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Adelsried

15.04.2020

Als die Amerikaner kamen: Adelsrieder sammeln Erinnerungen

Unvergessen geblieben ist Friedrich Geiger sein Teddybär.
Bild: Michaela Krämer

Plus Elisabeth und Friedrich Geiger aus Adelsried sammeln Erinnerungen vom Kriegsende vor 75 Jahren. Die Geschichte seines Teddybären lässt Geiger nicht los.

Als wäre es gestern gewesen, sagen diejenigen, die sich noch an Ereignisse kurz nach Kriegsende vor 75 Jahren erinnern können. Bis heute sind viele Geschichten lebendig geblieben. Damit das auch so bleibt, haben Elisabeth und Friedrich Geiger in vielen Gesprächen Erinnerungen, Eindrücke und Erlebnissen zusammengetragen. Den beiden ging es um Antworten auf die Frage, wie die Menschen auf die oft unglaublichen Herausforderungen der Nachkriegszeit reagiert haben, wie sie ihr Leben wieder eingerichtet haben.

Adelsried: Ein Buch über das Kriegsende soll entstehen

„Aufgrund des Coronavirus müssen wir unsere Recherchen vorläufig einstellen“, erklärt Geiger im Gespräch. Später jedoch soll darüber ein Buch entstehen, das vom Kriegsende erzählt, als die Amerikaner die Dörfer des Holzwinkels befreit haben.

Vieles sei schon in Vergessenheit geraten und es werden immer weniger, die sich noch daran erinnern können. Wie Walter Zirch, dessen Elternhaus von zwanzig Amerikaner besetzt worden war. Sie hatten das ganze Erdgeschoss belagert, während die Familie in die erste Etage ziehen musste. Doch sie hatten Glück, denn die GI’s entpuppten sich als ordentliche Soldaten, von denen zwei deutsche Wurzeln hatten.

Tierschlachtungen waren nach dem Krieg streng verboten

Auch bei der Familie von Xaver Stegherr waren etwa 15 Mann einquartiert. Die Not der unmittelbaren Nachkriegszeit war auch für die Amerikaner kaum vorstellbar. Sie waren so von den unterernährten Kindern auf dem Dorf entsetzt, dass sie ihnen Kaugummi und Schokolade schenkten. Beliebt waren auch die Kippen (halbe Zigaretten), die die Kinder auf der Straße für ihre Eltern eingesammelt hatten. Verboten waren hingegen Tierschlachtungen, erzählt Balbina Wiedemann. Das stellte die Menschen auf dem Land vor einem großen Problem. Ob in der Waschküche oder im Keller: Überall wurde schwarz geschlachtet. „Eine Sau war so fett, sie ging nicht mehr durch die Tür“, erzählt Wiedemann. Deswegen musste sogar ein Balken abgesägt werden. Damit der Geruch des Schlachtens nicht wahrgenommen werden konnte, mussten die Kinder Milch auf dem Herd verbrennen, berichten Georg Wimmer und seine Schwester Anna Hölzle.

Viele Menschen aus Augsburg haben damals ihre Habseligkeiten bei den Bauern eingelagert, weiß noch Georg Mangold. Nach dem Krieg wurden sie gegen Lebensmittel eingetauscht. Große Angst hatte Barbara Kleinheinz, die zum ersten Mal einen Farbigen gesehen hatte und daraufhin zu ihrer Großmutter gerannt war. Georg Graber, der sich ebenfalls noch an unzählige Begebenheiten erinnern kann, erwähnt in seinen Erzählungen den „schwarzen Schnee“. Es waren Menschen, durch den Russ der Bomben geschwärzt, von Augsburg nach Adelsried gekommen, um ihr Hab und Gut unterzubringen. „Auch der Schnee war schwarz.“

Zweiter Weltkrieg: Während den Bombenangriffen mussten sie in den Keller

Friedrich Geiger selbst erinnert sich noch an die Zeit, auch wenn er damals erst drei Jahre alt war. Unvergessen bleiben ihm die geschwärzten Glühlampen, durch die nur wenig Licht dringen konnte, um während der Bombenangriffe keine Angriffsziele zu bieten. Unvergessen geblieben ist ihm die Geschichte mit dem Teddybär, den er im Wohnzimmer vergessen hatte, als er aus Sicherheitsgründen in den Keller musste. „Ich habe so jämmerlich geweint, dass meine Großmutter das geliebte Spielzeug geholt hat.“ Den Teddy besitzt Friedrich Geiger immer noch. An die Währungsreform hat er noch ganz intensive Erinnerungen, wie er sagt. Gemeinsam mit seinem Vater ist er zur Gemeindeverwaltung. Dort konnten sie die ersten DM-Banknoten abholen. Seiner Schwester, die einige Wochen zuvor geboren wurde, war es zu verdanken, dass die Familie nun für eine Person mehr vom neuen Geld bekommen hat.

Verschiedene Sichtweisen machen die Aufzeichnungen lebendig

„In einem großen Hof gab es drei erwachsene Töchter, Vater und Brüder waren im Krieg. Als die Amerikaner kamen, haben diese auch Quartier im Hof bezogen. Eine der drei Töchter war Lehrerin und besaß ein Klavier. An der Wand hing auch eine Geige. Nachdem ein amerikanischer Soldat sehr musikalisch war, gab es am Abend Hauskonzerte und kleine Tanzveranstaltungen mit den Soldaten, zu denen auch die jungen Mädchen aus der Nachbarschaft kamen“, erzählt der Autor. Für ihn ist es wichtig , darauf hinweisen, dass die amerikanischen Soldaten keine Probleme bereiteten, nichts entwendet haben und auch keinerlei Übergriffe auf die deutsche Bevölkerung bekannt wurden.

Die verschiedenen Sichtweisen, auf die Elisabeth und Friedrich Geiger bei ihren Recherchen gestoßen sind, machen diese ersten Aufzeichnungen sehr lebendig.

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