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Ettelried

13.09.2019

Alte Häuser aus Ettelried und ihre Geschichten  

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2 Bilder
Albert Vogele hat die Geschichte alter Häuser in seinem Heimatort akribisch dokumentiert. 
Bild: Marcus Merk

Albert Vogele hat sich durch Berge uralter Dokumente gearbeitet und eine Ausstellung erstellt. Zum Jubiläum des Krieger- und Soldatenvereins ist sie zu sehen.

Es sind vermutlich tausende Urkunden, Fotos und Dokumente, die Albert Vogele durchforstet hat. Er begab sich gewissermaßen auf eine Zeitreise durch seinen Heimatort. Herausgekommen ist eine Ausstellung über die Geschichte des Dinkelscherber Ortsteils Ettelried. Sie zeigt, wie sich das Dorf in den vergangenen 200 Jahren verändert hat.

Ein besonderes Augenmerk legt Vogele bei seiner Ausstellung auf die alten Häuser seines Heimatorts. Alle 82 Bauten, die vor der Eingemeindung Ettelried zu Dinkelscherben bereits gebaut waren, sind ausgestellt. Einige von ihnen gibt es heute gar nicht mehr. Wie zum Beispiel den alten Tirolerhof. Der Bauernhof mit Gasthaus wurde bereits 1374 gebaut, damals für einen Ritter. Das belegen uralte Urkunden, erklärt Vogele. Ebenso ist zu lesen, dass der Hof 1634 niederbrannte, als plünderte Soldaten durch den kleinen Ort in der Reischenau zogen. Später wurde er von einem Österreicher wieder aufgebaut. „Deshalb heißt er Tirolerhof“, sagt Vogele. Es sind Details wie dieses, die den Ettelrieder faszinieren.

Durch Zufall auf Opas alte Rechnungen gestoßen

Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit der Geschichte seines Heimatorts. Dazu gekommen sei er über alte Rechnungen seines Großvater, auf die er durch Zufall gestoßen ist. Vogeles Großvater war Sattler. Seine Rechnungen aus dem 19 Jahrhundert bieten Einblick in die Geschichte des Ortes. Sie entzündeten Vogeles Neugier und schnell durchforstete er das Gemeindearchiv nach immer mehr Dokumenten aus vergangenen Tagen. Für die aktuelle Ausstellung ging Vogele sogar von Haus zu Haus in Ettelried – immer auf der Suche nach alten Fotos und Geschichten.

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So fand er zum Beispiel eine Menge viele alte Fotos von der ehemaligen Schule in Ettelried. Urkunden zeigen, dass der erste Lehrer hier bereits im Jahr 1651 unterrichtet hat. Neben alten Fotos des Gebäudes hat Vogele auch einen sogenannten Lehrnachweis von 1929 gefunden.

Der damalige Lehrer hat darin feinsäuberlich den Inhalt des Unterrichts aufgelistet. „Auch wann Ferien sind, hat der Lehrer damals selbst entscheiden“, sagt Vogele.

Das Schloss wurde lange für kleinere Gerichtsprozesse genutzt

Ausgestellt ist auch die Geschichte des 1757 an der Ettelrieder Hauptstraße errichteten Schlosses. Gebaut wurde es im Auftrag der adeligen Jakobine Schnurrbein, erklärt Vogele. „Sie hat dort aber nie gelebt“. Stattdessen wurde das Schloss über viele Jahre für kleinere Gerichtsprozesse genutzt, sagt der Ettelrieder. Heute ist das Schloss wieder von Nachfahren der Auftraggeberin bewohnt.

Bekannt ist Ettelried vor allem auch als Heimat der bekannten Malerfamilie Scherer. Die Gebrüder Scherer gehören zu den bedeutendsten schwäbischen Malern, deren Arbeiten weit über die heimatlichen Grenzen hinaus bekannt sind. Neben der Glasmalerei schufen die Maler viele religiöse Ölbilder. In unserem Raum findet man etliche Fresken an Fassaden und in Kirchen, auch Altarbilder. Auch die Geschichte des Gebäudes, in dem noch heute Nachkommen der Maler Scherer leben, ist in Ettelried nun ausgestellt.

Der Tirolerhof brannte im Jahr 1634 nieder.
Bild: Marcus Merk

Die Geschichte des Ortes muss erhalten bleiben

Insgesamt sind es über 80 Häuser, deren Historie Albert Vogele Stück für Stück zusammengetragen hat. Darunter sind auch alte Wirtshäuser, die heute nur noch teils geöffnet haben. Oder ein kleiner Dorfladen, den es heute auch nicht mehr gibt. „Ich will das alles bewahren“, sagt Vogele. Die Geschichte des Ortes müsse erhalten bleiben, andernfalls werde sie vergessen. „Die jungen Leute ziehen weg“, sagt Vogele. Er möchte verhindern, dass man die vielen interessanten Puzzleteile der Geschichte Ettelrieds irgendwann vergisst.

Neben der Fotoausstellung zu den Ettlerieder Häusern, sind auch viele Dokumente ausgetsellt, die Vogele im Gemeinderarcvhiv gefunden hat. Urkunden, alte Zeitungsartikel oder Fotos. Außerdem sind weit über 300 Sterbebilder ausgestellt. Das älteste stammt aus dem Jahr 1874.

Zu sehen ist die Ausstellung im Ettelrieder Pfarrheim am kommenden Wochenende und am Wochenende darauf (siehe Infokasten). Sie ist Teil des Festprogramms zum 100-jährigen Bestehen des Soldaten und Kriegervereins in Ettelried. Sollte die Ausstellung gut besucht sein, könnte sie verlängert werden.

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