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Dinkelscherben-Häder

17.11.2017

Arbeiter steigen St. Stephan aufs Dach

Die Kirche ist innen und außen eingerüstet.
7 Bilder
Die Kirche ist innen und außen eingerüstet.
Bild: Marcus Merk

Die Pfarrkirche von Häder hat statische Probleme. In den Decken und Mauern sind mehrere Risse. Die Ursache dafür liegt im Dachstuhl. Wie der nun repariert wird.

Eigentlich ist die Innensanierung erst ein paar Jahre her, trotzdem hat die prächtige Stuckdecke in St. Stephan schon wieder neue Risse. Wer ihnen auf den Grund gehen will, muss in luftige Höhen steigen. Das geht, denn die Pfarrkirche von Häder ist mittlerweile eingerüstet. Etwa ein Jahr lang wird die Sanierung dauern.

Anfang 2015 fanden Experten die Ursache für die Risse in den Decken und Mauern der etwa 250 Jahre alten Kirche. Sie liegt im Dachstuhl. Um das zu erklären, steigen Ernst Walter und Andreas Lehner von der Kirchenverwaltung die steilen Stufen des Baugerüsts hinauf und schlüpfen durch eine Folie. Hier haben die Bauarbeiter ein Notdach gebaut. Denn das Kirchendach haben sie hier, auf der Nordseite, schon großflächig abgedeckt. Der Baustellenbesucher kann hier oben ganz aus der Nähe die komplizierte Konstruktion des Dachstuhls bewundern. Faszinierend, wie die Handwerker einst das alles ohne große Maschinen und Kräne konstruiert haben.

Walter geht auf dem Gerüst ein paar Schritte entlang. Dann zeigt er auf die Mauerlatte. Dieser Balken, der auf den Kirchenwänden aufliegt, ist das größte Problem. An einigen Stellen ist er gefault und gebröselt, ist nur noch halb so dick. Kirchenpfleger Andreas Lehner erklärt: „Hier ist über die Jahre unkontrolliert Wasser hinein gelaufen.“ Eigentlich federt die Mauerlatte den Druck der Dachbalken ab. Fehlt sie, drücken die Balken auf die Außenmauern – Risse entstehen.

Ein wichtiger Punkt bei der Sanierung ist deshalb die neue Mauerlatte. Wobei das nicht so einfach ist, schließlich kann man ja nicht einfach einen Balken mitten aus der Dachkonstruktion heraus nehmen. Was dann passieren würde, kann jeder nachvollziehen, der schon mal Mikado gespielt hat. Die Zimmerer werden den Balken in den nächsten Wochen deshalb Stück für Stück austauschen. Außerdem bekommt die Kirche einen neuen Anstrich und das Dach eine neue Eindeckung. Durch die alten Platten drang immer wieder Regen. Probleme gebe es besonders an der Südseite, erklärt Ernst Walter. Dort ist der Temperaturunterschied im Winter durch Frost und Sonne besonders groß. In den vergangenen Jahren hat die Pfarrei die Platten nur notdürftig von innen her repariert – auf das steile hohe Dach steigen, das können nur Experten.

Damit die Arbeiten stattfinden können, ist die Kirche seit Sommer innen und außen eingerüstet. Und es gibt sogar noch eine Art Zwischengerüst, das der normale Besucher gar nicht zu sehen bekommt: Über dem Innengerüst sind Dutzende Holzlatten gegen die Deckengemälde gespannt. Sie sollen Bewegungen abfedern, die durch die Bauarbeiten entstehen, damit die wertvollen Kunstwerke nicht beschädigt werden.

Die Kirche kann während der Bauzeit genutzt werden, das innere Gerüst dient nur der Sicherung. Allerdings fühlt man sich dadurch im Gottesdienstraum ein bisschen wie im Käfig. Vorläufig feiert die Pfarrei deshalb die Gottesdienste in der nahen Kapelle, erklärt Pfarrer Martin Gall. Allerdings ist die nicht beheizbar, deshalb muss die Gemeinde im Winter in die eingerüstete Kirche zurück – genauso wie zu besonderen Messen, zu denen viele Gläubige kommen und die kleine Marienkapelle nicht ausreicht. „Aber für den Pfarrer ja auch mal schön, wenn er in der Kapelle vor vollem Haus steht“, sagt Lehner und lacht.

Es hat übrigens seinen Grund, warum die Arbeiten am Dachstuhl jetzt im Herbst und Winter stattfinden. „Wir müssen auf die Fledermäuse Rücksicht nehmen, die dort leben“, erklärt Lehner. Und noch eine zweite Auflage gibt es: Am Pfarrhaus müssen Nistkästen aufgehängt werden, damit die Dohlen ein Ausweichquartier haben. Die Bauarbeiten werden noch bis zum Sommer 2018 dauern und voraussichtlich 795000 Euro kosten. Den größten Anteil, gut 80 Prozent, zahlt die Diözese. Außerdem beteiligen sich mehrere öffentliche Stellen. Den Rest – 22000 Euro – muss die Pfarrgemeinde aufbringen.

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