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Landkreis Augsburg

08.10.2019

A8: Grüne machen Druck für Tempolimit

Wer bremst den Verkehr aus der A8 durch den Landkreis? Nachdem die vernunft der Autofahrer ausweislich der Unfallstatistik ausscheidet, werden verschiedene Formen eines Tempolimits diskutiert. 
Bild: Marcus Merk (Symbol)

Nachdem eine zeitweise Geschwindigkeitsbegrenzung mittels ferngesteuerter Schilder nur zäh vorankommt, fordern die Grünen jetzt eine Resolution des Kreistags. 

Das Ergebnis der Abstimmung vor fast genau einem Jahr war deutlich. Ziemlich genau die Hälfte von 1600 Teilnehmern eines nicht repräsentativen Votings unserer Zeitung forderte auf der Autobahn ein striktes Tempolimit. Für eine zeitweise Geschwindigkeitsbegrenzung, wie sie mithilfe von ferngesteuerten Anlagen an so genannten Schilderbrücken eingerichtet werden könnte, waren dagegen nur sieben Prozent. Nun könnten die beiden Standpunkte erneut aufeinander treffen. Denn die Grünen fordern vom Kreistag des Augsburger Landes eine Resolution, in dem sich dieser für ein Tempolimit einsetzt. Um genau zu sein: Der Kreistag soll beim zuständigen Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration dafür einsetzt, dass auf dem Streckenabschnitt München-Ulm (zumindest bis zur Bayerischen Landesgrenze) die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 130 Stundenkilometer begrenzt wird.

Telematik zwischen Neusäß und München?

Mitglied des höchsten politischen Gremiums im Landkreis ist auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Hansjörg Durz. Er kämpft seit vier Jahren für telematische Einrichtungen an der Autobahn, um den Verkehr zwischen München und Ulm mit vorübergehenden Tempolimits zu regeln. Gebaut wurde bislang keine einzige der von Durz geforderten Schilderbrücken. Auf dem Abschnitt zwischen Neusäß und München könnte es 2022 soweit sein. Aber nur, wenn das Genehmigungsverfahren für das 30-Millionen-Euro-Vorgaben reibungslos über die Bühne geht. . Durz ist angesichts dieses langsamen Fortschritts deutlich angesäuert: „Das versteht doch niemand mehr,“ sagte er erst vor wenigen Wochen gegenüber unserer Zeitung. Ob und wann zwischen Neusäß und Neu-Ulm Schilderbrücken kommen, ist überdies noch völlig offen.

Die Grünen im Kreistag sind des Wartens überdrüssig und wollen Druck machen. Silvia Daßler, Fraktionsvorsitzende: „Fachleute sind sich einig, dass durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung neben einer Verminderung der Anzahl und Schwere der Unfälle auch eine deutliche Lärmreduzierung und Senkung der Abgasemissionen erreicht werden kann. Sicherheit, Umwelt- und Klimaschutz können nicht warten bis eventuell eine sehr teure Streckenbeeinflussungsanlage eingerichtet wird. Die Bayerische Staatsregierung ist hier gefordert endlich schnell zu handeln.“ Spannend wird, wie sich der Rest des 70-köpfigen Kreistags (plus Landrat) zu der Forderung stellt. Denn in dem Gremium stellen die Grünen mit insgesamt sieben Sitzen nach CSU, SPD und Freien Wählern nur die viertstärkste Fraktion. Und ob die stärkste Fraktion, die CSU, ihren Bundestagsabgeordneten im Regen stehen lässt?

Zahl der Unfälle auf der A8 steigt

Nach der Unfallstatistik des Polizeipräsidiums Schwaben Nord stieg der Zahl der Verkehrsunfälle auf der A 8 im Bereich der Landkreise Augsburg und Aichach-Friedberg in den vergangenen sechs Jahren an. 2012 wurden 771 Unfälle gezählt, im vergangenen Jahr 984. Entsprechend mehr Verletzte gab es. Und: Die Zahl der Verletzten bei Unfällen bei hoher Geschwindigkeit hat sich mehr als verdoppelt. Nach der Statistik waren die Hauptursache die nicht angepasste Geschwindigkeit, ein zu geringer Sicherheitsabstand oder Fehler beim Überholen. Dieser Sachverhalt wurde auch im Sommer in einer Antwort der Staatsregierung auf einer Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Max Deisenhofer bestätigt. (mit mcz)

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09.10.2019

@Harald W:
Das sich die Durchfahrtsrate erhöht, mit einem Tempolimit wäre zwar möglich, aber ich glaube nicht daran, da, wie sie schon gesagt haben, sehr viele sowieso nicht schneller als 130 fahren. Außerdem wäre das Problem mit den LKW's ja auch noch vorhanden.
Dass die Kollonen der LKW'S an den Bergen insgesamt langsamer werden würden ist sehr wahrscheinlich, allerdings ist nur Schrittgeschwindigkeit schon etwas übertrieben.

Dass die Rechte Spur nur für LKW's ist, stimmt allerdings nicht. Leider glauben das sehr viele Autofahrer, und trauen sich garnicht auf die rechte Spur.

Ihr Argument, dass es nicht zeitgemäß ist, kein Tempolimit zu haben, stimmt nur zum Teil, denn mit Motorleistung sind auch die Bremssysteme und Reifen weiterentwickelt worden und auch bei den Sicherheitssystemen hat sich einiges getan.

Dass am Wochenende/Sonntag auf Autobahnen mehr los ist, als unter der Woche hatte ich noch nie.
Wo ich ihnen Recht gebe, dass sehr viele Autofahrer/innen einfach nicht fähig sind, die Geschwindigkeit halbwegs vernünftig einzuschätzen.

Ich denke, dass bei diesem Thema es nie eine Einigung geben wird.

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08.10.2019

Um eines Vorweg zu nehmen, ich bin gegen ein generelles Tempolimit. Es gibt mehrere Gründe, weswegen ich dagegen bin.

Ich muss aber zugeben , dass es gerade bei dichterem dichterem Verkehr wahrscheinlich angenehmer wäre, wenn es ein Tempolimit gibt, andererseits haben wir das ja schon viele und trotzdem wird von hinten gedrängelt, wenn man "nur" 10 km/h über Limit fährt. Und genau diese Typen sind, meiner Meinung auch die, die oft die Unfälle verursachen, weil sie ihre Höchstgeschwindigkeit nicht an die Verkehrsdichte anpassen.

Ein generelles Überholverbot für LKW und vorallem dessen Überwachung, wäre meiner Meinung nach zunächst eine Vernünftige Maßnahme.
Die temporären Geschwindigkeitsbegrenzungen finde ich sehr gut, da diese zu tragen kommen, wenn es notwendig ist. Als Überganslösung könnten diese auch Abhängig von der Uhrzeit zu den Stoßzeiten einführen.

Zum Thema Umweltschutz: Die Geringfügige Spritersparnis, wenn jemand im Durchschnitt auf Langstrecke 130, anstatt 180 fährt, würde zwar die Schadstoffe reduzieren, aber ein Verbot von Inlandsflügen, würden diese auch reduzieren und da trauen sich unsere Freunde von den Grünen natürlich nicht hin, da es ja ihre Wähler treffen würden. Außerdem, weniger Flugzeuge würde auch automatisch eine geringere Wahrscheinlichkeit bedeuten, dass ein Flugzeug abstürzen könnte.

Ich denke, warum trotzdem viele für ein Tempolimit sind, ist die Tatsache, dass es eines der wenigen Dinge ist, die nicht geregelt sind. Man darf selber entscheiden und muss sich darüber Gedanken machen. Es gibt keinen Wert, welcher in Ordnung ist und eine grenze die man Überschreiten müsste, damit es "gefährlich" wird. Es nimmt sicher vielen die Last von den Schultern, dass einem die zu fahrende Höchstgeschwindigkeit diktiert wird. Leider bleibt ein bekanntes Problem, das für viele Unfälle verantwortlich ist bestehen, nämlich unaufmerksame Menschen, die beim Spurwechsel bzw. beim Auffahren auf die Autobahn den Rückwirkenden Verkehr nicht beachten. Diese werden eher noch unaufmerksamer, da man "ja nicht so schnell fahren darf".

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09.10.2019

Ich stimme Ihnen insoweit zu, dass viel zu wenig gegen Drängler getan wird. Gleichmäßige Geschwindigkeiten führen zu einem besseren Verkehrsfluss und besserer Auslastung. Die höchste Kapazität / Durchfahrtsrate hat man übrigens bei knapp über 50 kmh.
Ich bin gegen ein LKW-Überholverbot, weil dies dazu führen würde, dass sich gerade in bergingen Gelände ein langsamfahrende LKW-Kolonne bilden würde. Diese würde teilweise fast in Schrittgeschwindigkeit (auch vor Auf- und Abfahrten) auf der Autobahn fahren.
Fahren Sie mal am Sonntag auf der Autobahn. Da läuft der Verkehr keinen Deut besser als am Wochentag, obwohl (fast) keine Lkws fahren. Am Samstag ist es auch nicht besser, trotz deutlich weniger Lkws. Im Gegenteil. Berufsverkehr ausgenommen.
Bevorzuge zwischenzeitlich Wochentage, da man da trotz Lkws schneller vorankommt. Sind halt weniger Pkws unterwegs, die hauptsächlich auf der linken Spur (und falls vorhanden Mittelspur) fahren. Die rechte Spur dürfen schließlich nur Lkws benuzen.

Inlandsflüge würde ich nicht verbieten. Aber es sollte eine Steuer drauf, statt diese zu subventionieren. Beispielsweise 150 € pauschal auf alle Flüge drauf. Wer eine lange Strecke fliegt (z.B. nach New York), da machen die 150 € prozentual nicht soviel aus. Wer aber von München nach Köln oder zum (Sauf)Tagestrip nach Mallorca fliegt hat eine deutliche prozentuale Steigerung drin. Wem es dennoch wert ist kann ja fliegen. Kostet halt mehr. Und leere Flugzeuge lassen die Airlines nicht fliegen, deshalb wird es da zu einer Reduzierung der Verbindungen kommen. Billige (subventionierte) Flüge sind schließlich kein Grundrecht.
Flugzeuge sind das sicherste Verkehrsmittel. Wann ist in D das letzte Verkehrs-/Frachflugzeug abgestürzt? Ich rede nicht von Sportfliegern oder Kampfjets.

Das Tempolimit wird nicht unbedingt sehr viel für den Umweltschutz bringen, da die meisten bereits nicht schneller wie 130 kmh fahren.

Ich bin für ein generelles Tempolimit, da dies nicht mehr zeitgemäß ist. Zu einem hat der Verkehr sehr stark zugenommen, zum anderen sind die Fahrzeuge viel, viel leistungsfähiger geworden.
Am Anfang der Autobahnen sind die normalen Autos maximal 120 kmh gefahren. Jetzt fahren die ersten Serienmodelle bereits 300 kmh. Die Geschwindigkeitsdifferenzen (fast 200 kmh an Steigungen) werden zu groß, insbesondere bei der stark zunehmenden Verkehrsdichte. Und ja, ich fahre (gern) öfters 150 kmh bis 190 kmh - je nach Verkehrsdichte, Witterungs- und Sichtverhältnisse. Und mit der richtigen Einschätzung zur möglichen Geschwindigkeit sind eben viele Autofahrer einfach überfordert und gefährden andere damit. Ein generelles Tempolimit würde diese Fahrer "entlasten".

Wer 200 kmh fährt muss mindestens 300 m (250 m Notanhalteweg + 56 m Reaktionsweg) seine Fahrbahn überblicken können. Und dies ist nachts - auch bei Fernlicht nicht - und auch tagsüber oft aufgrund der Streckenführung (Kurven, Kuppeln) nicht gegeben. Von der jeweiligen Verkehrsdichte , Straßenverhältnisse und Witterung ganz zu schweigen. Außerdem muss nicht jemand die linke Spur frei machen und sich hinter einen Lkw reinbremsen, damit einer mit 250 kmh auf der linken Spur ja nicht vom Gas gehen muss. Und vom Gas gehen reicht oft schon. Aber viele dieser Hochgeschwindigkeitsfahrer heizen bis zuletzt um dann voll runterzubremsen, fahren dann dicht auf ... anstatt vorrauschauend zu fahren.
Gibt aber natürlich auch die einfach Rauszieher. Beide Gattungen seh ich immer wieder, die 1. Gattung aber deutlich öfters. Gibt aber auch Fahrer die beides - insbesondere bei Auffahrten - in sich vereinen. Ich hätte kein Problem, wenn ich nur noch 130 kmh fahren dürfte. Der Zeitgewinn durch höhere Geschwindigkeiten ist oft nur minimal, Selbst auf der Autobahn, da durch Baustellen oder Verkehrsdichte die Geschwindigkeit jenseits von 120 kmh oft gar nicht gehen. Hab beispielswiese versucht 140 kmh mit Tempomat auf der A 7 zu fahren. Hab bei Würzburg entnervt aufgegeben. Fast jedesmal wenn ich gerade 140 kmh erreicht habe, mußte ich schon wieder abbremsen. Elefantenrally war nur einmal der Grund dafür.

Noch unaufmerksamer? Ich sehe jetzt schon massenweise Schlangenlinienfahrer, "kurzsichtige" Vollgasfahrer oder Schleicher auf der rechten Spur, die Lkws zum Überholen "zwingen" weil Handy, Geschäftsunterlagen und anderes wichtiger sind ...

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08.10.2019

Eine Geschwindigkeitsbegrenzung ist schon längst fällig. Fast täglich (wieder Gestern Artikel: "46-Jähriger überschlägt sich mehrfach mit Auto und wird schwer verletzt") werden Menschen verletzt oder sterben. Die Kosten für die Gesellschaft, Gemeinde ("Die Freiwillige Feuerwehr Günzburg war mit 25 Einsatzkräften vor Ort"), Familien, Umwelt übersteigt die Kosten für die Installation der Schilder.

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08.10.2019

Vollkommen richtig, dazu noch ein Überholverbot für LKWs, dann wäre das perfekt

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