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Landkreis Augsburg

21.08.2020

Augsburger Land: Immer mehr Leute verlassen die Kirche

Immer mehr Menschen treten auch im Landkreis Augsburg aus der Kirche aus.
Bild: Arne Dedert, dpa (Symbol)

Plus Seit Jahren haben die Kirchen immer weniger Mitglieder. Wie unsere Infografik zeigt, hat sich der Trend im Landkreis Augsburg beschleunigt. Die Situation ist für viele Gemeinden ein Problem. Welche Gründe Pfarrer für die Austritte hören.

Hans Fischer will an der Situation nichts beschönigen: „Wir sind eine langsam sterbende Pfarrei“, sagt der katholische Pfarrer aus Diedorf. Der Brief vom Standesamt, der ihn über einen Austritt in seiner Pfarrei informiert, ist ihm mittlerweile vertrauter als ihm lieb ist. Das Standesamt der Marktgemeinde meldet für das vergangene Jahr 92 Kirchenaustritte. Im laufenden Jahr sind auch schon 35 Menschen ausgetreten. „Vielleicht hat Corona die Leute ja nachdenklicher gemacht“, schmunzelt Fischer. Es könnte aber auch daran liegen, dass Corona den Besuch beim Amt komplizierter gemacht hat. Die Mitgliederzahl der Pfarrei ist rückläufig, auch weil wegen Corona viele Taufen ausgefallen sind.

Kirchenaustritte im Augsburger Land steigen unaufhaltsam

Nicht nur Pfarrer Fischer geht es so. In diesem Jahr sind laut den Standesämtern im Augsburger Land bis zum 31. Juli bereits 894 Menschen aus den Kirchen aller Konfessionen ausgetreten. Im vergangenen Jahr, dem letzten, für das es vollständige Zahlen gibt, waren sogar 2431 Austritte zu verzeichnen. Deutlich mehr als die 1887 aus dem Jahr 2018. Die Zahlen der Standesämter haben wir in nebenstehender Grafik aufbereitet. In den Dekanaten Augsburg-Land und Schwabmünchen standen dem im vergangenen Jahr 1200 Aufnahmen – etwa durch Taufen und Wiedereintritte – gegenüber.

Fischer versucht, seine Gemeinde möglichst attraktiv zu gestalten, aber er hat das Gefühl, dass ihm die oberen Organisationsebenen einen Strich durch die Rechnung machen. „Der Reformstau in der Kirche macht uns vieles kaputt“, sagt er. Fischer meint damit vor allem dass Frauen vom Priesteramt ausgeschlossen seien. Das sei nicht mehr zeitgemäß und verursache Frustration.

Wer aus der Kirche austritt, ist meist schon länger entfremdet

Im Gemeindeleben spürt er die Austritte nicht. „Die Leute, die austreten, sind meistens nicht die Klientel, die sehr diszipliniert in die Kirche kommt“, sagt er. Wer sich die Mühe mache, auszutreten, sei meistens schon länger nicht mehr aktiv. Wenn dann ein Auslöser kommt, kann das eine Austrittswelle lostreten: „Als die Missbrauchsvorwürfe um Bischof Mixa rausgekommen sind, hatten wir zum Beispiel eine Menge Austritte“, erinnert sich Fischer. Auch bei den Protestanten ist das Problem bekannt: „Gerade junge Leute treten häufig aus, wenn ihnen auffällt, dass sie Kirchensteuer zahlen müssen“, berichtet der evangelische Pfarrer Alan Büching aus der Pfarrgemeinde Diedorf-Fischach. Auch er beobachtet, dass dem Austritt meist schon eine längere Entfremdungsperiode vorrausgeht.

Den Augsburger Bischof Bertram Meier macht die Situation nachdenklich: „Diese Zahlen sind für mich Anlass zur Sorge“, zitiert ihn seine Pressestelle. Er wolle deswegen die Weitergabe des Glaubens zu seiner zentralen Aufgabe in seinem neuen Amt machen.

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