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21.02.2019

Anton Berchtenbreiter schließt ab

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Fast 1500 Sitzungen begleitete Anton Berchtenbreiter unter drei Bürgermeistern und zahlreichen Markträten. Bis zuletzt führte er Protokoll.

Fast 40 Jahre lang erlebte und gestaltete der Ellgauer in Thierhaupten die Ortsgeschichte mit. Jetzt geht der geschäftsführende Beamte des Rathauses in den Ruhestand

Nach mehr als 38 Jahren als geschäftsführender Beamter ist für Anton Berchtenbreiter jetzt Schluss. Der 62-Jährige kehrt dem Rathaus am Marktplatz von Thierhaupten den Rücken. Der gebürtige Ellgauer hat fast vier Jahrzehnte der jüngeren Dorfgeschichte miterlebt und mitgestaltet.

In seinem Fazit betont er immer wieder, wie wichtig der Kauf des Klosters unter Bürgermeister Fritz Hölzl im Jahre 1983 war. Der Gebäudekomplex habe eine ungeheure Strahlkraft entwickelt und für viel Beschäftigung gesorgt – gerade bei den örtlichen Handwerkern während der 16 Jahre dauernden Renovierung und Sanierung.

Berchtenbreiter war als ge-schäftsführender Beamter im Rat-haus nur den drei Bürgermeistern Fritz Hölzl, Franz Neher und Anton Brugger untergeordnet und für den Rest der Verwaltung der Chef. „In diesem Rollenverhältnis galt es oft-mals einen Spagat zu meistern“, sagt er. Zum einen war da die Fürsorgepflicht für seine Mitarbeiter, aber natürlich auch die Aufgabe als Chef Weisungen, auch einmal unpopuläre, zu erteilen. Berchtenbreiter hatte ferner das Gefühl, dass er den Bürgermeistern gern gehörter Ratgeber war und dass oftmals seine Meinung eingeholt wurde. Er macht aber auch keinen Hehl daraus, dass manchmal wegen parteipolitischer Gründe Ratschläge nicht angenommen wurden.

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Seine Tätigkeit im Rathaus umfasste eine Fülle von Aufgaben. So war er für die öffentliche Sicherheit und Ordnung, für das Bauamt und auch als Standesbeamter im Einsatz. Fast 1500 Sitzungen im Marktgemeinderat und in den Ausschüssen hat er bewältigt und meist darüber sogar auch noch Protokoll geführt.

Viele Projekte hat Berchtenbreiter in all den Jahren begleitet. Dorferneuerung, Kindergarten, das neue Feuerwehrhaus und der fast vollendete Hochwasserschutz sind nur einige Stichpunkte.

Äußerst unangenehme und sehr belastende Momente erlebte er während der jahrelangen Auseinandersetzungen um die Selbstständigkeit von Baar und Heimpersdorf. Zum 1. Januar 1994 kam die Loslösung schließlich zustande. „Diese Zeiten waren dramatisch, es hagelte Dienstaufsichtsbeschwerden, ungerechtfertigte Anfeindungen und offene demütigende Briefe“, erinnert er sich ungern zurück. Auch an die Aussage der Baarer Aktivisten, die Thierhaupten und die politischen Verantwortlichen mit dem iraki-schen Diktator Saddam Hussein und dessen unmenschlichem Treiben in und um Kuwait verglichen.

In einem offenen Brief im ge-meindlichen Mitteilungsblatt hat sich Anton Berchtenbreiter von „seinen“ Thierhauptenern verab-schiedet. Fast entschuldigend schreibt er, dass es nicht immer leicht war, die öffentlichen Interes-sen durchzusetzen. „Manchmal hatte ich auch Verständnis, wenn die Bürger sich ungerecht behandelt ge-fühlt haben.“ Thierhaupten, so sagt der Ellgauer Berchtenbreiter, sei schon ein „spezielles Pflaster“. Doch „99 Prozent der Bürger sind vernünftig und verstehen Entscheidungen der Verwaltung, wenn diese klar und ausführlich erklärt werden. Mit seinen bekannten Floskeln „I muss klipp und klar sagen“ oder „auf Deutsch g´sagt“ erklärt er, dass es nach all den Dienstjahren und Erlebnissen Zeit wird zu gehen. „Alles wird a bisserl schwerer, und mit zunehmendem Alter merke ich, wie ausgelaugt ich eigentlich bin.“ Als Pensionär will er es insgesamt ruhiger angehen lassen, Zeit finden für seine Ehefrau Johanna, die Familie und für ausgiebige Spaziergänge. Gerne will er immer wieder über den Lech nach Thierhaupten fahren, die Feste im Ort mitfeiern und an der Chronik für die Marktgemeinde mitwirken. Und natürlich wird er zumindest mit einem Auge beobachten, wie Thierhaupten sich in der Zukunft schlagen wird.

Am morgigen Freitag, 22. Februar, wird Anton Berchtenbreiter mit einer Feier in den Herzog-Tassilo-Stubn der Klostergastronomie verabschiedet.

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