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Landkreis Augsburg

25.05.2015

Ärztin arbeitet vom Wohnzimmer aus

Eigentlich ist die Altersvorsorge für Bayerische Ärzte klar geregelt: Die Mediziner müssen sich bei der Versorgungskammer melden, zahlen einen monatlichen Beitrag – und bekommen am Ende ihres Arbeitslebens eine Rente ausgezahlt. Für eine Medizinerin aus dem westlichen Landkreis Augsburg hatte dieses Prinzip aber schwerwiegende Folgen.
Bild: Marcus Merk

Wie ein teures Versehen dazu führte, dass eine Medizinerin nun ihre eigene Putzfrau und Sekretärin ist.

Eigentlich ist die Altersvorsorge für Bayerische Ärzte klar geregelt: Die Mediziner müssen sich bei der Versorgungskammer melden, zahlen einen monatlichen Beitrag – und bekommen am Ende ihres Arbeitslebens eine Rente ausgezahlt. Für eine Medizinerin aus dem westlichen Landkreis Augsburg hatte dieses Prinzip aber schwerwiegende Folgen. Diese hätten ihre Existenz „absolut ins Kippen“ gebracht, wie sie sagte.

Denn die Frau, die Mitte der 90er Jahre aus den damals neuen Bundesländern nach Bayern kam, hatte laut eigener Aussage nicht gewusst, dass sie sich bei der Bayerischen Versorgungskammer anmelden musste. Stattdessen legte sie sich eine private Altersvorsorge zu und zahlte all die Jahre keinen Cent für die Pflichtversicherung. Das Kuriose dabei: All die Jahre hatte die Kammer dieses Versehen nicht bemerkt – und das, obwohl die Frau als Medizinerin gemeldet ist.

Erst nach der Scheidung von ihrem Mann wurden ihre Verhältnisse überprüft – mit dem Ergebnis, dass die Ärztekammer die nicht bezahlten Beiträge ab dem Jahr 2007 nun zurückforderte. Und die waren kein Pappenstiel: Knapp 150.000 Euro sollte sie zurückzahlen. Geld, das sie ihren Angaben nach nicht hatte: „Mein Mann hat mich mit zwei Kindern und Schulden sitzen lassen.“ Eine Zeit lang habe sie noch versucht, mit reduzierten Kosten ihre Praxis aufrecht zu erhalten und die Schulden zu zahlen – vergebens, im Dezember schloss die Praxis. Seit Anfang des Jahres betreut sie ihre Patienten nun von der umgebauten Privatwohnung aus: „Ich bin meine eigene Putzfrau und Sekretärin.“ Gegen die Forderungen der Ärztekammer klagte sie vor dem Verwaltungsgericht – und erzielte nun zumindest einen Teilerfolg. Denn zumindest auf die Zinsen auf den noch ausstehenden Betrag in Höhe von 60000 Euro wird die Kammer wohl nach verzichten.

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