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Aichach/Landkreis Augsburg

18.02.2016

Asylbewerber warf im Ärger mit der Hantel

Ein Asylbewerber hat im Ärger mit einer Hantel geworfen und ist verurteilt worden.
Bild: Sashkin/Fotolia.com

Ein junger Senegalese wird verurteilt. Fest steht: Er wird abgeschoben.

Ein Verbrecher ist es nicht, der da auf der Anklagebank sitzt. Hier sind sich Richter, Staatsanwalt und Verteidiger einig, obwohl dem jungen Mann aus Senegal keine Kleinigkeit vorgeworfen wird. Er hat gedroht: „Ich werde dich töten.“ Das sagte er wohl zu einem Landsmann im Landkreis Augsburg und zur Leiterin eines Flüchtlingsheimes im Raum Aichach. Vor dem Aichacher Jugendrichter Axel Hellriegel sitzt der Senegalese eher wie ein Häufchen Elend. Normalerweise sei er keiner, der Probleme mache, übersetzt der Dolmetscher. Er sei damals sehr durcheinander gewesen. Auf der Fahrt über das Mittelmeer sei seine 16-jährige Schwester ertrunken, lautet sein Erklärungsversuch.

Die Probleme beginnen in einem Asylbewerberheim im Kreis Augsburg. Dort vertrug sich der nach eigenen Angaben 20 Jahre alte Afrikaner nicht mit einem Zimmergenossen, einem etwas jüngeren Landsmann. An einem Abend im Dezember 2014 warf der Angeklagte eine drei Kilogramm schwere Hantel – um damit den Zimmergenossen zu treffen, wirft ihm die Anklage vor. Verletzt wurde der Zimmergenosse nicht, doch es ging eine Fensterscheibe zu Bruch. Der Angeklagte versichert, er sei betrunken und wütend gewesen, habe den Mann aber nicht treffen wollen. Später stieß er die Drohung aus „Ich töte dich“ – mit einem kleinen Küchenmesser in der Hand. Die Polizei nahm ihn für eine Nacht mit. Doch der Beamte hatte damals den Eindruck, dass sich der Mann völlig zu Unrecht beschuldigt gefühlt habe, wie er als Zeuge erklärt.

Zwei Monate später, inzwischen in einem Heim im Raum Aichach, sagte der Senegalese die gleichen Worte wieder – diesmal zur Heimleiterin. Er wollte sie dazu bringen, dass er nach Hamburg verlegt wird. „Ich bin kein ängstlicher Typ, aber in dem Fall war ich mir nicht sicher, ob das nicht ernst gemeint ist“, schildert die Frau als Zeugin im Gerichtssaal. Davon beeinflussen lassen habe sie sich aber nicht, versichert sie. Wochen später kam der Senegalese doch nach Hamburg. Dort bot er ausgerechnet einem Zivilbeamten Marihuana an. Im Sommer 2015 wurde er nach Italien abgeschoben, kehrte aber nach einiger Zeit zurück nach Deutschland. Dort sei alles besser, wie er sagt. An der Grenze wurde er verhaftet und saß seitdem in Untersuchungshaft.

Staatsanwalt Julian Küffer bringt ein gewisses Verständnis auf für den jungen Mann. Eine solche Flucht sei nicht förderlich für die Entwicklung eines Heranwachsenden. Dennoch fördere ein solches Verhalten die bestehende Freundschaft der Deutschen für Flüchtlinge nicht. Küffer beantragt einen vierwöchigen Jugenddauerarrest. Verteidiger Reinhard Baade hält zwei Wochen für ausreichend. Richter Hellriegel verurteilt den Angeklagten zu vier Wochen Arrest. Er sei überzeugt, dass er den anderen Flüchtling nicht mit der Hantel habe treffen wollen. Sonst hätte er über ein Jahr ins Gefängnis gehen müssen. Als Folge des Urteils hebt der Richter den Haftbefehl auf – und damit steht die Frage im Raum: Wohin mit dem Angeklagten, den Polizisten aus einem Gefängnis nach Aichach gebracht haben? Darauf hat er auf Anhieb keiner eine Antwort. Nur eines steht fest: Er wird wieder abgeschoben.

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