Buch

21.12.2013

Architektonische Juwele

Micha Pawlitzki fotografierte Deutschlands U-Bahnhöfe

Aystetten Eigentlich sind Natur und Landschaft die Themen, denen sich der in Aystetten wohnende Fotograf Micha Pawlitzki in seinen Kalendern widmet, dafür die ganze Welt bereist. Ausnahmsweise begab sich der 41-Jährige für ein besonderes Projekt fast zwei Jahre lang in den Untergrund – und so heißt sein neues Werk, dieses Mal ein in der Edition Panorama erschienener Bildband mit 256 Seiten, auch „Unter Grund“. Thema: Deutschlands U-Bahnhöfe. Diese entpuppten sich für Micha Pawlitzki in dem Moment, als er ihnen sein fotografisches Augenmerk geschenkt hat, als „architektonische Juwele“.

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Genau diesen Blick öffnet er dem Betrachter, wenn er ihn auf 180 Fotos mit in die Tiefen unserer Städte nimmt. Staunend wandert man von einer Seite zur anderen, von einer U-Bahn-Station zur nächsten, und man muss sich ganz bewusst klar machen, dass diese oft mystisch und geheimnisvoll wirkenden Hallen, die durch die fotografische Perspektive in die Ferne, ins Nichts führen wie lange Korridore – dass diese Konstrukte dem profanen täglichen Bedürfnis des modernen Großstadtmenschen dienen: schnell von einem Ort zum andern zu kommen.

Nichts ist bei den Aufnahmen Pawlitzkis zu spüren von dem dampfenden Menschengedränge in den U-Bahnschächten, von der Hitze, der verbrauchten Luft, der lärmenden Rastlosigkeit, der Heimatlosigkeit und Machtlosigkeit, die den Menschen befallen, wenn er sich einige Etagen unter der Erdoberfläche einfach dem Verkehrsstrom überlassen muss.

Architektonische Juwele

Denn, so stellt man überrascht fest: U-Bahnhöfe strahlen Ruhe aus und sind schön – und, obwohl nur für den schnellen Durchgang gebaut, offenbar bewusst schön und mit mutiger Ästhetik gestaltet. Kein Wunder, dass dies dem normalen Verkehrsteilnehmer kaum auffällt. Nicht nur, weil er in Eile ist, sondern weil er ganz einfach nicht allein ist dort unten in den Schächten. Micha Pawlitzki war es: Er fotografierte die unterirdischen Verkehrswege nachts, wenn die Bahnhöfe geschlossen hatten. Hamburg, Berlin, Frankfurt, München, Duisburg, Essen, Bochum: Kein Fahrgast bevölkert die Bahnsteige, kein Penner kauert in einer Ecke, kein Zug rast durch den Schacht. Einfach: Leere, Ruhe. Nur der Raum ist da und die Gestaltung. So verwandelten sich die „trostlosen Transitorte“ für Micha Pawlitzki „in architektonische Landschaften“. Fast zwei Jahre bewegte er sich immer wieder im Untergrund, fuhr das komplette deutsche U-Bahn-Netz ab, um die interessantesten Bahnhöfe zu finden. „Tagsüber beschloss ich auf meinen Fahrten, was ich nachts fotografieren wollte“, erzählt er. Denn das musste schnell gehen. Mit behördlicher Genehmigung und Begleitschutz ging es dann in die leeren Hallen. Auf der Frankfurter Buchmesse wurde „Unter Grund“ vorgestellt und fand große Beachtung.

Bestellnummer Micha Pawlitzki, „Unter Grund“, Edition Panorama, 256 Seiten mit ca. 180 Fotos, ISBN 978-3-89823-460-3.

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