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Neusäss

17.01.2020

Am Himmelreich: Wohnen und Wald verschmelzen hier

Das Luftbild vom Himmelreich in Neusäß-Westheim zeigt, wie viele Bäume im Wohngebiet stehen und wie es mit dem Kobelwald fast „verwächst“.
Foto: Foto: Stadt Neusäß

Das Wohnviertel in Westheim ist etwas Besonderes. Alte Bäume und große Grundstücke kennzeichnen es. Wie es dort weitergehen soll.

Das Wohngebiet „Am Himmelreich“ in Westheim ist etwas Besonderes: Es gibt dort ungewöhnlich große Grundstücke, die teilweise fließend in den Kobelwald übergehen. Ungewöhnlich ist dort auch der Baumbestand. Es gibt eine 170 Jahre alte Rotbuche genauso wie eine alte und damit wertvolle Stiel-eichenallee. Diese Schätze der Natur machen eine Entwicklung des Gebietes zu einer sensiblen Angelegenheit. Die Stadt steht hier im Spannungsfeld zwischen der steigenden Nachfrage auf dem Immobilienmarkt und der Bewahrung des Charakters in diesem Areal.

Karina Glas, Landschaftsarchitektin vom Büro Opla in Augsburg, war zwei Tage unterwegs, um die Bäume auf den Grundstücken zu begutachten und kartieren. Ihr Ergebnis: Es gibt einige Bäume von der Kategorie „unbedingt erhaltenswert“. Zum Beispiel hohe Birken oder die 170 Jahre alte Rotbuche, die doppelt so alt werden könne, so die Expertin. Etwas Besonderes seien auch Hecken, die in die Straßen hineinragen und den Waldcharakter des Gebiets unterstreichen. Neben den schützenswerten Bäumen gebe es aber auch junge Bäume, die bereits Schäden aufweisen. So stehe auf einem Grundstück ein kranker Ahorn, der nicht überleben werde, sagt Karina Glas. Ihr Fazit zum Himmelreich sieht so aus: „Es gibt dort imposante Anblicke, die man beim Fahren durch andere Siedlungen so nicht sieht.“ Eichen, Wacholder und Magnolien seien prägend für das Ortsbild. Viele Häuser seien wegen ihrer Bebauung im hinteren Teil des Grundstücks von der Straße aus gar nicht zu sehen.

Eine Anfrage zum Bauen

Das Ingenieurbüro war für das Baumgutachten beauftragt worden, da sich der Planungs- und Umweltausschuss der Stadt zurzeit über eine weitere mögliche Bebauung in dem Wohngebiet Gedanken macht. Der Stadt liegt bisher für ein Grundstück eine Bauvoranfrage vor. Friederike John vom Ingenieurbüro Opla riet zu einer „verträglichen Nachverdichtung“. Der Eindruck, „mitten im Wald zu sein“, sollte ihrer Meinung nach erhalten bleiben.

Inge Steinmetz-Maaz von den Freien Wählern sagte, dass ihre Fraktion nicht weiter runter zur Straße bauen lassen wolle. „Sonst ist der Waldcharakter weg.“ Stadtbaumeister Dietmar Krenz wies darauf hin, dass es im Himmelreich Grundstücke mit einer Größe von 3000 bis zu 8000 Quadratmetern gebe, auf denen nur ein Haus stehe. „Da ist ein zweites Gebäude mit Begrünung schon vorstellbar“, sagte er. Nur so sei überhaupt eine Entwicklung in diesem Viertel möglich. Bürgermeister Richard Greiner sprach sich dafür aus, jedes Grundstück einzeln zu beurteilen. „Wir sollten schauen, was da maßvoll und sinnvoll ist.“

Straße nicht ausgebaut

Ein Teil der Straße Am Himmelreich ist noch nicht ausgebaut. Beginn der Bebauung war laut John etwa im Jahr 1940. Doch die meisten Häuser seien in der Zeit von 1960 bis 1980 entstanden. „Aufgrund des Alters bahnen sich immer mehr Veränderungen an“, sagte John. Häuser würden vererbt, und damit könnten auch noch weitere Anfragen zu einer zusätzlichen oder anderen Bebauung des Grundstücks an die Stadt herangetragen werden. Ein neuer Bebauungsplan könnte den Baumschutz und den besonderen waldähnlichen Charakter des Viertels schützen. Es könnte darin auch das Verhältnis der Anzahl der Wohneinheiten in Bezug auf die Grundstücksfläche gesteuert werden.

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