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Gersthofen

28.08.2019

Alltag bei der Autobahn-Polizei: "Wir sind nicht Cobra 11"

Ein gefährlicher, aber auch spannender Beruf: Die Kollegen von der Autobahnpolizei Gersthofen sorgen auf der A8 für Sicherheit: (von links) Max Hölzl undThomas Krumpholz.
Bild: Michael Eichhammer

Plus Mit Actionhelden aus Fernsehserien werden die Beamten der Autobahnpolizei ungern verglichen. Aufregend ist ihr Alltag dennoch.

Rein ins Büro und gleich nach fünf Minuten wieder raus – was bei anderen Jobs reichlich merkwürdig wäre, gehört bei der Autobahnpolizei zum Alltag. Kevin Dörner hatte am Dienstag bei seinem Schichtbeginn um kurz nach 12 Uhr kaum den Rechner hochgefahren, als eine Meldung der Einsatzzentrale einging, die sofortiges Handeln erforderte.

Von der Autobahnpolizeistation Gersthofen führt eine direkte Verbindung auf die Autobahn. Die Aus- und Einfahrt darf von Polizei und Notarzt, Krankenwagen sowie der direkt neben der Station liegenden Straßenmeisterei genutzt werden. Denn in solchen Situationen muss es schnell gehen. Größere Teile auf der Fahrbahn oder stehen gebliebene Pannenfahrzeuge stellen eine Gefahr dar. Sie können außerdem den Verkehrsfluss lähmen. Das hat Auswirkungen auf das Straßennetz in der gesamten Region.

Die Autobahnpolizei ist 24 Stunden im Einsatz - jeden Tag

„Ich wollte schon immer zur Autobahnpolizei“, sagt der 27-jährige Dörner. „Es ist eine abwechslungsreiche Aufgabe – kein Tag ist wie der andere.“ Die Gersthofer Beamten betreuen den rund 50 Kilometer langen Autobahnabschnitt von Adelzhausen bis Jettingen. Zur Zuständigkeit zählt auch die B17 von Gersthofen Mitte bis Klosterlechfeld. Damit die Autobahnpolizei allzeit bereit ist, sind die 24 Stunden jeden Tages in drei Schichten unterteilt. Zwar gehören auch Bürotätigkeiten zum Tagesgeschäft der 40 Beamten, doch den größten Teil ihrer Zeit verbringen sie auf dem Asphalt. Fällt ein Auto mit seiner Fahrweise auf? Braucht jemand Hilfe? Im Streifendienst sind zudem Verkehrskontrollen und die Beseitigung von Gefahrenstellen an der Tagesordnung. Diebstahl von Ladegut an Rastplätzen kommt vor. Straftaten wie das illegale Mitführen von Waffen sind zum Glück selten.

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Manchmal kommt es auch zu kuriosen Szenen. Die Beamten rätselten beispielsweise, warum ein Porsche auf der Leitplanke „parkte“. Sollte die skurrile Position etwa den Wagenheber ersetzen? Auch ein Anhänger der Marke Eigenbau, der aus einem Golf Cabrio gebastelt wurde, blieb den Highway-Cops in lebhafter Erinnerung. Der sah zwar nicht so aus, hatte aber eine Abnahme durch den TÜV. Auf manche Erinnerungen würden die motorisierten Gesetzeshüter allerdings gern verzichten. „Wenn wir eine Unfallmeldung bekommen, muss man immer vom Schlimmsten ausgehen, aufgrund der hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn“, weiß Kevin Dörner. „Wenn ich mit meiner Dienstgruppe darüber rede, kann ich das besser verarbeiten“, erklärt er. Zudem wird eine professionelle Nachsorge von posttraumatischen Erlebnissen durch geschulte Personen im Präsidium angeboten.

Ein Pannenfahrzeug und kleinere Unfälle

Der Kollege Thomas Krumpholz war vor Kevin da – und nach ihm wieder. Er übernimmt an diesem Dienstag sowohl Früh- als auch Nachtschicht. Von 6 Uhr früh bis 12 Uhr mittags hatte er es mit kleineren Unfällen ohne Personenschäden und einem Pannenfahrzeug zu tun. „Es vergeht kein Tag ohne Unfall“, sagt der 48-Jährige. In der Nachtschicht von 19 Uhr bis 6 Uhr steht die Begleitung eines Schwertransportes an: Eine Straßenbahn soll auf die Autobahn. Klingt komisch, doch das Schienenfahrzeug wird huckepack zur Wartung von ihrem Depot in Augsburg zur Siemens AG nach Wegberg-Wildenrath gebracht.

Während die Kollegen im BMW X3 unterwegs sind, nutzt Werner Spicker zum Bestreifen der B17 ein BMW RT1200 Motorrad. „Mit einem PKW kommt man bei Baustellen mit umgelegten Fahrspuren teils nicht durch,“ erklärt der 34-Jährige. Warum Spicker gern bei der Autobahnpolizei ist? „Man hat viele Einsätze, bei denen man tatsächlich Freund und Helfer sein kann.“

Durchschnittlich 110000 Fahrzeuge sind im Raum Augsburg täglich unterwegs. „Das Unfallgeschehen ist unsere Hauptaufgabe“, berichtet Josef Sitterer. Der 57-jährige Erste Polizeihauptkommissar ist seit 2015 Chef der Autobahnpolizei Gersthofen. Seit 2010 ist die A8 hier sechsspurig. Die Häufigkeit von Unfällen hat sich seitdem nicht gravierend verändert, die Zahl der Verletzten schon. „Auf der ausgebauten Autobahn wird mit höheren Geschwindigkeiten gefahren“, weiß Sitterer. Ein Blick auf die Statistik zeigt: 2010 gab es bei Autobahn-Unfällen in seinem Zuständigkeitsbereich 17 Verletzte bei Geschwindigkeiten über 130 km/h, 2018 waren es 122. Mit einem Vorurteil räumt der Kommissar auf: Man kann vom Fahrzeugtyp nicht auf den Charakter schließen: „Sportwagen sind nicht zwingend schneller unterwegs, SUV-Fahrer nicht rücksichtsloser als andere.“

Verfolgungsfahrten gibt es für die Autobahnpolizisten auch

„Wer denkt, der Alltag bei der Autobahnpolizei erinnert an Fernsehserien wie Alarm für Cobra 11, ist bei uns fehl am Platz“, sagt Sitterer. Verfolgungsfahrten kommen allerdings vor. Dabei gilt es allerdings abzuwägen, ob andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden. In Gefahr sind die Beamten oft selbst. „Der Außendienst bei der Autobahnpolizei ist extrem gefährlich“, berichtet Josef Sitterer. „Man muss sehr aufmerksam sein und wir sensibilisieren dahingehend.“ Beispielsweise mit Schulungen zur korrekten Gefahrenabsicherung. Dass die bulligen BMW X3 die Einsatzfahrzeuge der Wahl sind, ist nicht nur ein optisches Statement, um Rasern zu signalisieren, dass man in Sachen PS-Power mithalten kann: „Die Fahrzeuge sind höher gebaut und daher für die anderen Verkehrsteilnehmer leichter erkennbar.“

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