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Meitingen

25.09.2014

Ärger in Meitingens Premium-Wohngebiet

Das Baugebiet „Südlich Pouzauges Ring“ am südlichen Ortseingang von Meitingen gilt als Premium-Wohngebiet. In letzter Zeit entstanden hier Häuser in gehobenem Standard. Auch in den Gebäuden ganz am Rand (rechts im Bild), wo nun 60 Asylbewerber untergebracht werden sollen, ist der Standard gehoben.

Geplante Asylunterkunft im Wohngebiet am Pouzauges-Ring in Meitingen sorgt für Wut und Enttäuschung bei den Eigentümern der gehobenen Immobilien

Verunsicherung, Wut und Enttäuschung über eine Entscheidung, die ihr Leben unmittelbar betrifft, bei der sie aber nichts mitzureden hatten, waren bei den rund 70 Bürgern vorherrschend, die sich am Dienstagabend im großen Saal des Rathauses mit Bürgermeister Michael Higl trafen. Das Bürgergespräch zum Thema Asylunterkunft im Premium-Wohngebiet am Pouzauges Ring war kurzfristig von der Gemeinde anberaumt worden, nachdem vergangene Woche bekannt geworden war, dass die Regierung von Schwaben dort bis zu 60 Asylbewerber unterbringen will.

Die Menschen sollen schon in wenigen Wochen in die acht Wohnungen zweier neu gebauter Mehrfamilienhäuser in einem der feinsten und teuersten Wohngebiete des Marktes Meitingen einziehen. Aussichten, die den Anwohnern gar nicht gefallen und für die sie bei der Aussprache im Rathaus klare Worte fanden. Unsensibel und gewinnorientiert waren noch die freundlichsten Eigenschaften, die dem Eigentümer der Immobilie zugeschrieben wurden. Dieser habe angeboten sich beim ersten offiziellen Informationsabend den Fragen der Anwohner zu stellen, so Higl. In zwei bis drei Wochen, wenn nähere Details zur Ankunft und Herkunft der Asylbewerber vorlägen, werde dazu geladen, versprach der Bürgermeister.

Auch er selbst habe erst am letzten Mittwoch vom Abschluss des Mietvertrages erfahren, versicherte Higl, was einige Bürger bezweifelten. Er habe auch keinerlei Informationen zur Vertragsgestaltung, konnte er Fragen nach den finanziellen Anreizen für den Besitzer des Hauses nicht beantworten. Zu verhindern sei die Nutzung des Gebäudes als Unterkunft für Asylbewerber seitens der Gemeinde nicht. Ein Wohngebiet sei zum Wohnen gedacht, und genau das würden die Flüchtlinge tun. Man könne nur versuchen so gut wie möglich mit der Situation umzugehen.

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Asylheim wohl eine längerfristige Einrichtung

Es sei davon auszugehen, dass der Mietvertrag für die beiden Häuser auf fünf Jahre geschlossen sei und auch danach weiterhin Bedarf an Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge bestehe. Somit rechne er damit, dass das Wohnheim eine längerfristige Einrichtung sei.

Ein Hausbesitzer sprach daraufhin den finanziellen Verlust an, den die Eigentümer zu verkraften hätten: „Wir haben vor zwei Jahren mit der Aussicht auf eine gepflegte Nachbarschaft durchschnittlich eine halbe Million Euro in Grunderwerb und den Bau unserer Immobilien gesteckt; über Nacht hat diese Investition 30 bis 40 Prozent an Wert verloren.“ Eine andere Anwohnerin hat Angst um die Sicherheit ihrer Familie: „Muss ich mir jetzt ein Gartentor anschaffen, damit meine Kinder weiterhin sicher spielen können“, fragte sie.

Laut Bürgermeister ist noch nicht klar, ob Familien oder alleinstehende Flüchtlinge in Meitingen einquartiert werden. „Es sind noch sehr viele Fragen offen, die wir wohl erst kurz vor dem Eintreffen der Flüchtlinge beantwortet bekommen“, bedauerte er die aktuelle Lage.

Ob Kindergarten, Hort- oder Schulplätze benötigt werden, sei nicht absehbar, ebenso wenig wie das Unterstützungsnetz, das wohl aufgebaut werden müsse. Ein Heimleiter, ein Hausmeister und ein Sozialarbeiter in Teilzeit seien als personelle Besetzung der Einrichtung von der Regierung von Schwaben zugesagt worden. Welche weiteren Betreuungspersonen der Markt Meitingen stellen müsse, sei noch offen. Allein mit ehrenamtlichem Einsatz, wie es sich bei der Betreuung der elf in Erlingen untergebrachten Asylbewerber bewährt habe, sei die Sache bei bis zu sechzig Personen nicht denkbar.

Der bürokratische Aufwand zeichne sich als beträchtlich ab, wobei die Unterstützung derjenigen Personen die nach dem Abschluss des Verfahrens ein Bleiberecht erhielten, noch gar nicht berücksichtigt sei, wies die zweite Bürgermeisterin Claudia Riemensperger auf künftige Problemstellungen hin.

Noch mehr Flüchtlingsunterkünfte?

Die Anwohner haben auch Befürchtungen, dass noch mehr Flüchtlingsunterkünfte in unmittelbarer Nachbarschaft geschaffen werden könnten. Denn direkt angrenzend an das aktuelle Baugebiet ist die weitere Erschließung geplant. Keine weiteren Mehrfamilienhäuser mehr zu genehmigen, war daher die Forderung der Anwohner an den Marktgemeinderat. „Wir nehmen diese Bedenken ernst und werden sie bei den weiteren Beratungen berücksichtigen“, so Higl.

Er sicherte den besorgten Bürgern zu: „Wir werden Sie nicht allein lassen mit eventuellen Problemen.“ Es habe sich in anderen Gemeinden gezeigt, dass anhaltende Konflikte unter den Flüchtlingen durch Verlegung der betroffenen Personen in andere Einrichtungen schnell gelöst würden. Diese seien aber selten und meist klappe das Zusammenleben gut.

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