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Zusmarshausen-Gabelbachergreut

01.11.2010

Alter Brauch lockt viele Zuschauer an

Reiter, Pferdegespanne und viele Zuschauer bevölkerten den Zusmarshauser Ortsteil Gabelbachergreut beim Leonhardiritt. Foto: Marcus Merk

Bei bestem Wetter zog es am Sonntag Hunderte Gäste nach Gabelbachergreut, wo mit 90 Rössern und elf Kutschen der Leonhardiritt begangen wurde.

Anfahrt in langer Autokolonne, außerhalb des Ortes parken, zahlreiche Menschen entlang der ganzen Straße, die von der freiwilligen Feuerwehr gesperrt wurde, und zu guter Letzt die aufwendig und schön dekorierten Pferde und Kutschengespanne, deren Reiter sich auch teilweise in Trachten oder in sportliche Bekleidung hüllten. Statt Kamellen gab es allerdings Pferdeäpfel.

Die Legende des heiligen Leonhard beginnt um 500 in Frankreich, am Hofe des Frankenkönigs Chlodwig. Dort soll sich der Gelehrte Leonhard vor allem den Gefangenen angenommen haben und durfte mit einer königlichen Vollmacht schuldlos Eingesperrte befreien. Später bekam er dann vom König ein Waldgelände zugeschrieben, in einer Größe, dass er es mit seinem Esel in einer Nacht umreiten konnte. Dort gründete er das Kloster Noblac, übte die Landwirtschaft und, so die Legende, heilte Menschen und Tiere von Krankheiten.

Guter Stoff für die Kirche, welche den heiligen Leonhard somit zum Befreier schuldloser Gefangener, Helfer bei sämtlichen Krankheiten und Geburten, Schutzherr gegen Unwetter, Schützer der Hirten und des Ackerbaus, Patron der Schmiede, der Landwirtschaft und vor allem der Tierzucht machte. Ihm zu Ehren werden auch heute noch in vielen Orten die Leonhardiritte abgehalten, wo die Teilnehmer mit ihren Pferden und Kutschen dann dreimal um die Kirche reiten. "Dreimal, da dies im Wahlfahrtsbrauchtum oftmals so gängig ist", so Kreisheimatpfleger Prof. Dr. Walter Pötzl.

Alter Brauch lockt viele Zuschauer an

In Gabelbachergreut besteht diese Tradition nachweisbar schon seit 1612. Dies bezeugt der älteste datierte Schriftzug auf dem Leonhardinagel. Einen solchen Kultgegenstand gibt es in Schwaben nur noch einmal in Inchenhofen und Buttenwiesen. Deshalb sind die Gabelbachergreuter auf den circa 115 Kilo schweren und etwa 90 Zentimeter großen Nagel besonders stolz, sodass er am Sonntag auf einer eigenen Kutsche dem Publikum vorgeführt wurde.

Als Kraftmesser verwendet

Aufgrund seiner phallischen Form wurde der Nagel auch als Symbol der Fruchtbarkeit gedeutet und damals von jungen Burschen oftmals als Kraftmesser verwendet. Er tauchte dann meistens noch in derselben Nacht im Wirtshaus auf. "Das passiert heute nicht mehr", so Kirchenpfleger und Organisator Franz Stöckle. Doch was seit der Wiederbelebung des Leonhardirittes im Zusmarshauser Ortsteil, am 4. November 1990, immer noch im Vordergrund steht, ist die Tradition. "Die Pferdesegnung steht im Mittelpunkt", so Stöckle. In Gabelbachergreut soll das Brauchtum einen natürlichen Rahmen behalten. Für Umzüge wie beispielsweise in Bad Tölz oder Inchenhofen, wo jährlich mehrere Tausend Besucher erwartet werden, sei Gabelbachergreut zu klein, und "außerdem ist ein Ritt in einer solchen volksfestähnlichen Aufmachung nicht gewollt", so der Organisator.

Dennoch scheint die Idee und deren Umsetzung in Gabelbachergreut auch heute noch anzukommen. Das Publikum war ein Querschnitt durch alle Altersklassen, und die Teilnehmer des Rittes kamen mit unterschiedlichsten Pferderassen aus dem ganzen Landkreis und darüber hinaus, um von den beiden Pfarrern Saji und Ignatius den Segen zu erhalten. Angeführt wurde der Zug von der Kapelle der Musikvereinigung Gabelbach.

"Um die Zukunft, den Nachwuchs und eine Fortsetzung der Ritte in dem kleinen Örtchen steht es momentan ganz gut", so Kirchenpfleger Franz Stöckle. Mindestens noch bis 2012, denn dann wird das 400. Jubiläum gefeiert.

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