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30.08.2007

84 Bulgaren in Notunterkunft versorgt

Das Rote Kreuz Augsburg musste 84 in Gersthofen "gestrandete" Bulgaren in einer Notunterkunft versorgen.

Von Markus Schwer

Adelsried/ Gersthofen. Es gab Rindergulasch mit Spätzle und Gurkensalat. Anschließend einen kleinen Verdauungsspaziergang rund ums Rotkreuz-Haus. Gesellschaftsspiele sorgten für ein bisschen Zeitvertreib. Für 84 offenbar mittellose Frauen und Männer aus Bulgarien endete die Reise nach Frankreich, wo sie in Saint-Dizier als Erntehelfer bei der Weinlese ihr Geld verdienen wollten, am Mittwochabend unvermittelt und unfreiwillig in Gersthofen.

Die Autobahnpolizei hatte ihren total überladenen Reisebusse auf der Autobahn gestoppt und wegen einer ganzen Reihe von Mängeln aus dem Verkehr gezogen. Heute Morgen sollen sie ihre Fahrt fortsetzen können, falls der Unternehmer neue Busse schickt. Ihm drohen wegen Verstößen Personenbeförderungsgesetze und Straßenverkehrsordnung Bußgelder in fünfstelliger Höhe.

Die Odyssee begann in Varna an der bulgarischen Schwarzmeerküste. Auf einem Busbahnhof lösten die Arbeitssuchenden für 125 Euro ein Ticket für die einfache Fahrt nach Frankreich, wo sie bei Weinbaubetrieben zur Lese anheuern wollten, Zwei Busse mit je 42 Fahrgästen machten sich auf die rund 2300 Kilometer lange Strecke in die Champagne ­ reine Fahrzeit mehr als 30 Stunden. In Wien streikte nach den Erkenntnissen der Gersthofer Autobahnpolizei bei einem Bus das Bremssystem. Kurzerhand stiegen alle Reisenden in das zweite Fahrzeug um. Die schlingernde Fahrweise fiel am späten Nachmittag einer Streife der Autobahnpolizei kurz vor Adelsried auf: Das erste Anhaltezeichen missachtete der Fahrer, worauf ihn die Beamten per Blaulicht zum Anhalten zwangen. Die Kontrolle gestaltete sich schwierig: Die Polizisten mussten erste mehrere Personen, die vorn im Fahrerbereich standen, aussteigen lassen. Sie stellten fest, dass im Mittelgang Menschen am Boden saßen, andere darüber mit gegrätschten Beinen standen.

84 Bulgaren in Notunterkunft versorgt

Die Beamten untersagten die Weiterfahrt, dirigierten den Bus zurück zur Polizeistation in Gersthofen. Am Abend wurde das Rote Kreuz eingeschaltet mit Bitte, für die 84 Bulgaren ­ ein Drittel Frauen ­ ein Nachtquartier bereitzustellen. Sie wurden zunächst ins Rotkreuz-Haus an der Schubertstraße gebracht und mit Getränken versorgt.

Organisations-Einsatzleiter Christian Linke ließ daraufhin von den Rotkreuz-Bereitschaften Bobingen, Königsbrunn, Langenneufnach und Meitingen Feldbetten bringen, zweiter Bürgermeister Karl-Heinz Wagner stellte die benachbarte Schulturnhalle zur Verfügung. Gegen Mitternacht war das Nachtquartier bezugsfertig. Die Menschen seien ¿geschafft¿ und verunsichert gewesen von den Strapazen der Fahrt, aber freundlich und diszipliniert. Schwierig gestaltete sich auch gestern die Verständigung: Die Bulgaren sprachen weder deutsch noch englisch oder französisch. ¿Über drei Ecken¿ fand sich eine junge Augsburgerin, die aus der bulgarischen Hauptstadt Sofia stammt. Teilweise half auch türkisch weiter ­ selbst Fotograf Alexander Kaya half beim Vermitteln.

Gestern mittag reichte die Rotkreuz-Bereitschaft Frühstück und kochte ein warmes Mittagessen. Und Linke stellte sich auf eine zweite ¿Turnhallen-Nacht¿. Für das Gersthofer BRK war es nicht der erste derartige Einsatz, aber der bislang größte. Im vorigen Jahr war ein Bus mit rund 40 kroatischen Erntehelfern auf der A\x0e8 in einen Unfall verwickelt worden.

Wann genau die Fahrt für die Bulgaren weiter geht, war gestern Abend noch nicht klar: Die Polizei wartete auf das Eintreffen des Busunternehmers mit zwei anderen Fahrzeugen. Sobald die Mindestruhezeiten der beteiligten Fahrer eingehalten sind und der Unternehmer eine Sicherheitsleistung hinterlegt hat, sollte die Fortsetzung der Reise gestattet werden. Denn: ¿Der andere Bus fährt definitiv keinen Meter mehr¿, sagte ein Polizeisprecher gegenüber unserer Zeitung, nachdem dieser bei der Dekra untersucht worden war. Ergebnis: Große Mängel an der Brems- und Federanlage. Außerdem seien die Sicherheitsgurte kaputt gewesen, Warnwesten, Verbandkasten, Nothämmer hätten komplett gefehlt.

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