Ihre Liebe zur Natur und den Tieren prägt ihr ganzes Leben. In den 70er-Jahren kam sie gemeinsam mit ihrem Mann in den Dinkelscherber Ortsteil Fleinhausen. Dort betrieb sie bis zum Tod ihres Mannes eine Pferdeklinik. Auch heute hat sie noch einige Pferde, Wildschweine und ihr Schaf Sissi.

Wer ein verletztes Rehkitz findet, sollte Jäger oder Polizei rufen

Wichtig ist Monika Öppert, dass sie wilde Tiere nicht aus ihrem natürlichen Umfeld herausnimmt. Sie kümmert sich ausschließlich um Jungtiere, die ansonsten wohl nicht durchkommen. „Man sollte auch nicht einfach ein einsames Kitz auf den Arm nehmen“, sagt die Seniorin. Ähnlich wie bei Hunden nehmen die Jungtiere dann nämlich den Geruch des Menschen an. Wer ein einsames Kitz im hohen Gras sieht, sollte es dort zunächst liegen lassen. Reheltern lassen ihre Jungen oft kurzzeitig allein, kommen in der Regel aber wieder zurück. Erst wenn ein Kitz einen längeren Zeitraum allein oder verletzt ist, sollte man eingreifen. Jäger Leopold Forche empfiehlt in diesem Fall die Polizei zu rufen. Die verständige dann den zuständigen Jäger oder Förster.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Weshalb Spaziergänger Rehkitze auf keinen Fall anfassen sollten

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