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Langweid

25.06.2018

Anstehen am Kulturbahnhof

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2 Bilder
Elfriede Gschwilm wohnte früher im Bahnhof.
Bild: Sonja Diller

Beim Tag der offenen Tür in Langweid gibt es viele neue Konzepte für eine Nutzung des ehemaligen Bahngebäudes. Es werden aber auch alte Erinnerungen wach

Autorenlesungen. Yogakurse. Offenes Singen. Oder ein Reparaturcafé. Die Ideen für „ihren“ alten Bahnhof gehen den Langweidern nicht aus. Deshalb strömten sie am Sonntag zum Tag der offenen Tür, zu dem die Macher des Kulturbahnhofs eingeladen hatten. Schon zwei Stunden bevor es losgehen sollte, standen die ersten Ideenlieferanten auf dem Bahnhofsvorplatz.

Die neue Buch7 Kulturbahnhof gemeinnützige GmbH, wie die Trägergesellschaft des Projekts offiziell heißt, plant schon für 2018 erste Events. Komplett startbereit soll der Kulturbahnhof in einem Jahr sein, so Geschäftsführer Benedikt Gleich. Ein mutiger Zeitplan, wenn man die seit Jahrzehnten geschlossenen Innenräume so anschaut. Alle Leitungen, Elektrik, Bäder und Toiletten, alles muss neu gemacht werden im 100 Jahre alten Haus. Doch an Energie und Mut fehlt es dem Team nicht, das noch in der Studentenzeit einen Online-Buchhandel auf die Beine gestellt hat, der beweist, dass erfolgreiche Unternehmen auch sozial denken können.

Die künftigen Nutzer sollen das Sagen haben, wenn es darum geht, erste Konzepte abzustecken, ist Gleich wichtig. Davon verspricht er sich die Akzeptanz, die es für ein erfolgreiches Projekt braucht. Beim Tag der offenen Tür gab es dann auch genau das, was sich das Kulturbahnhof-Team vorgestellt hatte. Wünsche und Ideen wurden auf kleinen Zetteln auf den bereitgestellten Pinnwänden notiert. Viele Fragen zum Umbau wurden diskutiert und alle waren überzeugt „das ist genau das, was wir hier brauchen“. Was immer sich die Langweider wünschen, die behördliche Genehmigung umfasst viele Möglichkeiten. Vom geplanten Buchladen bis zum Verkauf von Proviant für Reisende, vom Cafébetrieb bis zu Veranstaltungen. Richtig glücklich über das Engagement des buch7 Teams ist Bürgermeister Jürgen Gilg. Nach dem Ankauf des Bahnhofsgebäudes durch die Gemeinde wurden im Zuge der Lärmsanierung der Bahn die Fenster und das Dach erneuert. Aber dabei wäre es eine Weile geblieben, denn die Kommune hätte für die weitere Sanierung erst einmal kein Geld gehabt. „Ideal“ ist deshalb für Gilg die neue Nutzung des Gebäudes für die Gemeinde und alle Bürger.

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Schön, dass der Bahnhof wieder lebendig wird, finden die Langweider, die ganz nebenbei beim Gang durch die Stockwerke in Erinnerungen schwelgten. Erwin Hörmann weiß noch genau, wie er sich als kleiner Bub mit seinen Freunden im Warteraum getroffen hat, obwohl sie keine Fahrgäste waren. Die umlaufenden Bänke und der große Holztisch war ideal zum Zehnerl-Schnippsen. „Das war halt unser Jugendzentrum“.

Noch ein Stückchen weiter zurückreichen die Erinnerungen von Alois Wagner, der als Lehrling ab 1954 mit dem Zug nach Augsburg gefahren ist. Der alte Holzofen, der damals manchmal ganz schön gequalmt hat, steht immer noch im Warteraum. Noch tiefer verwurzelt im Gemäuer an den Gleisen ist Elfriede Gschwilm. Oben unter dem Dach hat sie ihre Kindheit verbracht, war doch einer der beiden Bahnhofsvorsteher ihr Vater Heinrich Weber. Mit Benedikt Gleichs Großvater Hans haben die zwei Eisenbahner viele Jahre lang dafür gesorgt, dass die Züge pünktlich fuhren und auch sonst alles ordentlich war am Langweider Bahnhof. Auch sie freut sich auf das neue Leben, das jetzt einzieht an Gleis 1.

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