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Beratung

24.01.2015

Ansprechpartnerin für 59 Nationalitäten

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Manuela Schnierle kennt als Integrationsbeauftragte in Langweid die Probleme der Menschen mit Migrationshintergrund. Nun bereitet sie sich auf die Ankunft von 100 Asylbewerbern vor

Menschen aus 59 Nationen leben in Langweid, darunter 17 Asylbewerber aus Afrika. Bis März kommen 100 weitere hinzu, die zurzeit im Dr. Wiesenthal-Haus in Dinkelscherben untergebracht sind. Dass das Zusammenleben der Menschen aus derart vielen Kulturkreisen gut klappt, dafür sorgt nicht zuletzt Manuela Schnierle. Sie leitet die Kinder- und Familienhilfe Langweid und ist gleichzeitig die einzige, von einer Gemeinde festangestellte Integrationsbeauftragte im Landkreis Augsburg. Ihre Maxime lautet: „Es ist alles machbar.“

„Bei der Eröffnung im Jahr 2001 war unser Familienbüro das erste im Landkreis“, sagt Manuela Schnierle. Und das mitten im Langweider Zentrum, in der Schubertstraße 13. „Hier kommen viele Menschen vorbei, so waren die Berührungsängste der Menschen von Anfang an klein. Wir wollten ein niederschwelliges Angebot machen, und die Rechnung ist voll aufgegangen.“

Das Angebot der Kinder- und Familienhilfe richtet sich an alle Langweider Einwohner, als Schwerpunkt hat sich aber die Integrationsarbeit herauskristallisiert: „Wir haben rund 75 Prozent Klientel mit Migrationshintergrund.“ Von den aktuell rund 7800 Einwohnern sind knapp 15 Prozent Ausländer, den Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund schätzt sie auf „25 bis 30 Prozent“. In den letzten Jahren kamen vor allem Menschen aus EU-Ländern wie Rumänien, Kroatien oder auch Griechenland sowie in letzter Zeit auch Flüchtlinge.

Die Hauptarbeit der Diplomsozialpädagogin, die selbst seit 1995 im Ortsteil Achsheim lebt, entfällt auf Beratung. „Die Menschen wollen sich zunächst orientieren.“ Weiter sorgt Manuela Schnierle für Integrationsangebote, wie Sprachkurse, Vorträge oder Veranstaltungen, bei denen sich die Menschen begegnen und somit besser kennenlernen können. Sie begleitet die Menschen aber auch zu Arztbesuchen oder bei Behördengängen und hilft beim Ausfüllen amtlicher Formulare. „Das ist ja für uns Muttersprachler nicht immer einfach – umso schwieriger ist es für Fremdsprachler.“ Um das zu leisten, sei ein gutes Netzwerk nötig, das in Langweid vorhanden sei und prima funktioniert. „Ebenso gibt es breite Zustimmung für unsere Arbeit.“

Dafür ist die Integrationsbeauftragte sehr dankbar. „Zuwanderung ist Realität und wird uns immer begleiten.“ Integration versteht sie daher als Querschnitts- und Daueraufgabe.

Bereits im Jahr 2005 hat man in Langweid mit der Hausaufgabenbetreuung – nicht zuletzt für Kinder mit Migrationshintergrund begonnen und eine weitere Erfolgsgeschichte geschaffen. „Heute hat diese Betreuung über 90 Plätze, die Mittagsbetreuung nützen sogar um die 120 Kinder.“ Diese Angebote seien eine große Unterstützung für Migrantenkinder: „Denn oft können ihnen die Eltern zum Beispiel mangels eigener Sprachkenntnisse nicht helfen.“ Doch auch deutsche Kinder nützen die Betreuungsstunden. „Da fällt in den Gruppen meist gar nicht auf, dass das mit Integration zu tun hat“, sagt Manuela Schnierle. Inzwischen hat sie bei ihrer Arbeit selbst schon Unterstützer mit Migrationshintergrund. Ein wichtiges Thema sind jetzt und in Zukunft Bildungsangebote für Eltern mit Migrationshintergrund.

Wenn ab März 100 Asylbewerber in 15 Wohnungen der Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises (WBL) einziehen werden, ist auch Manuela Schnierles Einsatz gefragt. „Wir werden eng mit dem Landratsamt zusammenarbeiten, uns um die Organisation von Ehrenamtlichen kümmern und schauen, dass die Asylbewerber in Langweid gut ankommen und sich gut zurechtfinden.“ Gerade, am Anfang wenn die Asylbewerber neu ankommen, bedeute es viel Arbeit. „Es ist auf jeden Fall eine Herausforderung, aber die Voraussetzungen sind in Langweid gut“, ist die Sozialpädagogin zuversichtlich.

Manuela Schnierle macht auch deutlich: „Für Integrationsarbeit braucht man Fachkräfte, Geld und Zeit. Von allein regelt sich das nicht.“ Man müsse Mut haben, um alles aufzugeben und in ein fremdes Land zu gehen. „Was diese Menschen schaffen müssen, um hier bestehen zu müssen, ist nicht wenig. Hut ab!“

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