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Experiment

08.07.2014

Abendglocken läuten Morgenstimmung ein

Das Preludio Sinfonico in A-Dur von Giacomo Puccini ist das Lieblingsstück von Dirigent Tristan Uth.
Bild: Daniela Ziegler

Symphonieorchester Stadtbergen hebt unter freiem Himmel Unterschied zwischen Podium und Publikum auf

Auf den Platz vor dem Bürgersaal in Stadtbergen brennt eine glühende Sonne. Gäste schützen sich in den Sitzreihen mit Schirmen oder den ausgeteilten Programmheften vor dem Blendlicht. Notenblätter flattern im heißen Wind. Anne-Sophie Liehr und Pia Stender sind ein wenig nervös. Für die beiden Harfenistinnen des Ensembles „Age of Harp“ ist es der erste Auftritt mit einem klassischen Orchester.

In der Ferne tönen die Abendglocken der Kirche Maria, Hilfe der Christen und läuten damit die ätherische „Morgenstimmung“ ein, jenen berühmten ersten Satz der Peer-Gynt-Suite Nr. 1 von Edvard Grieg, mit dem das Symphonieorchester Stadtbergen ihr diesjähriges Sommernachtskonzert ganz sanft beginnt. Was folgt, ist eine musikalische Reise durch Europa von Nord nach Süd, die ihren Höhepunkt in Giacomo Puccini findet. Über dem Wohlklang wacht Dirigent Tristan Uth, der, beseelt von der Musik, so agiert, als würde er durch seine Bewegungen das Orchester anschieben wollen. Ganz nebenbei hält er gelegentlich ein paar Notenblätter der Musiker fest, die der Wind wegzuwehen droht.

Kunstvoll verhelfen die Musiker den schwebenden Geigenmelodien von Antonín Dvorák (Notturno H-Dur) zu ihrer beinahe Wagner’schen Opulenz. Kurz darauf reduziert sich das Orchester auf 13 Bläser, welche die Strukturen und dynamischen Höhepunkte der Serenade in Es Dur op. 7 von Richard Strauss klar herausspielen. Die Konzertbesucher amüsieren sich „wie der König“, der nach der Pause seinen Auftritt hat in Form der sechs Stücke, die der französische Komponist Léo Delibes für das Theaterstück „Le roi s’amuse“ von Victor Hugo geschrieben hatte.

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Den wohl höchsten Schwierigkeitsgrad an diesem Abend bietet in den Augen von Orchesterleiter Alois Wunder das Preludio Sinfonico in A-Dur von Giacomo Puccini, dem Lieblingsstück von Dirigent Tristan Uth. „Es erhält nicht im Mainstream seine Lebendigkeit und wird leider viel zu selten gespielt“, lässt Uth in seiner Anmoderation wissen. Und nun geschieht etwas, womit bei klassischen Konzerten kaum zu rechnen ist. Der Dirigent hebt quasi per Dekret den Unterschied zwischen Podium und Publikum auf und lädt die Zuhörer stattdessen dazu ein, aktiv am Erlebnis Musik teilzunehmen, sich ganz darauf einzulassen, so zu tun als würden sie mitmusizieren.

Das Experiment gelingt: Unter dem goldenen Nachglühen der soeben untergegangenen Sonne lauschen die Besucher den vielschichtigen, von Tempiwechseln geprägten Klängen und als die letzte Note verklungen ist, dauert es eine Weile, bis frenetischer Applaus ausbricht. Greta Gutmann-Limbrunner aus Stadtbergen ist sichtlich gerührt von dieser Darbietung. „Das ist heute auch mein Lieblingsstück geworden. In der Art der Präsentation und der Aufführung hat man spüren können, dass es wirklich die Lieblingsmusik des Dirigenten ist“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Und ihr Lebensgefährte Jörg Besener fügt hinzu: „Die Musiker waren hervorragend. Herr Uth hat das Konzert wunderbar gefühlsbetont dirigiert. Ich konnte mich hineinfühlen.“ Über den Erfolg dürfen sich auch die Schülerinnen des P-Seminars „Musik“ des Stetten-Instituts in Augsburg freuen. Sie hatten bei der Durchführung des Konzerts mitgeholfen in Form von Öffentlichkeitsarbeit, Moderation und Orchesterspiel. (zida)

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