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Prozess

29.01.2010

Augsburg: Zwei Jahre Haft für 51-jährigen Kiffer

Gefährlicher Irrtum: Kiffen ist alles andere als harmlos
Bild: fo cr re tk/tl

Zwölf Marihuanapflanzen hatte er angebaut. Dafür muss ein 51-Jähriger aus dem Landkreis Augsburg in Haft. Er bekam noch eine besondere "Empfehlung" der Richterin. Von Niko Steeb

In Haus, Garage und Garten hatte er insgesamt zwölf Marihuanapflanzen angebaut. Im Zuge einer Durchsuchung erntete die Polizei über 600 Gramm an Blüten und Blättern. Dafür wurde ein 51-Jähriger aus dem Landkreis Augsburg nun zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt.

Und es gab sogar noch eine ganz besondere "Empfehlung" der Richterin: In ihrer Urteilsbegründung am Schöffengericht in Augsburg empfahl Richterin Gabriele Holzer dem "unbelehrbaren und strafunempfindlichen" Mann, nach Ablauf seiner Freiheitsstrafe nach Holland zu ziehen.

Der Angeklagte räumte die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft ein. Er verwies aber darauf, dass er die Pflanzen nicht zur Berauschung angebaut habe, sondern als Ersatz für eine Medizin. Diese zahle die Krankenkasse nicht. Für ihn sei das Medikament kaum zu bezahlen.

Augsburg: Zwei Jahre Haft für 51-jährigen Kiffer

Der 51-Jährige leidet seit Jahren an einer nicht heilbaren Leberzirrhose. Das Cannabis lindere seine Schmerzen - nur dafür habe er es gepflanzt, so der Angeklagte.

Richterin Holzer nahm ihm dies mit Verweis auf die große Anbaumenge nicht ab: "Bei 600 Gramm von Eigenverbrauch zu sprechen, das glaube ich nicht." Auch ansonsten machte sie keinen Hehl daraus, dass sie keine gute Sozialprognose für den Angeklagten sehe. Zum Beweis las sie die lange Liste der Vorstrafen vor. 24 hat der 51-Jährige seit 1976 gesammelt, viele davon hatten etwas mit dem Betäubungsmittelgesetz zu tun.

Da half es auch nicht mehr, dass Anwalt Marco Müller die Geständigkeit des Angeklagten hervorhob. Außerdem, so Müller, pflege der Mann seine kranke, alte Mutter, die sonst niemanden habe.

Ziel der Verteidigung war eine Bewährungsstrafe, die die Richterin Holzer aber abschmetterte und den Angeklagten zu zwei Jahren ohne Bewährung verurteilte. Damit blieb sie neun Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese sprach im Verlauf des Prozesses von "professionellem Anbau" und bezeichnete den Angeklagten ebenfalls als "unbelehrbar".

Mit Verweis auf die lange Liste an Vorstrafen des Mannes sagte die Richterin: "Sie haben die Chancen und das Vertrauen des Gerichts nie genutzt oder belohnt."

Da von einer Besserung des Verurteilten nicht auszugehen sei, empfahl Gabriele Holzer dem 51-Jährigen zum Schluss: "Sie sollten sich überlegen, nach Holland auszuwandern."

Ob es zur Haftstrafe kommt, ist noch nicht klar. Die Verteidigung will in Berufung gehen. Niko Steeb

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