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Biberbach

29.07.2020

Anwohner sind sauer: Behörden wollen Tempo 30 in Markt verhindern

Tempo 30 oder 50: Diese Frage stellt sich in Markt. Zahlreiche Bürger sind der Meinung, dies werde zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr führen.
Bild: dpa (Symbol)

Plus Der Beschluss des Markter Gemeinderats zu Tempo 30 scheint nicht umsetzbar. Jetzt sind viele sauer. Nicht zuletzt die Einwohner.

Die Bürger wollen es seit Jahren. Und der Gemeinderat beschloss die Umsetzung des Bürgerwunsches. Tempo 30 soll im Ortsteil Markt den Straßenverkehr sicherer machen und Autofahrern aus dem Dillinger und Wertinger Raum den Schleichverkehr zum Bahnhof Meitingen verleiden. Doch nun droht die Kehrtwende.

Die Verwaltung sehe keine Möglichkeit, den Gemeinderatsbeschluss umzusetzen, teilte Bürgermeister Wolfgang Jarasch dem Gremium in der Sitzung am Dienstag mit. Der Verkehrsexperte der PI Gersthofen habe in seiner Stellungnahme davon abgeraten, die Schilder aufzustellen. Das Verkehrsrecht gebe eine Kontrolle samt Bußgeldern nicht her, da keine Gefahrenstellen wie Schule, Kindergarten oder Senioreneinrichtung an der Straße liege. Und ein zahnloser Tiger mache keinen Sinn.

Gemeinderat will Tempo 30 im Ortsteil Markt, Verwaltung hält das für unmöglich

Johanna Quis (UFB) ist Gemeinderätin aus dem Ortsteil Markt und sieht die Lage anders. Es gebe eine ganze Reihe von guten Gründen für die Geschwindigkeitsbegrenzung. „Deshalb hat der Gemeinderat ja die Maßnahme nach gründlichen Überlegungen beschlossen.“ Die Gemeinde müsse die berechtigte Forderung der Bürger nach mehr Sicherheit nachdrücklich verfolgen.

Dafür erhielt sie breite Unterstützung aus dem Gremium. So könne man das nicht stehen lassen (Jürgen Schaller, Grüne). Ist Prävention ein Fremdwort?, fragte Thomas Fischer (FW). Tempo 30 gebe es andernorts auch ohne Kindergarten oder Schule an der Straße (Friedrich Wiblishauser, BTL). Man werde wohl nicht ernst genommen (Edith Neidlinger, UFB). An der gefährlichen Stelle am Wasserhaus habe es erst Tote geben müssen, bis es eine Geschwindigkeitsbegrenzung samt baulicher Veränderungen gegeben habe, mahnte Franz Bayer (CSU), die Risiken nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Die Beratung zur geplanten Verengung der Schlossstraße am Ortsausgang Richtung Meitingen nahm der Gemeinderat von der Tagesordnung. Das mache abgetrennt von der gewünschten Geschwindigkeitsbegrenzung im gesamten Straßenverlauf keinen Sinn. Markter Bürger, die als Zuschauer die Beratungen verfolgt hatten, machten ihrem Ärger nach der Sitzung Luft und betonten: „Das lassen wir keinesfalls auf sich beruhen.“

Die Wasserversorgung könnte teuer werden für Biberbach

Im Sitzungssaal wurde am Dienstag auch die Risikoanalyse zur Wasserversorgung vorgestellt. Das Trinkwasser vom Brunnen bis zum Wasserhahn läuft (noch) relativ problemlos. Doch in den nächsten Jahren wird Biberbach viel Geld investieren müssen, damit das auch so bleibt. So das Fazit des Berichts von Tobias Kostenzer vom Büro Sweco.

Rund 40 Kilometer lang sind die Wasserleitungen im Ort. Die bestehende Notversorgung mit Langweid wie auch der Zustand aller sehr gut gewarteten Anlagenteile seien Pluspunkte der Biberbacher Wasserversorgung. Kostenzer: „Das ist schon ungewöhnlich.“

Doch es gibt auch Risiken. Dazu gehören Totleitungen, in denen das Wasser lange stehen und so verkeimen könnte. Die größte Baustelle ist aber der Hochbehälter aus den 50er-Jahren. Mit 350 Kubikmeter Fassungsvermögen sei er schon von Anfang an zu klein bemessen gewesen für den Tagesverbrauch von rund 500 Kubikmetern, so die Einschätzung des Fachmannes. Dazu käme die Feuerlöschversorgung, die mit 200 Kubikmetern angesetzt werde. Zwischen 1,2 und 1,4 Millionen Euro wird ein neuer Hochbehälter kosten.

Um anstehende Arbeiten und Kosten planen zu können, wird ein langfristiger Fahrplan zur Sanierung der Wasserversorgung erarbeitet. „Das System bricht nicht morgen zusammen“, so Kostenzer. Doch nach einem Ampelsystem müsste ein Teil der erkannten Probleme sofort, andere mittelfristig oder langfristig abgearbeitet werden.

Ist das Spielmobil zu teuer für Biberbach?

Biberbach hat eine Vereinbarung mit dem Kreisjugendring. In allen Ferien außer an Weihnachten kommt das Spielmobil in den Ort und bietet ein betreutes Programm für Schulkinder. Im Sommer zwei Wochen lang, in den anderen Ferienzeiten jeweils eine Woche. Das wolle man den Familien auch künftig bieten, so Bürgermeister Wolfgang Jarasch. Doch das Defizit für die Gemeinde steige. Zuletzt waren es knapp 1300 Euro. Deshalb wird die Betreuung ab den Herbstferien für jede Buchung um fünf Euro teurer. Gestaffelt nach gebuchten Tagen kostete der Ferienspaß bisher zwischen 25 und 50 Euro, künftig sind zwei Tage für 30 Euro, fünf Tage für 55 Euro zu haben. Das Essensgeld von 3,80 Euro pro Tag bleibt unverändert.

Die Entscheidung fiel nicht einstimmig. Jürgen Schaller (Grüne) monierte, dass es viele Familien gebe, die „seit Monaten von 67 Prozent Kurzarbeitergeld leben“. Eine Gebührenerhöhung für Angebote für Familien sei zu diesen Zeiten nicht angebracht.

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