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Trauerfeier

30.04.2014

Abschied mit dem Bayerischen Defiliermarsch

In der Gersthofer Pfarrkirche St. Jakobus war der Sarg von Alois Binswanger aufgestellt. Den Trauergottesdienst zelebrierten Stadtpfarrer Ralf Gössl und Schaustellerseelsorger Dr. Paul Schäfersküpper vom Predigerorden der Dominikaner. Hunderte Trauergäste gaben dem Verstorbenen die letzte Ehre.
Bild: Marcus Merk

Hunderte von Menschen erweisen Alois Binswanger die letzte Ehre

Es war der besondere Wunsch des Verstorbenen, dass an seiner Beerdigung der Bayerische Defiliermarsch gespielt wird. Und als die Stadtkapelle Gersthofen und die Trachtenkapelle Hirblingen diese schmissige Weise am offenen Grab intonierte, da trat dieses Bild noch einmal deutlich vor Augen, das man künftig auf dem Plärrer oder auf den Volksfesten in Gersthofen, Neusäß und Göggingen vermissen wird: Einen huldvoll winkenden Festwirt Alois Binswanger, der in seinem Bierzelt von Tisch zu Tisch geht und freundlich lächelnd seine Gäste begrüßte. Dieses Bild malte auch Stadtpfarrer Ralf Gössl in seinen Abschiedsworten.

Die bayerische Tracht mit dem reich bestückten Charivari oder der weiße Arbeitsmantel – das waren die Markenzeichen des Festwirts, Metzgermeisters, Stadtrats oder Aufsichtsrates, der am vergangenen Freitag verstorben ist. Hunderte von Repräsentanten des öffentlichen, gesellschaftlichen und politischen Lebens nahmen gestern Abschied von einem Gersthofer Urgestein, der eigentlich gar kein Gersthofer war, sondern erst 1964 aus Wertingen in die Lechstadt gekommen war.

Aufgrund der erwarteten Anteilnahme wurde der mit roten Rosen bedeckte Sarg in der Pfarrkirche St. Jakobus aufgebahrt. Vor dem Gotteshaus wartete ein Vierspänner der Brauerei, mit dem Binswanger so oft Freibier ausschenkend durch Gersthofen gefahren war, und mit dem er, der am 4. Oktober 80 Jahre alt geworden wäre, auch so gerne noch die Fahrt zum Augsburger Plärrer angetreten hätte. „Nun hat er sein irdisches Zelt abgebrochen, weil er von Gott ins ewige Haus eingeladen wurde“, so Pfarrer Gössl.

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„Alois Binswanger war nicht nur am Biertisch für die Menschen da“, stellte Bürgermeister Jürgen Schantin bei seiner letzten und wohl schwersten Amtshandlung fest. „Er war ein Macher! Sowohl als Stadtrat als auch beim TSV Gersthofen. Einer, der mit seiner Meinung nie hinter dem Berg gehalten hat. Einer, der aber auch Menschlichkeit, Lebenslust und Humor versprüht hat“, sagte Schantin, einige Jahre auch Schwiegersohn des Verstorbenen, unter Tränen. „Das aktuelle Wahlergebnis machte ihm zu schaffen“, erinnerte CSU-Fraktionsvorsitzender Erwin Fath an eine Aussage Binswangers: „Ich war CSUler, ich bin CSUler und ich werde immer CSUler bleiben.“

Oft wurde Alois Binswanger angesichts seiner Ziele auch belächelt. Besonders was den Fußball angeht. Den TSV Gersthofen wollte er als Aushängeschild möglichst weit oben etablieren. „Zu Leidenschaft gehört auch Leidensfähigkeit. Er hat immer das Unmögliche versucht, um dann das Möglichste zu erreichen“, sagte TSV-Ehrenpräsident Karl-Heinz Wagner über seinen langjährigen Weggefährten. Die Eröffnung der Sportarena, deren Bau Binswanger immer vorangetrieben hat, im Jahr 2005 sei für ihn der Gipfel der Gefühle gewesen. Wenig später erfolgte dann der Aufstieg in die Landesliga, der zwei Jahre später in der Bayernliga gipfelte.

Den Dank der zahlreichen Vereine, die mit ihren Fahnenabordnungen gekommen waren, sprach Bernhard Happacher, Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Gersthofen aus: „Was wären die großen Feste in Gersthofen ohne den ,Binsi‘? Er war zu jeder Tages- und Nachtzeit für die Vereine da. Wir werden sein großes Herz und seinen Handschlag, der immer galt, vermissen.“ Auch bei der Fleischerinnung und beim schwäbischen Schaustellerverband hinterlässt Binswanger eine Lücke.

Das anschließende Trauermahl fand – wie konnte es anders sein? – im Bierzelt auf dem Augsburger Plärrer statt. Und da könnten die vielen Anwesenden dieses Bild vor Augen gehabt haben: Ein Alois Binswanger, der von Tisch zu Tisch geht und sich von seinen Gästen verabschiedet. Und dazu wird der Bayerische Defiliermarsch gespielt.

Bis zum 9. Mai liegt im Gersthofer Rathaus noch ein Kondolenzbuch für Alois Binswanger aus.

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