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Landkreis Augsburg

12.02.2020

AVV: Landkreis will eigenen Experten für öffentlichen Nahverkehr

Der AVV braucht einen neuen Geschäftsführer. Derzeit wird laut darüber nachgedacht. 
Bild: Michael Hochgemuth (Symbolbild)

Der Landkreis Augsburg ist mit vielen Entwicklungen beim AVV unzufrieden. Bei einer möglichen Reform des Verkehrsverbunds geht es zunächst um Personalien.

Spätestens seit dem von der Landkreispolitik gegen den Willen der Partner erzwungenen Abschied des AVV-Geschäftsführers Olaf von Hoerschelmann spitzen die anderen Mitglieder im Verkehrsverbund die Ohren, wenn beim größten Nettozahler Gedankenspiele für die Zukunft laut werden. Und derzeit wird sehr viel laut nachgedacht, wenn es um die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs geht.

Weshalb sich der Landkreis Augsburg jetzt eine eigene Fachkraft für den öffentlichen Nahverkehr leisten will. Die Personalie ist nur eine Randerscheinung bei den Haushaltsberatungen gewesen, in denen es um Ausgaben und Einnahmen von mehr 300 Millionen Euro ging. Kommende Woche soll der Kreistag den Haushalt verabschieden, nach dem bisherigen Abstimmungsverhalten in den Ausschüssen ist eine überwältigende Mehrheit zu erwarten.

Damit auch für den eigenen Experten, der es dem Landkreis ermöglichen soll, bei den Planungen des Verkehrsverbunds besser die eigenen Interessen zu formulieren und durchzusetzen. Mehr als zehn Millionen Euro betrage der jährliche Landkreis-Zuschuss für den Verkehrsverbund schon, sagt CSU-Fraktionschef Lorenz Müller und ist offenbar unzufrieden mit dem Ergebnis: „Wir müssen schauen, dass das Geld zielgerichteter eingesetzt wird.“

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Königsbrunner FDP-Kreisrat kritisiert AVV

Schärfster Kritiker des Verkehrsverbunds ist seit Jahren der Königsbrunner FDP-Kreisrat Manfred Buhl. Er bemängelt, dass die Landkreise im AVV nicht auf Augenhöhe eingebunden seien und dass die Stadt Augsburg dort ihre Interessen durchsetzte. Dies zeige sich bei der Erschließung von Gewerbegebieten und Schülerverkehren. Weitere Punkte auf Buhls Mängelliste: Buslinien würden tagelang nicht bedient sowie das laufende Strafverfahren gegen Busunternehmer wegen des Verdachts von Preisabsprachen (wir berichteten). Der Königsbrunner Kreisrat ist deshalb der Ansicht, dass der Landkreis mit der Gründung eigener Verkehrsbetriebe besser fahren würde auf dem Weg zur politisch gewünschten Verkehrswende.

Debatten über Tempolimit auf der Autobahn und Ausbau der Bahnstrecken

So weit ist es noch lange nicht. Gleichzeitig aber Debatten über ein Tempolimit auf der Autobahn und den Ausbau der Bahnstrecken hat das Thema Mobilität im Landkreis in den vergangenen Monaten erheblich an Gewicht für die politischen Parteien gewonnen. Das zeigen nicht nur die Debatten über ein Tempolimit auf der Autobahn und den Ausbau der Bahnstrecken. Wurde die inzwischen von allen Parteien als verbesserungswürdig empfundene Tarifreform im AVV vor einigen Jahren noch sehr unter dem Kosten-Aspekt diskutiert, stehen nun Themen wie Klimaschutz und Verkehrswende im Vordergrund.

Landkreis lässt derzeit ein neues Verkehrskonzept erarbeiten

Der Landkreis lässt derzeit ein neues Verkehrskonzept erarbeiten, das auf den Ausbau des Radwegnetzes setzt. Gleichzeitig hat der vom Kreis beauftragte Experte durchblicken lassen, dass er die Preisgestaltung im Nahverkehr für unglücklich hält, weil sie zu sehr auf Dauerkundschaft mit Abos ziele und Gelegenheitsfahrer durch die Preisgestaltung abschrecke. Die Konkurrenz durchs Auto ist aber nahezu allgegenwärtig: In 94 Prozent der Haushalte im Kreis steht zumindest ein Pkw. Zwei Drittel der Landkreisbevölkerung fahren nach einer repräsentativen Umfrage nie mit den Öffentlichen.

Einig sind sich die Fraktionen deshalb, dass es noch viel zu tun gebe und es deshalb gut sei, wenn die Landkreisverwaltung dafür personell aufgestellt sei. Die Mitgliedschaft im Verkehrsverbund AVV will man nicht infrage stellen, sondern ihn reformieren, ein anderes Miteinander sei dort möglich.

Zuallererst brauche der Verkehrsverbund einen starken Geschäftsführer, sagt Landrat Martin Sailer. Als Aufsichtsratsvorsitzender des Verkehrsverbundes sollte der CSU-Politiker in diesem Punkt durchaus Mitwirkungsmöglichkeiten haben.

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