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Landkreis Augsburg

24.11.2014

Ärzte auf dem Land: Praxen droht die Schließung

Ein neuer Gesetzentwurf soll helfen, die ungleiche Verteilung von Arztpraxen in Deutschland schneller abzubauen. Doch wenn man die geplanten Regelungen genau durchleuchtet, zeigt sich, dass der Augsburger Raum damit sehr schlecht dastehen würde. Unser Bild entstand in der Praxis Dr. Berger in Herbertshofen.

Ein Gesetzentwurf aus dem Gesundheitsministerium schürt Sorge der Unterversorgung mit Ärzten auf dem Land.

Die Lektüre unserer Zeitung am vergangenen Dienstag war für Bernhard Walter alles andere als angenehm. Denn seitdem schwant Altenmünsters Bürgermeister, mit welchem Thema er bei den anstehenden Bürgerversammlungen konfrontiert wird: dem Ärztemangel. Grund sind die neuen Entwicklungen in der Gesundheitspolitik und ihre Auswirkungen auf den Landkreis Augsburg. Walter: „Das ist eine Kampfansage an die Gemeinden auf dem Land. Das heißt nichts anderes als wir machen euch fertig.“

Dabei soll der Gesetzentwurf aus dem Gesundheitsministerium, den Walter mit so harten Worten geißelt, Orten wie Altenmünster, wo es nur einen Allgemeinarzt für über 3700 Einwohner gibt, eigentlich helfen. Ziel des Gesetzes, das das Bundeskabinett noch vor Weihnachten auf den Weg bringen will, ist es, die ungleiche Verteilung von Arztpraxen in der Republik schneller abzubauen.

Dazu sollen die Kassenärztlichen Vereinigungen per Gesetz verpflichtet werden, in Gebieten, in denen es rein rechnerisch eine Überversorgung mit Ärzten gibt, frei werdende Arztsitze aufzukaufen und zu schließen. Ausnahmen soll es nur geben, falls die Kinder oder ein langjährige Angestellter die Praxis übernehmen. Nach den bislang geltenden Regeln bleiben Praxen auch in so genannten überversorgten Gebieten bestehen, wenn sich ein Nachfolger fand, nur Neuansiedlungen sind dort grundsätzlich ausgeschlossen.

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Verschärfung wäre fatal

Für weite Teile des Landkreises Augsburg wäre diese Verschärfung fatal. Sie bedeutet nämlich, dass auch in Orten wie Altenmünster, die jetzt schon als unterversorgt gelten, die letzten Praxen aufgekauft und geschlossen werden könnten. Das zeigt sich vor allem am Beispiel der Hausärzte. Als Idealzustand gilt dem Gesetzgeber, wenn ein Hausarzt auf gut 1600 Einwohner kommt – für Fachärzte wie Orthopäden oder Kinderärzte gelten andere Zahlenschlüssel. Weil nun weite Teile des Augsburger Landes mit der Stadt Augsburg und Städten wie Gersthofen, Neusäß und Stadtbergen in einer so genannten Bedarfsplanung zusammengefasst wurden, kommt rein rechnerisch für diesen „Mittelbereich“ mit über einer halben Million Einwohner eine Überversorgung heraus.

Diese Berechnungsgrundlage gilt seit gut einem Jahr und wurde von Anfang an als zu ungenau kritisiert. Der Meitinger Arzt Jakob Berger, Sprecher der schwäbischen Hausärzte, sagt: „Das passt in einem Flächenland wie Bayern überhaupt nicht.“ Das gesamte Verfahren der neuen Bedarfsplanung sei nur ein „Taschenspielertrick der Politik“ um den Mangel an Ärzten zu kaschieren. Im Augsburger Land wurde schnell der Ruf laut, die so genannten Mittelbereiche, für die jeweils der Grad der ärztlichen Versorgung berechnet wird, neu zuzuschneiden und die Landkreis-Kommunen von der Stadt Augsburg zu trennen. Daran erinnert auch der Bobinger SPD-Stadtrat Edmund Mannes.

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