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Landkreis Augsburg

06.04.2021

ADFC-Umfrage: In Königsbrunn macht Radfahren am meisten Spaß

Hier begutachten Experten den Radweg zwischen Rommelsried und Unternefsried und geben Tipps für Verbesserungen.
Foto: Marcus Merk (Archivbild)

Plus In keinem anderen Ort im Keis Augsburg macht Radfahren so viel Spaß wie in Königsbrunn. Das ist das Ergebnis einer Umfrage. Doch auch hier ist nicht alles gut.

Gut gereinigte, breite Fahrradwege, die auch im Winter gut genutzt werden können: Das sind, kurz gesagt, die wichtigsten Vorteile für den Radverkehr in Königsbrunn. Alle zwei Jahre führt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub, der ADFC, eine Umfrage unter Radfahrern durch, den sogenannten Klimatest. Dieser soll zeigen, wie gut oder schlecht der Radverkehr in Gemeinden und Städten funktioniert. 3000 Radlerinnen und Radler haben im vergangenen Herbst die Infrastruktur in Augsburg und seinem Umland bewertet. Und da liegt Königsbrunn bei den Städten zwischen 20.000 und 50.000 Einwohner weit vorne, nämlich auf dem vierten Platz von 49 Städten dieser Größe in Bayern. Doch auch hier ist nicht alles gut.

Denn im Vergleich zu den Vorjahren hat sich auch Königsbrunn leicht verschlechtert in der Bewertung der Radlerinnen und Radler. Lag die Zufriedenheit, in Schulnoten gemessen, dort schon einmal bei 2,9 im Jahr 2016, erreicht die Stadt jetzt nur noch 3,5. Schlecht bewerten die Radfahrer vor allem, dass in Einbahnstraßen nicht gegen die Verkehrsrichtung gefahren werden darf, und die schlechte Mitnahmemöglichkeit von Fahrrädern in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Das trifft übrigens auch auf alle anderen Orte im Landkreis zu, die in der Umfrage bewertet wurden. Das sind Bobingen, Stadtbergen, Diedorf und Neusäß. Stadtbergen ist dabei die einzige Kommune, die sich in den vergangenen Jahren verbessern konnte. Hier werden die Möglichkeiten des Radverkehrs jetzt mit 3,6 nach 4,0 vor vier Jahren bewertet.

Pop-up-Radweg als Lichtblick in Stadtbergen

Besonders für Aufmerksamkeit im Radverkehr hat im vergangenen Jahr in Stadtbergen der 500 Meter lange Pop-up-Fahrradweg entlang der Bismarckstraße gesorgt. Das wurde nicht nur im Ergebnis positiv wahrgenommen, sondern auch als Werbung für das Fahrradfahren an sich - was in der Umfrage als besonders positiv bewertet wurde.

Für Arne Schäffler, einen der Sprecher des Fahrradverbands ADFC in Augsburg, bietet das Ergebnis für die Region jedoch im Überblick wenig Lichtblicke: "Abgesehen von Stadtbergen hat keine der Mittelstädte in der Region sichtbar in den Radverkehr investiert. Da gibt es noch viel zu tun - aber wenig Unterstützung vom Freistaat und von den Landkreisen." Tatsächlich haben sich Bobingen, Diedorf und Neusäß jeweils leicht verschlechtert zu vorherigen Bewertungen.

Die einzige Fahrradstraße im Landkreis gibt es ebenfalls in Königsbrunn. Sie führt zum Gymnasium.
Foto: Alexander Kaya (Symbolbild)

Doch auch in diesen Gemeinden gibt es Positives zu berichten. So gefallen den Teilnehmern der Umfrage in Neusäß vor allem die gute Reinigung der Radwege und die Beschaffenheit der Oberfläche sowie die Reinigung im Winter. In Diedorf wird zudem genannt, dass die Gemeinde Radfahren sowohl für junge als auch ältere Radler möglich mache. Allerdings wird dort vor allem die fehlende Förderung des Radverkehrs in jüngster Zeit bemängelt. Und in Bobingen gefällt vor allem die passende Wegweisung.

Radwege sollen im Landkreis Augsburg von Anfang an mitgeplant werden

Arne Schäffler weist darauf hin, dass rund um Augsburg aktuell vor allem Radwege in der Peripherie ausgebaut würden, etwa an der A8-Anschlussstelle Adelsried. Tatsächlich hat der Landkreis Augsburg seit einigen Jahren den Radverkehr stärker im Blick. Oberstes Ziel: Der Radverkehr soll attraktiver werden und am Ende mehr Anteil an den unterschiedlich genutzten Verkehrsmitteln im Landkreis haben. Ziel ist, den Radverkehr von anteilig 18 auf 23 Prozent im Jahr 2027 zu erhöhen. Ein Mittel dabei ist, den Radverkehr gleich in der Planung, bei neuen Straßen oder Sanierungen, stärker zu berücksichtigen.

Ein neues Projekt des Landkreises ist, auch im Winter die Hauptverbindungsstrecken für Radfahrer eis- und schneefrei zu halten, wie auf dem Bild bei Neusäß.
Foto: Marcus Merk (Archivbild)

Auch die Radfahrer selbst werden in die Entwicklung einbezogen: Auf der Plattform Radar! können sie seit 2018 eingeben, wo Radwege in den Kommunen des Landkreises nicht in Ordnung sind oder Verbesserungen Erleichterungen für den Radverkehr bringen könnten. Seitdem seien dort 215 Meldungen abgegeben worden, berichtet die Sprecherin des Landratsamts, Annemarie Scirtuicchio. Die meisten Meldungen bezogen sich dabei ebenfalls auf Königsbrunn. Dinge wie Sichtbehinderungen durch wuchernde Pflanzen oder das Aufkehren von Scherben könnten dabei schnell bearbeitet werden. Für solche Anregungen sei immer die jeweilige Kommune zuständig.

Erstmals gibt es im Landkreis Augsburg auch einen Räumplan für Fahrradwege

Allgemein gibt es auf Radar! der Sprecherin zufolge viele Meldungen zum Thema Wegweisung. "Fehlende Wegweiser werden zeitnah ersetzt, größere Fragestellungen werden derzeit im Zuge einer Mängelanalyse der gesamten wegweisenden Beschilderung für den Radverkehr im Landkreis Augsburg mitberücksichtigt und im Anschluss bearbeitet", sagt sie. Wenn es aber etwa um die Radwegeführung oder gar einen fehlenden Radweg geht, dann müsse man freilich auch mit einer längeren Bearbeitungszeit rechnen.

Die Meldungen wurden jedoch in die Konzepterstellung des Alltagsradwegekonzepts für den Landkreis Augsburg eingebunden. "Diese Form der Bürgerbeteiligung konnte uns wertvolle Hinweise geben, wo es Probleme gibt und wo wir genauer hinschauen müssen", so Annemarie Scirtuicchio.

Mit einem anderen Mittel hat der Landkreis im gerade zu Ende gehenden Winter begonnen. Erstmals gibt es einen Räumplan auch für Fahrradwege entlang der Kreisstraßen. Auf den Hauptverbindungswegen soll so auch bei Schnee und Eis sichergestellt werden, dass Fahrradnutzer morgens und abends gut in die Arbeit oder die Schule und wieder zurückkommen.

Aufgrund der Bemühungen darf sich der Landkreis seit Anfang 2021 zu den 37 Kommunen zählen, die die Auszeichnung "Fahrradfreundliche Kommune in Bayern" tragen. Das, so weiß man auch im Landratsamt, könne aber allein ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Fahrradförderung sein.

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