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25.11.2009

Auf dem Flugplatz steht das Univiertel

Augsburg Die noch vor 20 Jahren geläufige Bezeichnung "Alter Flugplatz" für das Univiertel verschwindet aus dem Augsburger Wortschatz. Jüngeren Generationen und den meisten auf diesem Areal Zugezogenen fehlt eh das Wissen um die Vorgeschichte dieses jungen Stadtteils. Dass hier ab 1916 Rumpler-Doppeldecker gebaut wurden und im Juni 1919 der zivile Luftverkehr in Bayern begann, dass sie auf dem Flugfeld der Messerschmitt-Werke leben, ist längst nicht allen Bewohnern des Univiertels bewusst.

Im Oktober 1916 begann auf einem stadteigenen 110-Hektar-Areal nördlich von Haunstetten der Flugzeugbau in Augsburg. Ein Zweigbetrieb der Berlin-Johannisthaler Rumpler-Werke hatte sich angesiedelt und Werkshallen gebaut. Der erste der etwa 350 hier gebauten Rumpler-Doppeldecker startete am 1. Juli 1917 auf der Graspiste des Werksflugplatzes. Mit entmilitarisierten Rumpler-Maschinen richtete der spätere MAN-Generaldirektor Otto Meyer nach dem Ersten Weltkrieg einen zivilen Luftverkehr ein. Am 13. März 1919 landete die erste Maschine der "Rumpler Luftverkehr". Ab Juni beflogen täglich einmotorige Doppeldecker mit bis zu drei Passagieren die Strecke Augsburg-München-Fürth/Nürnberg-Leipzig-Berlin und zurück. Mit 660 km war dies die längste Linie des jungen deutschen Verkehrsflugnetzes. Ein großer Flugtag am 5. Oktober 1919 diente der Werbung für "Rumpler Luftverkehr".

Als Verkehrsflughafen erreichte der Flugplatz nie sonderliche Bedeutung. 1928 warb die im Frühjahr 1927 gegründete "Schwäbisch-bayerische Fluggesellschaft m.b.H. Augsburg" in Inseraten nur mehr mit der Vermittlung von Rund- und Vergnügungsflügen in "bequem eingerichteten Verkehrslimousinen" sowie dem Anschluss an das Flugnetz der Lufthansa. Der Flugplatz blieb vornehmlich ein Werksflughafen: bis 1923 für die Rumpler-Werke, ab 1926 für die "Bayerischen Flugzeugwerke", die 1938 in "Messerschmitt AG" umbenannt wurden.

Der Flugplatz und vor allem die daran grenzenden Entwicklungs- und Produktionsgebäude von Messerschmitt waren nach Kriegsbeginn bevorzugte Ziele alliierter Bomber. Sie mussten ihre Treffer fotografisch dokumentieren. Diese Aufnahmen lassen Hunderte von Detonationen sowie frisch verfüllte Krater erkennen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Flugplatz bis Mai 1956 von den Amerikanern beschlagnahmt. Sie überließen jedoch ab 1952 den Südteil den Segelfliegern, ab 1955 auch motorisierten Sportfliegern.

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Staat kündete Pachtverhältnis mit der Stadt

Ende der 1950er Jahre kam die Flugplatz-Verlegung ins Gespräch. Es war ein mühsamer Prozess, ehe 1962 ein geplanter "Landeplatz für Motorflugzeuge" mit einer 700-Meter-Betonpiste zwischen Autobahnsee und Mühlhausen genehmigt wurde. 1963 gab es 35 192 "deutsche" Starts und Landungen auf dem Flugfeld bei Haunstetten, die Amerikaner hatten bis zu 25 Maschinen auf dem Platz stationiert. Im Herbst begannen sie mit der Verlegung nach Gablingen, zum 30. April 1964 kündigte der Staat das Pachtverhältnis mit der Stadt Augsburg, der das Areal nach wie vor gehörte. Das hieß: Die Amerikaner ziehen endgültig ab. Am 21. Juni 1968 hob die letzte Maschine an der Haun-stetter Straße ab - ab diesem Tag lag dort der "Alte Flugplatz".

Dessen Bebauung begann 1972. Der darauf entstehende Stadtteil bekam jedoch nicht diesen Namen - den gab die neue Universität auf dem Areal. 1979 wies der damalige Oberbürgermeister Hans Breuer die Stadtverwaltung an, mit der Bezeichnung "Universitätsviertel" für das Neubaugebiet zu werben.

Ausbau von Protesten und Klagen begleitet

Der neue Flugplatz nahm am 22. Juni 1968 seinen Betrieb auf. Unumstritten war er nie. Bereits in der Vorplanung 1964 waren Lärmmessungen mit Hubschraubern vorgenommen worden. Der spätere Ausbau erfolgte in vielen Schritten, stets begleitet von Protesten und Klagen vor Gericht. Der Aufnahme von Linienflugverkehr ("Augsburg Airways") und steigender Frequentierung folgte eine ebenso schnelle Abschwungphase. Der Defizitausgleich muss nach wie vor aus Steuergeldern bestritten werden.

"2005 brach über den Flughafen ein wirtschaftliches Desaster herein", heißt es in der Homepage der Flughafen-Gesellschaft. Sie sieht mit Zuversicht in die Zukunft und verweist 2009 auf eine nun 1280 Meter lange Start-und-Landebahn plus 314 Metern Sicherheitsverlängerung, zugelassen für 50 Tonnen. Augsburg besitze damit einen "City Airport", der mit dem anschießenden 116 000 Quadratmeter großen Gewerbegebiet "Air Park" auf einen neuen und erfolgreichen Weg gebracht sei.

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